Wettbüros vor dem Aus? BGC warnt vor drastischen Steuererhöhungen in Großbritannien
KI-GENERIERTDer Betting and Gaming Council startet die Kampagne Back Our Betting Shops, um 109.000 Arbeitsplätze gegen drohende Steuerverdopplungen zu verteidigen.
In Großbritannien herrscht helle Aufregung in der Glücksspielbranche. Der Betting and Gaming Council (BGC) hat am 28. September 2026 eine groß angelegte Rettungskampagne ins Leben gerufen. Unter dem Titel Back Our Betting Shops wehrt sich der größte Branchenverband gegen drohende Steuererhöhungen, die im kommenden Herbstbudget der Regierung erwartet werden. Die Warnungen sind deutlich: Sollte der Staat die Abgaben wie geplant anheben, droht ein Kahlschlag in der traditionsreichen britischen Wettlandschaft. Betreiber wie Betfred und Entain, zu denen auch Ladbrokes Coral gehört, sehen die wirtschaftliche Basis ihrer stationären Geschäfte massiv bedroht.
Die Sorge der Branche konzentriert sich vor allem auf die Machine Games Duty (MGD). Diese Steuer wird auf die Einnahmen aus Spielautomaten in den Wettbüros erhoben. Berichten zufolge plant die Regierung, die Steuersätze in allen drei Kategorien zu verdoppeln. Dies würde bedeuten, dass der niedrige Satz von 5 auf 10 Prozent, der Standardsatz von 20 auf 40 Prozent und der Höchstsatz von 25 auf 50 Prozent steigen könnte. Für viele Betreiber wäre dies der Gnadenstoß für ihre Filialen auf den sogenannten High Streets, den Haupteinkaufsstraßen der britischen Städte.
Zahlen und Fakten
Die wirtschaftliche Bedeutung des Sektors ist beachtlich. Der regulierte Bereich trägt jährlich 6,8 Milliarden Pfund zur britischen Wirtschaft bei und zahlt rund 4 Milliarden Pfund an Steuern. Insgesamt hängen etwa 109.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt an der Industrie. Betfred-Gründer Fred Done äußerte gegenüber der Financial Times die düstere Prognose, dass Wettbüros bis zum Jahr 2030 vollständig aus dem Stadtbild verschwinden könnten, wenn sich die steuerlichen Rahmenbedingungen so drastisch verschlechtern. Sein Unternehmen betreibt derzeit noch mehr als 1.300 Standorte im ganzen Land.
Parallel zu den stationären Problemen wächst die Bedrohung durch den Schwarzmarkt. Analysen von H2 Gambling Capital zeigen eine alarmierende Entwicklung. Während die Einsätze bei illegalen Anbietern im Jahr 2025 bei etwa 17 Milliarden Pfund lagen, könnten sie bis 2028 auf über 33 Milliarden Pfund ansteigen. Damit würde fast jeder fünfte online gesetzte Pfund bei einem nicht lizenzierten Betreiber landen. Diese Anbieter zahlen keine Steuern, halten sich an keinerlei Spielerschutzregeln und nutzen oft aggressive Werbung in sozialen Medien, um Kunden von den legalen Plattformen wegzulocken.
Hintergrund
Die politische Debatte wird durch Forderungen nach einer stärkeren Beteiligung der Branche an den Kosten des Gesundheitssystems angeheizt. Andy Burnham, der Bürgermeister von Greater Manchester, hat Pläne für ein soziales Pflegesystem nach Vorbild des NHS entworfen. Zur Finanzierung werden Steuererhöhungen in der gesamten Wirtschaft diskutiert, wobei das Glücksspiel als willkommene Einnahmequelle gilt. Demgegenüber betont die BGC-Chefin Grainne Hurst den sozialen Wert der Wettshops für die Gesellschaft.
„Hinter jedem Wettbüro steht ein Team von echten Menschen, die ihren Lebensunterhalt verdienen, ihre Familien unterstützen und eine Rolle in ihrer lokalen Gemeinschaft spielen. Diese Läden sind nicht nur Unternehmen. Für viele Menschen sind sie Gemeinschaftsknotenpunkte, vertraute Orte in der Einkaufsstraße, an denen Menschen arbeiten, sich treffen und Kontakte knüpfen, oft mit Mitarbeitern, die ihre Kunden seit Jahren kennen.“ - Grainne Hurst, Chief Executive Officer des BGC
Der Verband warnt zudem, dass eine Schwächung der legalen Anbieter direkt dem Schwarzmarkt in die Hände spielt. In einem neuen Fünf-Punkte-Plan fordert der BGC deshalb härtere Maßnahmen gegen illegale Betreiber, darunter die Sperrung von Webseiten und die Unterbindung von Zahlungsströmen durch Finanzinstitute. Die Erfahrung zeigt, dass übermäßige Regulierung oder Besteuerung der legalen Anbieter die Spieler oft in den ungeschützten Schwarzmarkt treibt, wo keinerlei Kontrollmechanismen greifen.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler zeigt die Situation in Großbritannien vor allem eines: Stabilität in der Regulierung ist ein hohes Gut. In Deutschland regelt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) den Markt. Hier gibt es bereits sehr strikte Vorgaben, wie das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über das LUGAS-System oder das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spielrunde an virtuellen Automaten. Während in UK über Steuerverdopplungen gestritten wird, kämpfen deutsche lizenzierte Anbieter vor allem gegen die Konkurrenz aus Curacao oder Malta, die sich oft nicht an diese strengen deutschen Regeln halten. Deutsche Kunden sollten unbedingt darauf achten, nur bei Anbietern zu spielen, die auf der Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen. Nur dort greifen die gesetzlichen Schutzmechanismen, die in Großbritannien gerade durch die Abwanderung in den Schwarzmarkt gefährdet sind.
Was das für GGL-Casinos heißt
Die Entwicklungen im Ausland sind ein Warnsignal für deutsche GGL-lizenzierte Casinos. Wenn die steuerliche Last oder der regulatorische Druck zu hoch werden, schwindet die Kanalisierungsquote. Das bedeutet, dass Spieler vermehrt zu Anbietern ohne deutsche Lizenz abwandern. Die GGL muss daher eine Balance finden, um den Spielerschutz zu gewährleisten, ohne die legalen Anbieter wirtschaftlich so stark zu belasten, dass sie gegen den Schwarzmarkt nicht mehr konkurrenzfähig sind. Der Schutz der Spieler vor Betrug und Kriminalität funktioniert nur, wenn das legale Angebot attraktiv genug bleibt. In Deutschland wird die Durchsetzung von Internetsperren (IP-Blocking) und Zahlungsblockaden gegen illegale Anbieter bereits intensiv diskutiert, ähnlich wie es der BGC nun für den britischen Markt fordert.
Häufige Fragen
Was ist die Machine Games Duty (MGD)?
Die Machine Games Duty ist eine Steuer in Großbritannien, die auf die Bruttospielerträge von Spielautomaten erhoben wird. Aktuell liegen die Sätze zwischen 5 und 25 Prozent, doch die Regierung plant eine Verdopplung dieser Werte.
Warum schließt Betfred viele seiner Wettbüros?
Betfred warnt vor den wirtschaftlichen Folgen der geplanten Steuererhöhungen und dem Konkurrenzdruck durch den Schwarzmarkt. Gründer Fred Done befürchtet, dass stationäre Wettshops bis zum Jahr 2030 komplett verschwinden könnten.
Wie groß ist die Gefahr durch den illegalen Glücksspielmarkt?
Experten von H2 Gambling Capital schätzen, dass die Einsätze bei illegalen Anbietern bis 2028 auf über 33 Milliarden Pfund steigen könnten. Diese Anbieter unterliegen keiner staatlichen Kontrolle und bieten keinen Spielerschutz.
Wie viele Jobs hängen in Großbritannien am Glücksspielsektor?
Laut Angaben des Betting and Gaming Council unterstützt die Branche rund 109.000 Arbeitsplätze im gesamten Land. Die Kampagne Back Our Betting Shops soll diese Stellen vor dem Wegfall durch Filialschließungen schützen.
Was sollten deutsche Spieler bei der Anbieterwahl beachten?
Spieler in Deutschland sollten nur bei Anbietern mit einer Lizenz der GGL spielen, die auf der offiziellen Whitelist stehen. Dies garantiert die Einhaltung des Glücksspielstaatsvertrags 2021, einschließlich der Einzahlungs- und Einsatzlimits zum Schutz der Verbraucher.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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