Alle News
Regulierung

Alberta startet mit lizenziertem Glücksspielmarkt: Nordamerikanische Giganten stürmen den Markt

10. Juli 20265 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Alberta startet mit lizenziertem Glücksspielmarkt: Nordamerikanische Giganten stürmen den Markt

Die kanadische Provinz Alberta führt am 13. Juli einen regulierten Online-Glücksspielmarkt ein. Zahlreiche große Marken wie FanDuel und DraftKings stehen bereit, um den Einwohnern Zugang zu Sportwetten und Online-Casinos zu bieten. Die Provinz erhofft sich über 700 Millionen US-Dollar Jahresumsatz.

Ab dem 13. Juli öffnet die kanadische Provinz Alberta ihren Online-Glücksspielmarkt für private Anbieter. Dies markiert einen bedeutenden Schritt in der nordamerikanischen Glücksspiellandschaft und macht Alberta zur zweiten kanadischen Provinz nach Ontario, die ein wettbewerbsfähiges iGaming-Modell einführt. Große Marken wie FanDuel, DraftKings, BetMGM und Caesars planen ihren Markteintritt und wollen Online-Sportwetten und Casino-Spiele anbieten.

Die Einführung ist das Ergebnis jahrelanger politischer Diskussionen und monatelanger Vorbereitungen durch Regulierungsbehörden, Betreiber und Zulieferer. Es wird erwartet, dass der Markt in Phasen anläuft, ähnlich wie in anderen regulierten Jurisdiktionen. Alberta will damit die bisherige Monopolstellung von Play Alberta beenden und einen Großteil der Glücksspielaktivitäten von unregulierten "Grau- oder Schwarzmarkt-Betreibern" in einen beaufsichtigten und besteuerten Rahmen überführen.

Zahlen und Fakten

Alberta, Heimat von fast fünf Millionen Einwohnern, zählt zu den Provinzen mit dem höchsten durchschnittlichen Haushaltseinkommen in Kanada. Analyst Jordan Bender von Citizens JMP Securities schätzt, dass der neue Markt in Alberta jährlich über 700 Millionen US-Dollar an Einnahmen generieren könnte. Davon sollen rund 200 Millionen US-Dollar aus Sportwetten und 500 Millionen US-Dollar aus Online-Casinos stammen. Diese Zahlen unterstreichen das potenzielle Wachstum des Glücksspielmarktes in Nordamerika.

Bislang haben sich 49 Betreiber bei der Alberta Gaming, Liquor and Cannabis (AGLC) registriert. Neben ihnen sind 56 Anbieter kritischer Spielsysteme und 14 Plattformanbieter gelistet. Auf dieser Liste stehen bekannte Namen wie PointsBet, BET99, 888, TonyBet und Betway. Es gibt auch lokale Anbieter wie Pure Casino Entertainment und River Cree iGaming. Nicht alle registrierten Unternehmen werden sofort am 13. Juli live gehen.

FanDuel plant, Casino- und Sportwettenprodukte in der Provinz einzuführen. Das Unternehmen hat zudem lokale Investitionen angekündigt, darunter eine Spende von 50.000 kanadischen Dollar an die A Dollar A Day Foundation und 30.000 kanadische Dollar an das kanadische Rote Kreuz für das Alberta Emergency Management Program. DraftKings hat die Einführung von DraftKings Sportsbook, DraftKings Casino und Golden Nugget Online Gaming bestätigt. Als besonderes Event sponsert DraftKings eine FIFA World Cup Viewing Party in Calgary und spendet 150.000 kanadische Dollar an Food Banks Alberta, um über 40.000 Pfund Lebensmittel zu kaufen.

Hintergrund

Die Entscheidung für einen regulierten Markt in Alberta wurde bereits am 30. März in einem Schreiben von Dale Nally, dem Minister für Dienstleistungen Alberta und Bürokratieabbau, an die Stakeholder kommuniziert. Er betonte die Chancen für die Provinz:

„Der Start eines regulierten iGaming-Marktes ist ein aufregendes Kapitel für unsere Provinz, und ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam daran arbeiten können, einen Markt aufzubauen, der sowohl wettbewerbsfähig als auch sozial verantwortlich ist. Albertas Zukunft im iGaming ist strahlend, und mit Ihrer Partnerschaft werden wir sicherstellen, dass sie für alle ein Erfolg wird.“ - Dale Nally, Minister für Dienstleistungen Alberta und Bürokratieabbau

Die Alberta Gaming, Liquor and Cannabis (AGLC) wird als Regulierungsbehörde fungieren. Die Alberta iGaming Corporation (AiGC) übernimmt die Rolle der Durchführungs- und Verwaltungsstelle, ähnlich der Funktion von iGaming Ontario. Dieses Modell hat sich in Ontario bewährt, wo der regulierte Markt im Jahr 2025 Einnahmen von 4,04 Milliarden kanadischen Dollar (ca. 2,85 Milliarden US-Dollar) erzielte. Das entsprach einem Anstieg von 34 Prozent gegenüber 2024. Albertas Modell könnte als Blaupause für andere kanadische Provinzen dienen, die ebenfalls ihre Online-Glücksspielmärkte öffnen wollen.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Deutsche Spieler kennen die Herausforderungen eines regulierten Marktes gut. Seit dem Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021) haben wir in Deutschland ebenfalls strenge Regeln. Einzahlungen sind auf 1.000 Euro pro Monat begrenzt, und die Einsätze an Spielautomaten dürfen 1 Euro pro Spin nicht überschreiten. Über LUGAS, ein zentrales Spielersperrsystem, werden alle Aktivitäten erfasst.

Der deutsche Markt unterscheidet sich stark vom kanadischen Ansatz. Während Kanada auf einen offenen Markt mit zahlreichen privaten Anbietern setzt, verfolgt Deutschland einen eher restriktiven Weg. Dies führt dazu, dass Spieler hierzulande weniger Auswahl an lizenzierten Angeboten haben. Die in Alberta neu entstehenden Möglichkeiten für Spieler in Kanada stehen im starken Gegensatz zu den in Deutschland geltenden Beschränkungen. Dennoch geht es in beiden Ländern darum, das Spielerschutzniveau zu erhöhen und Schwarzmarktangebote zu kanalisieren.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Casinos mit einer deutschen Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) sind solche Nachrichten aus Nordamerika interessant, wenngleich sie keine direkten Auswirkungen auf ihr Geschäft haben. Internationale Entwicklungen zeigen jedoch, dass die Regulierung von Online-Glücksspiel weltweit zunimmt. GGL-lizenzierte Anbieter müssen weiterhin die strengen Vorgaben des GlüStV 2021 einhalten. Dazu gehören Spielerschutzmaßnahmen, die Überwachung durch LUGAS und die Einhaltung der Einsatz- und Einzahlungslimits.

Der Erfolg des offenen Marktes in Alberta könnte Diskussionen über die Effektivität und Attraktivität unterschiedlicher Regulierungsmodelle anstoßen. Für die GGL geht es jedoch weiterhin darum, den deutschen Markt zu konsolidieren und das legale Angebot zu stärken. Eine mögliche Inspiration für deutsche Regulierungsansätze ist eher die Kanalisierung von Spielern weg vom Schwarzmarkt, wie sie auch in Alberta angestrebt wird – allerdings mit anderen Mitteln.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

Verwandte Themen