Kartenzählen auf hoher See: Australier verklagt Royal Caribbean nach Casino-Sperre
KI-GENERIERTEin australischer Profispieler fordert 22.000 AUD von Royal Caribbean zurück, nachdem er wegen angeblichen Kartenzählens von fünf Kreuzfahrten ausgeschlossen wurde.
Ein entspannter Urlaub auf dem Ozean endet oft am Roulette-Tisch oder beim Blackjack, doch für den Australier Mark Timothy Grant wurde der Traum von der Kreuzfahrt zum juristischen Tauziehen. Der erfahrene Spieler, der sich selbst als Advantage Player bezeichnet, wollte mit seinem Sohn und seiner Partnerin insgesamt fünf Reisen antreten, die er zuvor mit Gewinnen aus den bordeigenen Casinos von Royal Caribbean finanziert hatte. Kurz vor dem Boarding der ersten Fahrt erhielt er jedoch die Nachricht, dass er auf einer sogenannten No-Sail-Liste stehe. Damit war ihm nicht nur das Spielen im Casino, sondern das Betreten der Schiffe insgesamt untersagt.
Der Wert der gebuchten Reisen beläuft sich laut Grant auf beachtliche 22.000 AUD. Royal Caribbean rechtfertigt den Ausschluss mit dem Vorwurf, Grant habe gegen die Hausregeln verstoßen. Konkret geht es um das sogenannte Kartenzählen beim Blackjack, eine Technik, bei der Spieler durch Beobachten der ausgegebenen Karten die Wahrscheinlichkeiten für kommende Hände berechnen. Während dies mathematisch legal ist, werten viele Casinobetreiber das Vorgehen als geschäftsschädigend und belegen erfolgreiche Zähler mit Hausverboten.
Zahlen und Fakten
Im Zentrum des Rechtsstreits stehen 22.000 AUD, die Grant für seine fünf stornierten Kreuzfahrten zurückfordert. Er reichte Klage beim Queensland Civil and Administrative Tribunal ein. Zunächst erlitt er dort eine Niederlage, doch in der Berufung wurde sein Fall als Verbraucher-Händler-Streit eingestuft, was ihm nun neue Wege eröffnet. Mark Timothy Grant ist in der Branche kein Unbekannter. Er bestritt bereits einen Rechtsstreit gegen das Star Casino. Dort wurde ihm Edge Sorting vorgeworfen, eine Methode, bei der minimale Unregelmäßigkeiten auf der Rückseite von Spielkarten genutzt werden, um deren Wert zu erkennen. In diesem speziellen Fall urteilten die Richter jedoch zu seinen Gunsten.
„Ein Casino, in dem das Personal kompetent ist und die Spiele korrekt durchgeführt werden, hätte nichts zu befürchten." - Mark Timothy Grant, Kläger und Advantage Player
Diese Aussage tätigte Grant bereits während seines Verfahrens gegen Star Casino, um zu verdeutlichen, dass sein Erfolg lediglich auf der Ausnutzung vorhandener Schwächen im Spielbetrieb beruhe und nicht auf Betrug oder Täuschung. Royal Caribbean sieht dies anders und verweist auf die offiziellen Richtlinien, die unangemessenes Verhalten, Aufzeichnungsgeräte an den Tischen und das Abweichen von den Hausregeln strikt untersagen.
Hintergrund
Das Kartenzählen und Edge Sorting sorgen international immer wieder für Schlagzeilen. Prominentestes Beispiel ist der Poker-Profi Phil Ivey, der Millionenbeträge durch Edge Sorting gewann, diese jedoch nach langwierigen Prozessen zurückzahlen musste. Grant argumentiert hingegen, dass er zwar asymmetrische Karten bemerkt habe, aber niemals sicher wissen konnte, welche Karte als Nächstes kommt. Er vergleicht sein Wissen mit dem eines jeden anderen aufmerksamen Spielers am Tisch. Royal Caribbean bleibt jedoch hart und setzt Kartenzählen mit Betrug gleich.
Interessant ist der technische Aspekt an Bord der Schiffe. Auf vielen Schiffen von Royal Caribbean werden bei Blackjack-Tischen mit niedrigen Limits kontinuierliche Mischmaschinen eingesetzt, die Kartenzählen faktisch unmöglich machen. Bei Tischen mit höheren Einsätzen, etwa ab 15 USD, wird jedoch oft noch von Hand gemischt. Zudem werden die SeaPass-Karten der Passagiere bei jedem Einsatz gescannt, wodurch das System jede Änderung der Setzstrategie sofort registriert und Alarm schlägt, wenn ein Spieler seine Einsätze mathematisch perfekt an das verbleibende Deck anpasst.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler ist die Situation auf internationalen Kreuzfahrtschiffen rechtlich oft eine Grauzone, da diese Schiffe meist unter ausländischer Flagge in internationalen Gewässern operieren. Innerhalb Deutschlands bietet der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) einen klaren Rahmen, der jedoch vor allem auf den Schutz des Spielers und die Verhinderung von Sucht ausgelegt ist. In staatlich lizenzierten Online-Casinos, die auf der GGL-Whitelist stehen, sind Techniken wie Kartenzählen aufgrund der softwarebasierten Zufallsgeneratoren (RNG) technisch gar nicht möglich. Zudem gelten in Deutschland strikte Limits, wie das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro über das LUGAS-System und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten.
Deutsche Spieler sollten sich bewusst sein, dass Advantage Play in physischen Casinos auch hierzulande zu Hausverboten führen kann. Während Kartenzählen keine Straftat darstellt, greift das Hausrecht der Betreiber. Wer auf einem Kreuzfahrtschiff spielt, unterwirft sich den dortigen Bedingungen, die oft deutlich strenger ausgelegt werden als in deutschen Spielbanken. Die GGL überwacht in Deutschland nur Anbieter mit hiesiger Lizenz, was bedeutet, dass deutsche Rechtssicherheit bei Streitigkeiten mit Unternehmen wie Royal Caribbean kaum greift.
Was das für GGL-Casinos heißt
Anbieter mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) konzentrieren sich auf Fairness und Transparenz. Solche Rechtsstreitigkeiten, wie sie Grant führt, sind in Deutschland seltener, da die Spielregeln durch die Behörde streng kontrolliert werden. In einem GGL-lizenzierten Casino ist ein Ausschluss aufgrund mathematischen Talents kaum denkbar, solange keine verbotenen Hilfsmittel wie Bots oder Softwarelösungen zum Einsatz kommen. Die Transparenzpflichten sorgen dafür, dass Hausregeln für deutsche Kunden klar einsehbar sein müssen.
Häufige Fragen
Warum wurde Mark Timothy Grant von Royal Caribbean verbannt?
Das Unternehmen setzte ihn auf eine No-Sail-Liste, weil er des Kartenzählens im Casino bezichtigt wurde. Laut Royal Caribbean verstieß er damit gegen die Hausregeln, was den Ausschluss von insgesamt fünf bereits gebuchten Kreuzfahrten zur Folge hatte.
Ist Kartenzählen im Casino illegal?
Mathematisches Kartenzählen ist in den meisten Ländern nicht strafbar, wird aber von Casinos als geschäftsschädigend eingestuft. Betreiber nutzen ihr Hausrecht, um erfolgreiche Advantage Player dauerhaft von ihren Tischen und Einrichtungen auszuschließen.
Um welche Summe geht es in dem Rechtsstreit?
Grant fordert 22.000 AUD von Royal Caribbean zurück. Dies entspricht dem Gesamtwert der fünf Kreuzfahrten, die er mit seinen Casinogewinnen gebucht hatte und die ihm aufgrund der Sperre verwehrt wurden.
Was ist Edge Sorting?
Edge Sorting ist eine Technik, bei der Spieler kleine Musterfehler auf den Rückseiten von Spielkarten ausnutzen. Mark Timothy Grant wurde dies bereits in einem früheren Fall mit dem Star Casino vorgeworfen, den er jedoch gewann.
Sind deutsche Online-Casinos von solchen Sperren betroffen?
Nein, in Deutschland lizenzierte Online-Casinos nutzen Zufallsgeneratoren, bei denen Kartenzählen technisch unmöglich ist. Spieler in Deutschland sind durch den GlüStV 2021 geschützt, der klare Regeln für faire Spiele und Einzahlungslimits vorgibt.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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