CrustLab auf Rekordkurs: Adam Gontarz über Unabhängigkeit und das beste Jahr der Geschichte
KI-GENERIERTSoftware-Entwickler CrustLab steht vor dem erfolgreichsten Geschäftsjahr seiner Geschichte. CEO Adam Gontarz erklärt, warum Betreiber ab 1 Million Euro GGR eigene Technik brauchen.
Die Reise von CrustLab begann in einer 50 Quadratmeter großen Wohnung in Krakau, wo ein kleines Team an einem massiven Holztisch im Wohnzimmer Vorstellungsgespräche führte. Heute, im September 2026, blickt CEO Adam Gontarz auf ein Unternehmen, das sich zu einem bedeutenden Akteur in der iGaming-Technologie mit rund 80 Beteiligten entwickelt hat. Das aktuelle Jahr verspricht, alle bisherigen Rekorde zu brechen, da sich die Spezialisierung auf komplexe Softwarelösungen für Glücksspielanbieter bezahlt macht. Gontarz sieht CrustLab nicht mehr als reinen Dienstleister, sondern als strategischen Partner, der Betreibern hilft, sich aus der Abhängigkeit großer Plattform-Provider zu lösen.
Der Weg dorthin war jedoch steinig. Besonders die Pandemie stellte das junge Unternehmen vor existenzielle Herausforderungen. Da der damalige Hauptkunde stark im physischen Rennsportgeschäft in den USA und Asien verwurzelt war, brachen die Aufträge fast über Nacht weg. Gontarz stand kurz davor, das Team von über einem Dutzend auf nur noch drei oder vier Personen zu reduzieren. Durch eine Diversifizierung in Bereiche wie Fintech und Healthcare konnte die Krise überbrückt werden, doch die Leidenschaft blieb beim Glücksspiel. Heute macht iGaming nahezu 100 Prozent des Geschäfts aus, eine bewusste Entscheidung gegen das Wachstum um jeden Preis und für eine tiefe fachliche Spezialisierung.
Zahlen und Fakten
Im vergangenen Jahr lag der Anteil des iGaming-Geschäfts bei etwa 90 Prozent, mittlerweile nähert er sich der vollständigen Ausrichtung. CrustLab beschäftigt heute etwa 80 Personen und hat sich von einem Team, das 2017 exklusiv für einen Kunden wie Sportech arbeitete, zu einem globalen Partner für MGA-, UKGC- und südafrikanische Lizenzen gewandelt. Besonders interessant ist die ökonomische Schwelle, die Gontarz für den Wechsel auf eigene Technologien definiert. Er empfiehlt Betreibern, die etwa eine Million Euro Gross Gaming Revenue (GGR) pro Monat generieren, dringend den Aufbau einer eigenen technologischen Basis.
„Nach unseren Schätzungen sollte ein Betreiber, der monatlich rund 1 Million Euro GGR erwirtschaftet, sehr ernsthaft darüber nachdenken. Wenn dieser Betreiber zudem jährlich um mehr als 10 Prozent wächst, sollte er fast schon obsessiv in Betracht ziehen, die eigene Plattform oder zumindest die Elemente der Nutzererfahrung selbst zu besitzen.“ - Adam Gontarz, CEO von CrustLab
Ein wesentlicher Aspekt des Angebots ist die Übertragung der geistigen Eigentumsrechte (IP) an den Kunden. Dies soll den sogenannten Vendor-Lock-in verhindern, bei dem Anbieter an einen Software-Lieferanten gekettet sind und im Extremfall nicht einmal volle Rechte an ihrer eigenen Datenbank besitzen. CrustLab nutzt heute eine Bibliothek aus bewährten Komponenten, die wie Lego-Bausteine zusammengesetzt werden, um die Entwicklungszeit zu verkürzen, ohne die Individualität der Plattform zu opfern.
Hintergrund
Die technologische Entwicklung im Glücksspielsektor bewegt sich weg von der reinen Abhängigkeit hin zu hybriden Modellen. Gontarz beobachtet diesen Trend besonders in Westeuropa. Dabei geht es nicht darum, sofort das gesamte Player Account Management (PAM) selbst zu bauen, was in regulierten Märkten oft in einer Katastrophe endet. Stattdessen sollten Betreiber die Customer Experience Layer, also das Frontend, die mobilen Apps und die Business Intelligence, unter eigener Kontrolle haben. Dies ermöglicht eine echte Differenzierung im Wettbewerb, die bei Standard-Plattformen oft fehlt.
Interessanterweise spielt der polnische Heimatmarkt für CrustLab kaum eine Rolle, da es dort an einem privaten Online-Casino-Markt fehlt. Der Fokus liegt stattdessen auf Märkten mit klaren regulatorischen Rahmenbedingungen. Gontarz betont dabei den Stolz auf die polnische Herkunft des Unternehmens und die hohe Qualität der heimischen Entwickler, sieht aber keinen Grund, sich als britisches oder amerikanisches Unternehmen zu tarnen, nur um auf dem internationalen Parkett zu glänzen.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler sind diese technologischen Entwicklungen von großer Bedeutung, auch wenn sie im Hintergrund stattfinden. Wenn ein Betreiber in Deutschland unter der Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) agiert, muss die Technik extrem präzise arbeiten, um die strengen Vorgaben des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GlüStV 2021) umzusetzen. Dazu gehören das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und die Anbindung an das zentrale Sperrsystem LUGAS.
Individuelle Plattformlösungen, wie CrustLab sie fördert, ermöglichen es den Anbietern, diese regulatorischen Hürden eleganter in das Design einzubauen, anstatt nur hässliche Fehlermeldungen anzuzeigen. Ein reibungsloser Ablauf beim 1-Euro-Limit pro Spielrunde oder bei den obligatorischen Pausen ist nur möglich, wenn die Software modern und anpassungsfähig ist. Spieler profitieren somit indirekt von der Unabhängigkeit der Betreiber durch stabilere Apps und bessere Bonus-Systeme, die trotz der harten deutschen Regeln ein attraktives Spielerlebnis bieten.
Was das für GGL-Casinos heißt
Casinos auf der GGL-Whitelist stehen unter enormem Kostendruck durch Steuern und Compliance-Auflagen. Die von Gontarz genannte Schwelle von einer Million Euro GGR ist für viele deutsche Lizenznehmer eine realistische Zielgröße. Durch den Besitz der eigenen IP und die Kontrolle über den Frontend-Layer können deutsche Anbieter ihre Kostenstruktur langfristig optimieren. Anstatt hohe Prozentsätze des Umsatzes dauerhaft an Plattform-Provider abzugeben, investieren sie in eigene Assets. Dies erhöht nicht nur den Unternehmenswert bei einem möglichen Verkauf, sondern erlaubt auch eine schnellere Anpassung an neue regulatorische Anforderungen, die in Deutschland jederzeit durch die GGL angepasst werden könnten.
Häufige Fragen
Wer ist Adam Gontarz und welche Rolle spielt CrustLab?
Adam Gontarz ist der CEO von CrustLab, einem polnischen Software-Unternehmen mit Sitz in Krakau. Die Firma hat sich auf technologische Lösungen für die iGaming-Branche spezialisiert und beschäftigt mittlerweile rund 80 Mitarbeiter.
Warum sollten Glücksspielanbieter ihre eigene Software besitzen?
Laut Gontarz verhindert der Besitz der eigenen IP einen sogenannten Vendor-Lock-in und steigert den Unternehmenswert. Zudem können Betreiber so die Nutzererfahrung individueller gestalten und sich besser vom Wettbewerb abheben.
Ab wann lohnt sich technisch gesehen eine eigene Plattform?
CrustLab empfiehlt Betreibern ab einem monatlichen Bruttospielertrag von etwa einer Million Euro, ernsthaft über den Aufbau eigener technologischer Schichten nachzudenken. Bei einem jährlichen Wachstum von über 10 Prozent wird dies als fast schon zwingend angesehen.
Welche Märkte sind für CrustLab derzeit am wichtigsten?
Das Unternehmen konzentriert sich vor allem auf regulierte Märkte mit Lizenzen der MGA und UKGC sowie auf Regionen wie Südafrika, Brasilien und Teile der USA und Kanadas. Der polnische Markt spielt aufgrund des fehlenden privaten Casinosektors eine untergeordnete Rolle.
Was bedeutet die technologische Unabhängigkeit für Spieler in Deutschland?
Für Nutzer in Deutschland bedeutet moderne, eigenständige Software oft eine stabilere Plattform, die regulatorische Anforderungen wie das 1.000 Euro Einzahlungslimit flüssiger integriert. Durch die GGL-Lizenzierung ist sichergestellt, dass solche technischen Lösungen den strengen deutschen Spielerschutzregeln entsprechen.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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