Lizenz-Chaos in den Niederlanden: Anbieter kämpfen um fünfjährige Verlängerung
KI-GENERIERTDie niederländische KSA setzt neue Regeln für die Lizenzverlängerung ab Oktober 2026 durch, inklusive Pflicht zu einem Exit-Plan bei Markt-Austritt.
In den Niederlanden herrscht derzeit Hochbetrieb hinter den Kulissen der großen Glücksspielkonzerne. Der Grund ist ein wichtiges Jubiläum, das viele Betreiber eher mit Sorge als mit Freude betrachten. Fünf Jahre nach der historischen Marktöffnung im Oktober 2021 laufen die ersten Konzessionen aus. Wer ab dem 1. Oktober 2026 weiterhin legal Wetten und Casinospiele im Land der Tulpen anbieten möchte, muss sich einem strengen Prüfverfahren der Aufsichtsbehörde Kansspelautoritet (KSA) unterziehen. Die Behörde hat die Zügel spürbar angezogen und verlangt nun Dokumente, die in der Branche für Stirnrunzeln sorgen, allen voran einen verbindlichen Exit-Plan für den Fall eines Marktaustritts.
Einige Schwergewichte konnten bereits aufatmen. Holland Casino, Bingoal und der zur Nederlandse Loterij gehörende Marktführer TOTO Online haben ihre Verlängerung für weitere fünf Jahre bereits in der Tasche. Diese Zusage gilt ab dem 1. Oktober 2026. Doch für viele andere steht die Entscheidung noch aus. Die KSA hat klargestellt, dass die Verlängerung kein Selbstläufer ist. Besonders Anbieter, die in der Vergangenheit durch Marketingverstöße oder unzureichenden Spielerschutz aufgefallen sind, müssen nun Rechenschaft ablegen. Die Regulierungsbehörde prüft die Einhaltung der Anti-Geldwäsche-Richtlinien und des Gesetzes zur Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung (Wwft) penibler denn je.
Zahlen und Fakten
Die Marktdynamik in den Niederlanden hat sich seit 2021 massiv verändert. Von anfangs nur 10 Lizenzinhabern wuchs der Markt auf über 30 Anbieter an. Doch die Rahmenbedingungen sind hart. Zum 1. Januar 2026 stieg der Steuersatz für Glücksspiel auf stolze 37,8 Prozent, nachdem er 2025 bereits bei 34,2 Prozent lag. Dies hat Konsequenzen für die Kanalisierungsrate. Laut dem Branchenverband VNLOK entfielen im Jahr 2025 etwa 25 Prozent der niederländischen Glücksspielaktivitäten auf den Schwarzmarkt. Die KSA selbst schätzte Anfang letzten Jahres, dass der Anteil des legalen Marktes am Bruttospielertrag (Gross Gaming Revenue, GGR) zeitweise auf rund 49 Prozent sank.
Besonders spannend bleibt die Situation bei BetCity. Die Marke, die 2023 von Entain übernommen wurde, hält den dritten Platz beim Marktanteil, geriet aber wiederholt mit der KSA in Konflikt. Im März gab das Unternehmen zu, gegen Marketingregeln für junge Erwachsene verstoßen zu haben. Aktuell prüft die Behörde die Verwendung von Vorbildern während der Weltmeisterschaft, was gegen das geltende Verbot von Testimonials verstößt. Unibet hingegen hat noch etwas Puffer, da die Lizenz der Muttergesellschaft FDJ United erst am 8. Juni 2027 ausläuft. Trotz der starken Marktposition musste FDJ im ersten Quartal einen regionalen Umsatzrückgang von 19,9 Prozent hinnehmen.
Hintergrund
Der niederländische Markt gilt als einer der am strengsten regulierten in Europa. Seit dem 1. Juli 2023 ist ungerichtete Werbung in Fernsehen, Radio und Printmedien verboten. Ein Jahr später, am 1. Juli 2025, folgte das Verbot von Sportsponsoring durch Glücksspielfirmen. Die KSA verfolgt hierbei eine Null-Toleranz-Strategie. Besonders brisant ist die neue Anforderung eines Exit-Plans. Jeder Bewerber muss darlegen, wie er das Angebot ordnungsgemäß einstellt und sich vom Markt zurückzieht, sollte die Lizenz nicht verlängert werden oder das Unternehmen sich zum Rückzug entschließen.
„Anbieter, die in den letzten fünf Jahren Fehler gemacht haben, müssen im Rahmen des Antragsverfahrens erklären, wie sie aus früheren Fehlern gelernt haben und wie sie eine Wiederholung zu verhindern gedenken.“ - Sprecher der Kansspelautoritet (KSA), niederländische Glücksspielbehörde
Wenn die Erklärung der KSA nicht ausreicht, kann die Genehmigung verweigert oder mit zusätzlichen Beschränkungen belegt werden. Dies setzt Unternehmen wie Kansino oder Fair Play massiv unter Druck, da ihre Lizenzen ebenfalls im Oktober 2026 auslaufen. Selbst Giganten wie bet365, die auf Platz vier im Markt-Ranking liegen, müssen sich dem neuen, harten Regime beugen. Der Rückzug der LiveScore Group im Jahr 2024 zeigt, dass der wirtschaftliche Druck durch Steuern und Werbeeinschränkungen für manche zu groß wird.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler sind diese Entwicklungen in den Niederlanden ein wichtiges Signal. Zwar gelten in Deutschland die Regeln des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GlüStV 2021), doch die grenzüberschreitende Strenge der Behörden nimmt zu. Deutsche Kunden sollten ausschließlich in Casinos spielen, die auf der Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen. Dort sind wichtige Schutzmaßnahmen wie das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spielrunde bei virtuellen Automaten garantiert. Zudem bietet das LUGAS-System eine zentrale Überwachung zum Schutz vor Spielsucht.
Wer in den Niederlanden lizenziert ist, hat oft auch Ambitionen auf dem deutschen Markt. Doch die KSA-Vorgaben zeigen, dass Verstöße gegen Werberegeln mittlerweile existenzbedrohend sein können. Deutsche Spieler profitieren davon, dass die Regulierungsbehörden in Europa enger zusammenrücken. Ein Anbieter, der in Holland wegen mangelndem Spielerschutz oder illegaler Werbung seine Lizenz verliert, wird es auch bei der GGL in Halle schwer haben, seine Zuverlässigkeit nachzuweisen. Sicherheit bietet hier nur das Spiel bei legalen Anbietern mit deutscher Lizenz, da MGA- oder Curacao-Casinos keinen Schutz durch deutsche Gerichte oder Aufsichtsbehörden bieten.
Was das für GGL-Casinos heißt
Deutsche Casinos mit GGL-Lizenz können aus den Vorgängen in den Niederlanden lernen, dass Transparenz der einzige Weg zur langfristigen Lizenzsicherung ist. Die Forderung nach Exit-Plänen könnte Schule machen, um Chaos bei Marktaustritten zu verhindern. Für Betreiber bedeutet dies einen höheren administrativen Aufwand, aber auch eine stärkere Professionalisierung. Die Einhaltung der strengen deutschen Werberegeln ist nicht nur eine Pflicht, sondern eine Versicherung für die nächste Lizenzperiode. Wer heute sauber arbeitet, muss die fünfjährige Jubiläumsprüfung nicht fürchten.
Häufige Fragen
Wann laufen die ersten niederländischen Online-Glücksspiellizenzen aus?
Die ursprünglichen Lizenzen, die bei der Marktregulierung im Jahr 2021 vergeben wurden, laufen am 1. Oktober 2026 ab. Betreiber wie Holland Casino und TOTO haben bereits erfolgreich Verlängerungen für weitere fünf Jahre beantragt.
Was ist ein Exit-Plan bei der Lizenzbewerbung?
Die Regulierungsbehörde KSA verlangt ab 2026 von allen Anbietern ein Dokument, das beschreibt, wie das Unternehmen den Betrieb im Falle eines Lizenzendes ordnungsgemäß einstellt. Dies soll einen chaotischen Marktrückzug verhindern und den Spielerschutz wahren.
Wie hoch ist die Glücksspielsteuer in den Niederlanden aktuell?
Zum 1. Januar 2026 wurde die Steuer auf einen Rekordwert von 37,8 Prozent angehoben. Zuvor lag der Satz im Jahr 2025 bereits bei 34,2 Prozent, was einige Anbieter bereits zum Verlassen des Marktes bewegte.
Warum ist die Werbelage in den Niederlanden so schwierig?
Seit 2023 ist ungerichtete Werbung verboten, und im Juli 2025 trat ein vollständiges Verbot für Sportsponsoring durch Glücksspielfirmen in Kraft. Die Regierung plant sogar ein totales Verbot jeglicher Glücksspielwerbung, um die Bevölkerung vor Reizüberflutung zu schützen.
Sind diese Anbieter auch für Spieler aus Deutschland sicher?
Nur wenn der Anbieter zusätzlich über eine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) verfügt, ist er für deutsche Spieler legal. Eine niederländische Lizenz gilt nur für das Gebiet der Niederlande und bietet deutschen Kunden keinen rechtlichen Schutz durch den GlüStV 2021.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
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