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Glücksspiel-Aktien in Rentenfonds: Australiens Milliarden-Investments im Fokus

Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Glücksspiel-Aktien in Rentenfonds: Australiens Milliarden-Investments im Fokus

Australische Rentenfonds halten über 10 Milliarden US-Dollar in Glücksspiel-Aktien. Erfahren Sie, warum Investment-Giganten wie BlackRock weltweit auf die Branche setzen.

Wer in Australien hart für seine Rente arbeitet, investiert oft unwissentlich in die globale Glücksspielindustrie. Ein neuer Bericht zeigt nun das wahre Ausmaß dieser Verflechtung auf. Die 20 größten Superannuation Funds des Landes, die für die Altersvorsorge der Bürger zuständig sind, halten demnach Anteile im Wert von insgesamt 10,3 Milliarden US-Dollar an Unternehmen aus dem Sektor. Das klingt zunächst nach einer enormen Summe, macht aber bei einem Gesamtvermögen von über 823 Milliarden US-Dollar nur etwa 1,2 Prozent des Portfolios aus. Dennoch sorgt die Veröffentlichung für hitzige Debatten unter Spielerschützern und Aktivisten.

Besonders im Rampenlicht steht dabei der Marktführer Australian Super. Dieser Fonds allein hält Spielanteile im Wert von 3,4 Milliarden US-Dollar. Da der Fonds insgesamt rund 155 Milliarden US-Dollar verwaltet, liegt der Anteil der „Sin Stocks“, also der Sünden-Aktien, hier bei etwas mehr als 2 Prozent. Für Kritiker der Branche ist das viel zu viel. Sie fordern eine strengere Trennung von moralischen Werten und der Rentenanlage. Finanzexperten halten dagegen, dass es für Fondsmanager fast unmöglich sei, an so großen Playern wie Aristocrat Leisure vorbeizukommen, wenn das Portfolio nicht explizit strengen Nachhaltigkeitsregeln (ESG) unterliegt.

Zahlen und Fakten

Die schiere Größe der beteiligten Unternehmen erklärt das Interesse der Investoren. Aristocrat Leisure ist beispielsweise das 16. größte Unternehmen an der australischen Börse und bringt es auf eine Marktkapitalisierung von fast 26 Milliarden US-Dollar. Die Aktie stieg in den letzten sechs Monaten um 7,4 Prozent. Hinzu kommen Schwergewichte wie The Lottery Corporation und Light & Wonder, die zusammen rund 15,5 Milliarden US-Dollar wert sind. Nimmt man noch Tabcorp mit einem Wert von 1,4 Milliarden US-Dollar dazu, repräsentiert die Branche fast zwei Prozent des gesamten australischen Aktienmarktes.

Dieses Phänomen ist jedoch bei weitem kein rein australisches Problem. In Großbritannien zeigt sich ein ähnliches Bild. BlackRock, ein Finanzriese, der Renten für etwa 13 Millionen Briten verwaltet, hält über 4 Prozent an Entain. Zu Entain gehören bekannte Marken wie Ladbrokes oder bwin. Auch Vanguard ist mit Anteilen zwischen 3,8 und 5,4 Prozent bei Flutter Entertainment investiert, dem Konzern hinter PokerStars und Betfair. Sogar staatliche Akteure mischen kräftig mit. Der südkoreanische National Pension Service (NPS), der drittgrößte Rentenfonds der Welt, hält Anteile an Kangwon Land und Lotte Tour Development. In Kanada besitzt der staatliche Pensionsfonds CPPIB rund 31 Prozent am Sportdaten-Anbieter Sportradar.

„Wenn Sie einen Rentenplan haben und Sie oder Ihr Arbeitgeber nicht nach ESG-Kriterien filtern, besteht die Chance, dass Sie in Glücksspiel-Aktien investiert sind.“ - Giles, Finanzexperte bei einem Londoner Beratungsunternehmen

Hintergrund

Die Diskussion um moralische Geldanlagen gewinnt weltweit an Fahrt. ESG steht für Environmental, Social and Governance, also Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung. Viele Fondsmanager stehen unter Druck, Rendite zu erwirtschaften, und greifen daher zu stabilen Dividendenwerten. Glücksspiel-Aktien gelten oft als krisenfest, da das Spielbedürfnis der Menschen seltener mit der wirtschaftlichen Lage schwankt als andere Konsumgüter. Das führt dazu, dass selbst staatliche Fonds wie in Südkorea trotz massiver Kritik von Parlamentariern an ihren Beteiligungen festhalten. In Südkorea etwa hielt der NPS im Jahr 2022 rund 3,71 Milliarden US-Dollar in Aktien aus den Bereichen Alkohol, Tabak und Glücksspiel.

Was heißt das für deutsche Spieler?

In Deutschland ist die Situation durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) klar geregelt. Während australische oder britische Fonds massiv in Konzerne investieren, die weltweit agieren, ist der deutsche Markt streng abgeschottet. Deutsche Spieler sollten darauf achten, nur bei Anbietern zu spielen, die auf der offiziellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen. Diese Firmen unterliegen harten Regeln zum Spielerschutz. Dazu gehören das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat sowie das Einsatzlimit von maximal 1 Euro pro Spielrunde an virtuellen Spielautomaten. Die Anbindung an das deutsche Überwachungssystem LUGAS garantiert, dass diese Limits spielerübergreifend eingehalten werden.

Wer bei lizenzierten Anbietern spielt, muss sich weniger Sorgen um die moralische Verflechtung seiner Einlagen machen, da die Profitmargen durch die hohen Steuern und Sicherheitsauflagen in Deutschland deutlich geringer sind als in Übersee. Die Transparenz ist hierzulande oberstes Gebot. Ein Investment deutscher Rentenkassen in hiesige Online-Casinos ist aufgrund der strengen Regulierung und der kleinteiligen Marktstruktur derzeit ohnehin kaum ein Thema. Für deutsche Nutzer bedeutet das ein Plus an Sicherheit, während die internationalen Märkte oft von gigantischen Aktiengesellschaften dominiert werden, bei denen Gewinnmaximierung vor Spielerschutz steht.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Betreiber mit einer deutschen GGL-Lizenz bedeutet der internationale Investment-Trend vor allem eines: Konkurrenzdruck durch kapitalstarke Weltkonzerne. Unternehmen wie Entain oder Flutter verfügen durch die Unterstützung von Giganten wie BlackRock oder Vanguard über schier endlose finanzielle Mittel. Dennoch müssen sie sich im deutschen Markt den gleichen strengen Regeln beugen wie kleinere, lokale Anbieter. Die GGL überwacht akribisch, dass keine unzulässige Werbung geschaltet wird und die Spielersperrdatei OASIS lückenlos funktioniert. Da internationale Fonds zunehmend auf ESG-Kriterien achten müssen, könnten deutsche Lizenzen in Zukunft sogar attraktiver für Investoren werden, da sie für einen regulierten und sauberen Markt stehen.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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