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Spielerschutz

US-Experten warnen: Sportwetten als neue Opioid-Krise der öffentlichen Gesundheit

26. August 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
US-Experten warnen: Sportwetten als neue Opioid-Krise der öffentlichen GesundheitKI-GENERIERT

Ehemalige US-Gesundheitsbehörden ziehen drastische Vergleiche zwischen Spielsucht und der Opioid-Epidemie. Besonders gefährdet seien junge Männer durch ständige Dopamin-Schübe.

Die Warnung könnte kaum deutlicher ausfallen. Jerome Adams, der von 2017 bis 2021 als Surgeon General der Vereinigten Staaten fungierte, hat sich mit einer alarmierenden Botschaft an die Öffentlichkeit gewandt. Er vergleicht den aktuellen Boom bei Sportwetten mit der verheerenden Opioid-Krise, die in den USA bereits unzählige Leben gekostet hat. Besonders besorgniserregend sei dabei die frühe Exposition von Kindern und Jugendlichen, die durch die ständige Verfügbarkeit von Wett-Apps auf ihren Smartphones in eine Abhängigkeitsspirale geraten könnten. Adams betont, dass Spielsucht diejenige Suchtform ist, die am häufigsten zu Suiziden führt, ein Aspekt, der in der öffentlichen Debatte oft vernachlässigt wird.

Die Wissenschaft hinter dieser Entwicklung ist komplex und eng mit der Funktionsweise des menschlichen Gehirns verknüpft. Im Zentrum steht der Botenstoff Dopamin. Betroffene wie der ehemalige Anwalt Chris Swett beschreiben den Prozess als eine Art Achterbahnfahrt. Für ihn war nicht nur das Gewinnen entscheidend, sondern der konstante Kick beim Platzieren einer Wette und das anschließende Verfolgen der Spielstände. Diese ständige Stimulation führt dazu, dass das Gehirn ohne diesen Rausch kaum noch funktioniert. Swett, der aufgrund seiner Sucht seine Karriere verlor und nun eine Haftstrafe antreten muss, verdeutlicht die zerstörerische Kraft dieser Verhaltenssucht, die oft schon in jungen Jahren durch ein Umfeld beginnt, in dem Glücksspiel als völlig normal angesehen wird.

Zahlen und Fakten

Die Statistiken und wissenschaftlichen Erkenntnisse unterstreichen die Dringlichkeit des Themas. Dr. Timothy Fong, Professor für Psychiatrie an der UCLA und Co-Direktor des Glücksspiel-Studienprogramms, erklärt, dass Spielsucht auf einer Kombination aus biologischen, psychologischen und sozialen Risikofaktoren basiert. Dabei spielen auch Vorerkrankungen wie Depressionen, Angstzustände oder ADHD eine wesentliche Rolle. Interessanterweise gibt es auch medizinische Zusammenhänge außerhalb des direkten Glücksspiels. So zeigen Berichte, dass sogenannte Dopamin-Agonisten, die zur Behandlung von Parkinson oder Depressionen eingesetzt werden, bei Patienten zu Impulskontrollstörungen führen können. Studien wiesen nach, dass bis zu ein Sechstel der Patienten, die diese Medikamente einnehmen, ernsthafte Nebenwirkungen wie Spielsucht oder Hypersexualität entwickeln könnten, wobei einige Experten die Quote sogar bei eins zu drei sehen.

„Es ist eine mächtige, gewaltige Sucht, und jeden Tag lechzte ich nach diesem Kick. Ich wachte auf und schaute auf mein Handy, um zu sehen, was als Nächstes anstand. Buchstäblich alle 10 bis 15 Minuten habe ich mein Handy gecheckt.“ - Chris Swett, ehemaliger Anwalt und Betroffener

Hintergrund

In den USA wird derzeit politisch um den sogenannten SAFE Bet Act gerungen. Dieser Gesetzentwurf, eingebracht von Paul Tonko und Richard Blumenthal, zielt darauf ab, einen nationalen Rahmen für den Spielerschutz zu schaffen und damit die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs von 2018, Sportwetten zur Ländersache zu machen, teilweise zu revidieren. Der Entwurf sieht unter anderem eine nationale Selbstausschlussliste vor und fordert von den Betreibern, Informationen in Echtzeit zu teilen. Doch das Vorhaben ist umstritten. Kritiker wie der ehemalige Regulator David Rebuck bezeichnen den Vorstoß als arrogant und unnötig kompliziert, während Verbände wie der National Council on Problem Gambling zumindest begrüßen, dass das Thema nun auf Bundesebene als Problem der öffentlichen Gesundheit wahrgenommen wird.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler bietet der seit 2021 geltende Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021) bereits einen wesentlich strengeren Schutzrahmen als in vielen US-Bundesstaaten. Die Einführung der zentralen Überwachungsbehörde GGL und das IT-System LUGAS dienen dazu, exzessives Spielverhalten frühzeitig zu unterbinden. In Deutschland gilt ein striktes anbieterübergreifendes Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat sowie ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automatenspielen. Diese Maßnahmen sollen genau jene Dopamin-Spiralen verhindern, vor denen Jerome Adams warnt. Spieler in Deutschland können sich zudem jederzeit über das Sperrsystem OASIS bundesweit sperren lassen, was ein wichtiges Sicherheitsnetz darstellt.

Was das für GGL-Casinos heißt

Casinos mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen in der Pflicht, diese strengen Regeln konsequent umzusetzen. Während in den USA noch über nationale Standards gestritten wird, müssen deutsche Anbieter bereits jetzt Algorithmen nutzen, um gefährdetes Spielverhalten zu erkennen. Das bedeutet für die Betreiber einen hohen administrativen Aufwand, garantiert dem Kunden aber ein sichereres Umfeld. Anbieter, die sich nicht an diese Vorgaben halten oder keine deutsche Lizenz besitzen, handeln illegal und bieten nicht das Schutzniveau, das zur Vermeidung einer Suchtentwicklung, wie sie in den aktuellen US-Berichten beschrieben wird, notwendig ist.

Häufige Fragen

Warum vergleicht Jerome Adams Sportwetten mit der Opioid-Krise?

Er warnt davor, dass die leichte Zugänglichkeit und die frühe Exposition von Jugendlichen zu einer massiven Suchtwelle führen könnten, die ähnlich zerstörerisch für die Gesellschaft ist wie Drogenabhängigkeit. Er weist zudem darauf hin, dass Spielsucht die höchste Suizidrate unter den Abhängigkeiten aufweist.

Welche Rolle spielt Dopamin bei der Entstehung von Spielsucht?

Der Botenstoff Dopamin wird bei Erwartung und Erhalt einer Belohnung ausgeschüttet, was bei Süchtigen zu einem zwanghaften Verlangen nach dem nächsten Rausch führt. Das Gehirn gewöhnt sich an diese Kicks, wodurch das alltägliche Leben ohne das Glücksspiel als freudlos empfunden wird.

Gibt es Medikamente, die Spielsucht als Nebenwirkung haben?

Ja, Berichten zufolge können Dopamin-Agonisten, die oft bei Parkinson oder Depressionen verschrieben werden, die Impulskontrolle schwächen. Studien legen nahe, dass bis zu 17 Prozent oder sogar mehr der Patienten unter solchen Medikamenten ein pathologisches Spielverhalten entwickeln können.

Was ist der SAFE Bet Act in den USA?

Dies ist ein Gesetzesvorschlag, der einen nationalen Standard für den Spielerschutz in den USA etablieren soll, inklusive einer bundesweiten Sperrliste. Der Entwurf wird jedoch von vielen Branchenvertretern als Eingriff in die Rechte der Bundesstaaten abgelehnt.

Wie werden deutsche Spieler vor solchen Entwicklungen geschützt?

In Deutschland schützt der GlüStV 2021 Spieler durch das Sperrsystem OASIS, die LUGAS-Überwachung und strenge Einzahlungslimits von maximal 1.000 Euro monatlich. Zudem dürfen nur Anbieter mit GGL-Lizenz legal operieren, was eine ständige Kontrolle der Schutzmaßnahmen gewährleistet.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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