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Stabwechsel bei der EGBA: Maarten Haijer verlässt den Brüsseler Verband

27. August 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Stabwechsel bei der EGBA: Maarten Haijer verlässt den Brüsseler VerbandKI-GENERIERT

Nach 13 Jahren an der Spitze der European Gaming and Betting Association tritt Maarten Haijer am 1. September zurück. Sein Nachfolger Pierre Tournier übernimmt interimsweise die Leitung.

Ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte der europäischen Glücksspielregulierung geht zu Ende. Maarten Haijer, der das Gesicht der European Gaming and Betting Association (EGBA) über ein Jahrzehnt lang prägte, wird sein Amt als Generalsekretär zum 1. September niederlegen. Haijer blickt auf eine 13-jährige Amtszeit zurück, in der er den in Brüssel ansässigen Verband von einer kleinen Interessenvertretung zu einem maßgeblichen Akteur auf EU-Ebene formte. Sein Abgang erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Branche vor großen Herausforderungen durch den Schwarzmarkt und sich wandelnde nationale Gesetze steht.

Die EGBA würdigte Haijers außerordentlichen Beitrag zur Branche, insbesondere seine Bemühungen um die Verbesserung von Industriestandards und Kontrollmechanismen. Er setzte sich unermüdlich für einen regulierten Wettbewerb in Europa ein und stärkte den Dialog mit EU-Institutionen sowie nationalen Behörden. In seine Ära fallen entscheidende Initiativen, die heute als Grundpfeiler für den sicheren Betrieb von Online-Casinos gelten. Besonders hervorgehoben wird sein Engagement für den Schutz der Spieler vor den Risiken des Glücksspiels.

Zahlen und Fakten

Haijer hat die EGBA seit 13 Jahren geleitet. Unter seiner Ägide wurde im Jahr 2020 der erste europaweite Verhaltenskodex für verantwortungsbewusste Werbung im Online-Glücksspiel ins Leben gerufen. Dieser Kodex legte Standards für Werbeinhalte, soziale Medien, Sponsoring und den Schutz Minderjähriger fest. Ein weiterer Meilenstein war die Entwicklung des ersten gemeinsamen europäischen Standards zur Identifizierung von Markern für Spielschäden (Markers of Harm). Diese Initiative wurde 2025 von nationalen Normungsgremien genehmigt und durch das Europäische Komitee für Normung (CEN) vorangetrieben.

Sein Nachfolger, Pierre Tournier, ist seit 2025 bei der EGBA tätig und bringt über 15 Jahre Branchenerfahrung mit. Er wird das Amt zunächst interimistisch übernehmen. Tournier betonte bei der Bekanntgabe, dass die Bekämpfung des illegalen Marktes zentral für seine Arbeit sein wird. Haijer hinterlässt einen Verband, der nicht nur die Interessen der Anbieter vertritt, sondern aktiv an der Gestaltung von Verbraucherschutzstandards mitwirkt.

„Es war ein Privileg, die EGBA zu leiten und gemeinsam mit unseren Mitgliedern, Kollegen, Partnern, Regulierungsbehörden und politischen Entscheidungsträgern an dem gemeinsamen Ziel eines sicheren und nachhaltigen Online-Glücksspielsektors in Europa zu arbeiten.“ - Maarten Haijer, scheidender Generalsekretär der EGBA

Hintergrund

Die Arbeit der EGBA unter Haijer war oft von Konflikten mit nationalen Alleingängen geprägt. So forderte der Verband regelmäßig eine stärkere Zusammenarbeit zwischen lizenzierten Betreibern und Strafverfolgungsbehörden, um illegale Anbieter zurückzudrängen. Ein prominentes Beispiel war der Widerstand gegen das totale Werbeverbot in Italien, das 2018 durch das sogenannte Würdedekret (Dignity Decree) eingeführt wurde und das die EGBA als unverhältnismäßig kritisierte. Haijer förderte zudem die European Safer Gambling Week, eine jährliche Initiative, die Akteure aus der gesamten Branche zur Prävention von Spielsucht zusammenbringt.

Pierre Tournier übernimmt die Leitung in einer Phase, in der sich die regulatorische Landschaft in Europa rasant entwickelt. Er warnte davor, dass der wachsende Schwarzmarkt die größte Bedrohung sowohl für die Spieler als auch für den regulierten Sektor darstellt. Tournier will auf dem Fundament aufbauen, das Haijer gelegt hat, und die Stellung der EGBA als führende Stimme für Standards in den Bereichen Geldwäscheprävention und Datenintegrität festigen.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für Spieler in Deutschland ist die Arbeit der EGBA von hoher Relevanz, da der Verband oft die wissenschaftliche Basis für Regulierungen liefert, die später in nationales Recht wie den Glücksspielstaatsvertrag 2021 einfließen. Die von Haijer vorangetriebenen Marker für Spielschäden könnten künftig auch in den Algorithmen deutscher Anbieter eine größere Rolle spielen. Aktuell müssen deutsche Spieler mit strengen Regeln leben, wie dem Einsatzlimit von einem Euro pro Spin bei virtuellen Automatenspielen und dem monatlichen anbieterübergreifenden Einzahlungslimit von 1.000 Euro, das über das System LUGAS überwacht wird.

Ein starker europäischer Verband wie die EGBA setzt sich dafür ein, dass solche Regeln verhältnismäßig bleiben und den Kanalisierungseffekt nicht gefährden. Wenn die Regulierung zu restriktiv wird, wandern Spieler in den Schwarzmarkt ab. Die EGBA mahnt hier immer wieder an, dass Spielerschutz nur in einem attraktiven, regulierten Umfeld funktioniert. Deutsche Kunden profitieren langfristig von den technischen Standards, die Haijer in Brüssel initiiert hat, da diese eine höhere Sicherheit bei der Datenverarbeitung und beim Schutz vor Spielsucht bieten.

Was das für GGL-Casinos heißt

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) führt eine sogenannte Whitelist, auf der alle legalen Anbieter in Deutschland gelistet sind. Für diese Unternehmen ist der Wechsel an der Spitze der EGBA ein Signal für Kontinuität bei den hohen Sicherheitsstandards. Deutsche Betreiber müssen sich an strikte Vorgaben zur Spielsuchtprävention halten. Die von der EGBA entwickelten Marker of Harm bieten hierbei eine wissenschaftliche Grundlage, um problematisches Verhalten frühzeitig zu erkennen, bevor eine Sperre in OASIS notwendig wird.

„Maarten hinterlässt ein bemerkenswertes Erbe, und sein Name wird immer mit der EGBA verbunden sein. Dies sind große Fußstapfen, in die ich treten muss, und ich fühle mich durch das Vertrauen, das er und unsere Mitglieder in mich gesetzt haben, zutiefst geehrt.“ - Pierre Tournier, Interims-Generalsekretär der EGBA

Unter der neuen Führung wird die EGBA vermutlich noch stärker darauf drängen, dass Zahlungsdienstleister stärker in die Pflicht genommen werden, um Transaktionen zu illegalen Casinos zu unterbinden. Ein Beispiel hierfür ist die jüngste Kritik an Fintech-Unternehmen in Litauen, die Einzahlungen auf Schwarzmarkt-Seiten ermöglichten. Für lizenzierte deutsche Casinos bedeutet eine starke EGBA einen Verbündeten im Kampf gegen den unfairen Wettbewerb durch unregulierte Anbieter aus Übersee.

Häufige Fragen

Wann verlässt Maarten Haijer die EGBA?

Maarten Haijer wird seine 13-jährige Amtszeit als Generalsekretär der European Gaming and Betting Association offiziell am 1. September beenden. Er übergibt die Leitung zu diesem Datum an seinen Nachfolger.

Wer wird der neue Leiter der EGBA?

Pierre Tournier wird die Position des Generalsekretärs zunächst auf interimsweiser Basis übernehmen. Er ist seit 2025 im Verband tätig und verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Glücksspielbranche.

Was sind die wichtigsten Erfolge von Haijer bei der EGBA?

Haijer verantwortete die Einführung des ersten europaweiten Werbekodex im Jahr 2020 sowie die Entwicklung einheitlicher Marker zur Identifizierung von Spielschäden. Zudem stärkte er die Zusammenarbeit mit EU-Institutionen zur Bekämpfung des Schwarzmarktes.

Was ist der europäische Standard für Marker of Harm?

Es handelt sich um eine Liste verhaltensbasierter Indikatoren, die helfen sollen, riskantes Spielverhalten frühzeitig zu erkennen. Dieser Standard wurde 2025 genehmigt und bietet Betreibern einen gemeinsamen Rahmen für den Spielerschutz.

Warum ist die EGBA für deutsche Spieler wichtig?

Die EGBA setzt sich für faire Wettbewerbsbedingungen und hohe Schutzstandards ein, die indirekt die Qualität der lizenzierten Angebote in Deutschland beeinflussen. Sie kämpft zudem gegen illegale Anbieter, die den deutschen Spielerschutz durch das Fehlen von Limits oder OASIS-Anbindung untergraben.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

In Kategorie:Regulierung & Lizenzen
In Land:Indien
Erwähnte Unternehmen:EGBA

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