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Spielerschutz

Estland plant Zwangs-Sperrliste: Wenn Angehörige das Glücksspiel stoppen

Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Estland plant Zwangs-Sperrliste: Wenn Angehörige das Glücksspiel stoppenKI-GENERIERT

Die estnische Regierung will das Glücksspielgesetz reformieren, um Fremdsperren durch Angehörige oder Gerichte zu ermöglichen. Aktuell nutzen bereits 21.000 Esten das freiwillige Sperrsystem.

Estland geht einen drastischen Schritt im Kampf gegen die Spielsucht. Die Regierung in Tallinn bereitet eine Novelle des Glücksspielgesetzes vor, die das bisherige System der freiwilligen Selbstsperre grundlegend verändern wird. Während Spieler sich aktuell noch aus eigenem Antrieb für sechs Monate bis drei Jahre sperren lassen können, soll dieses Recht bald auch auf Dritte ausgeweitet werden. Das Finanzministerium hat bestätigt, dass die Analyse für diese einschneidenden Maßnahmen bereits läuft. Die Umsetzung ist für die Mitte des Jahres 2027 geplant.

Die Motivation hinter diesem Vorhaben ist der Schutz der Angehörigen. Oft leiden Familien massiv unter den finanziellen und psychischen Folgen einer Spielsucht, haben aber rechtlich keine Handhabe, den Zugang des Betroffenen zu Online-Casinos zu unterbinden. In extremen Fällen sträuben sich Abhängige gegen die Einsicht, eine Pause zu benötigen. Hier will der Staat nun intervenieren und Mechanismen schaffen, die eine Sperre auch gegen den Willen des Spielers ermöglichen.

Zahlen und Fakten

Die Relevanz des Themas wird durch aktuelle Statistiken unterstrichen. Laut dem estnischen Steuer- und Zollamt ist die Zahl der Personen auf der Sperrliste stetig gestiegen. Waren es im Jahr 2023 noch 17.203 Menschen, so sind es heute bereits rund 21.000 Personen. Ein genauer Blick auf die Daten zeigt die Verteilung: 20.628 aktive Einschränkungen betreffen klassische Glücksspiele, 9.767 beziehen sich auf Sportwetten und 5.968 auf Lotterieprodukte. Besonders auffällig ist der Zuwachs bei den Sportwetten, wo die Zahl der Sperren allein seit Januar um 348 gestiegen ist, was Experten auf die Einflüsse großer Sportereignisse wie der Weltmeisterschaft zurückführen.

Finanziell bleibt die Branche ein Schwergewicht für den baltischen Staat. Im vergangenen Jahr nahm Estland 61 Millionen Euro an Glücksspielsteuern ein. Trotz der strengeren Spielerschutz-Pläne verfolgt die Regierung eine wirtschaftlich ambitionierte Strategie. Ab dem Jahr 2029 soll die Steuer für Remote-Glücksspiel schrittweise von 6 Prozent auf 4 Prozent gesenkt werden. Jährlich wird der Satz um 0,5 Prozentpunkte reduziert, um Estland im Wettbewerb mit Standorten wie Malta als attraktiven iGaming-Hub zu positionieren.

Hintergrund

Die geplante Einführung der Fremdsperre ist eine Reaktion auf die Grenzen des aktuellen Systems. Bisher ist der Eintrag in die Liste ein rein administrativer Akt des Einzelnen. Rainer Osanik vom Finanzministerium betont, dass die rechtliche Lage derzeit keine Ausnahmen zulässt, was für leidende Familienmitglieder unbefriedigend ist.

„Niemand sonst kann sie derzeit in die Liste eintragen, aber Familienmitglieder eines Spielsüchtigen leiden oft. Das System sollte es ermöglichen, eine Person aus bestimmten zusätzlichen Gründen hinzuzufügen, entweder auf Initiative eines Familienmitglieds oder durch gerichtliche Anordnung.“ - Rainer Osanik, Leiter der Finanzinformationspolitik im Finanzministerium Estlands

Interessant ist zudem die strikte Haftung der Anbieter. Wenn ein Spieler trotz Sperre Zugang erhält, muss der Betreiber alle Verluste zurückzahlen. Im Gegenzug muss der Spieler jedoch auch erzielte Gewinne wieder abgeben. Die Behörden loben die Betreiber in Estland für ihre Sorgfalt bei der Umsetzung dieser Regeln. Jekaterina Nikitina vom Steuer- und Zollamt wertet die steigenden Sperrzahlen sogar als Erfolg der Aufklärungsarbeit, da die Mechanismen offensichtlich bekannt sind und genutzt werden.

Ein kurioser Zwischenfall überschattete jedoch die steuerliche Planung: Durch einen Formfehler im Gesetz waren Online-Glücksspiele zu Beginn des Jahres 2026 kurzzeitig komplett steuerfrei. Mehrere Betreiber zahlten daraufhin freiwillig insgesamt rund 1,4 Millionen Euro an das Finanzministerium, um den Fehler der Gesetzgeber auszugleichen. Das Parlament korrigierte den Text im März 2026 und legte einen einheitlichen Steuersatz von 5,5 Prozent fest.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler klingt das estnische Modell vertraut, aber es gibt entscheidende Unterschiede. In Deutschland ist die Fremdsperre über das OASIS-System bereits etabliert. Gemäß dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) können Angehörige oder Dritte eine Sperre beantragen, wenn sie eine Spielsuchtgefährdung oder eine Überschuldung nachweisen können. Der Spieler hat dann die Möglichkeit zur Stellungnahme, bevor die GGL-geprüften Portale den Zugang verweigern.

In Deutschland greifen zudem noch strengere Limits wie das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Online-Slots. Diese Daten werden über das LUGAS-System überwacht. Während Estland also erst im Jahr 2027 eine Fremdsperre einführen möchte, ist dies in deutschen GGL-lizenzierten Casinos bereits gelebter Alltag. Spieler sollten daher darauf achten, nur bei Anbietern zu spielen, die auf der offiziellen Whitelist stehen, da nur dort diese umfassenden Schutzmechanismen sowie die Anbindung an LUGAS und OASIS garantiert sind.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Betreiber mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) ist der estnische Vorstoß eine Bestätigung der eigenen Sicherheitsstandards. In Deutschland ist die Überprüfung der OASIS-Datenbank bei jedem Login Pflicht. Estlands Plan, die Betreiber bei Verstößen zur Rückzahlung von Verlusten zu verpflichten, ist in Deutschland bereits durch zahlreiche Gerichtsurteile gegen illegale Anbieter ein heiß diskutiertes Thema. GGL-lizenzierte Casinos bieten hier Rechtssicherheit, da sie die strengen IT-Anforderungen erfüllen und Spielerschutz nicht nur als Option, sondern als gesetzliche Pflicht verstehen.

Häufige Fragen

Dürfen Familienmitglieder in Estland Spieler sperren lassen?

Aktuell ist dies in Estland noch nicht möglich, da Sperren nur auf freiwilliger Basis erfolgen können. Die Regierung plant jedoch eine Gesetzesänderung für 2027, die Fremdsperren durch Angehörige oder Gerichte zulässt.

Was passiert, wenn ein gesperrter Spieler in Estland trotzdem spielt?

Sollte ein Betreiber einen gesperrten Spieler zulassen, ist er gesetzlich verpflichtet, alle Verluste des Spielers zurückzürstatten. Der Spieler muss im Gegenzug allerdings alle in dieser Zeit erzielten Gewinne an den Anbieter zurückgeben.

Wie viele Menschen sind in Estland vom Glücksspiel ausgeschlossen?

Derzeit befinden sich rund 21.000 Personen auf der estnischen Sperrliste, wobei die Zahl stetig steigt. Die meisten Sperren beziehen sich auf allgemeine Glücksspiele (über 20.000), gefolgt von Sportwetten und Lotterien.

Gibt es in Deutschland bereits eine Fremdsperre für Spieler?

Ja, in Deutschland erlaubt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 bereits die Fremdsperre über das System OASIS. Angehörige können bei begründetem Verdacht auf Spielsucht oder finanzielle Probleme einen entsprechenden Antrag bei der Behörde stellen.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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