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Dr. Laila Mintas plant 365Prediction: Prognosemärkte als Billionen-Geschaeft

28. Juli 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Dr. Laila Mintas plant 365Prediction: Prognosemärkte als Billionen-Geschaeft

Die ehemalige iGaming-Lobbyistin Laila Mintas greift mit 365Prediction den US-Markt an und erwartet bis 2030 ein Handelsvolumen in Billionenhöhe für Event-Verträge.

Dr. Laila Mintas, eine erfahrene Führungskraft im Bereich Sportgeschäft und ehemalige Lobbyistin für Online-Glücksspiel, bereitet den Start ihres neuen Unternehmens 365Prediction vor. Das Ziel ist es, in den boomenden US-Markt für Prognosemärkte einzusteigen, der sich laut Mintas fundamental von der bisherigen Sportwetten-Landschaft unterscheidet. Acht Jahre nach dem Ende des PASPA-Verbots argumentiert sie, dass die US-Glücksspielindustrie auf einem falschen Fundament errichtet wurde, das einen unübersichtlichen Flickenteppich aus verschiedenen Gesetzen in den einzelnen Bundesstaaten hinterlassen hat.

Mit 365Prediction möchte Mintas rechtzeitig zum Start des Jahres 2027 live gehen. Die Plattform soll als Börse fungieren, auf der Nutzer sogenannte Event-Verträge handeln können. Dies umfasst nicht nur sportliche Ergebnisse, sondern auch politische Ereignisse und Unterhaltungsthemen. Der entscheidende Unterschied zu klassischen Sportwetten liegt in der Struktur: Es gibt kein Haus, das gegen den Spieler wettet und die Quoten festlegt. Stattdessen bestimmen die Teilnehmer den Preis durch Angebot und Nachfrage selbst, während die Plattform lediglich die Infrastruktur stellt und die Transaktionen abwickelt.

Zahlen und Fakten

Das finanzielle Potenzial dieses Sektors ist gewaltig. Während der letzten Weltmeisterschaft verzeichneten Plattformen wie Kalshi ein tägliches Handelsvolumen von über 2 Milliarden US-Dollar. Dr. Laila Mintas verweist auf Schätzungen, nach denen die Marktgröße insgesamt bei etwa 1 Billion US-Dollar liegt. Bis zum Jahr 2030 wird erwartet, dass das jährliche Handelsvolumen weltweit in den Bereich von Billionen Dollar vorstößt. 365Prediction hat bei der CFTC (Commodity Futures Trading Commission) Anträge als Designated Contract Maker (DCM) und Designated Clearing Organization (DCO) gestellt. Diese vertikale Integration ist Mintas besonders wichtig, um die Kontrolle über die gesamte Technologie und die Abrechnungsprozesse zu behalten, ohne auf Drittanbieter angewiesen zu sein.

„Der Unterschied ist strukturell. Er ist nicht semantisch. Bei Sportwetten spielen Sie gegen das Haus; der Buchmacher legt die Quoten fest, übernimmt die andere Seite des Einsatzes und profitiert, wenn Sie verlieren. In diesem Modell ist ein Interessenkonflikt fest verankert.“ - Dr. Laila Mintas, Gründerin und CEO von 365Prediction

Ein wesentlicher Aspekt des Geschäftsmodells ist die Kooperation mit FiscalNote, einem führenden Unternehmen für politische Daten. Dies soll das Angebot für politische Märkte stärken, die laut Mintas eine hohe Liquidität aufweisen. Obwohl Konkurrenten wie Kalshi vor kurzem betonten, niemals Casino-Spiele anzubieten, hält sich Mintas diese Option für die Zukunft offen, sofern der rechtliche Rahmen der CFTC dies zulässt. Innovation und Disruption stehen für sie im Vordergrund, wobei sie strikt innerhalb der legalen Grenzen agieren möchte.

Hintergrund

Laila Mintas ist in der Branche keine Unbekannte und hat bereits heftige juristische Auseinandersetzungen hinter sich. Nach ihrer Zeit als CEO von PlayUp USA kam es zu einem Streit mit dem globalen CEO Daniel Simic, nachdem ein geplanter Verkauf an FTX im Wert von 450 Millionen US-Dollar scheiterte. Simic warf Mintas Sabotage vor, während sie ihrerseits auf 100 Millionen US-Dollar Schadenersatz klagte. Ein Gericht wies die Ansprüche von PlayUp im letzten Jahr ab, während Mintas eigene Forderungen bestehen blieben. Ein Prozess wird für das kommende Jahr erwartet. Diese Erfahrungen prägen ihren Blick auf den Markt, den sie nun durch ein nationales Bundesmodell statt durch einzelstaatliche Regelungen reformieren will. Sie kritisiert, dass der aktuelle Flickenteppich dazu führt, dass etwa 70 Prozent der Aktivitäten nach wie vor bei unregulierten Offshore-Anbietern stattfinden.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler bleibt die Situation bei Prognosemärkten vorerst komplex. Während das Modell von 365Prediction in den USA auf Bundeslizenzen setzt, unterliegt Online-Glücksspiel in Deutschland strengen Regeln durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021). In Deutschland sind Wetten auf politische Ereignisse oder gesellschaftliche Events derzeit nicht erlaubt. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) führt eine Whitelist, die ausschließlich Sportwetten und bestimmte Casino-Spiele unter strengen Auflagen genehmigt. Dazu gehören das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spielrunde bei Slots sowie das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro, das über das Überwachungssystem LUGAS kontrolliert wird. Deutsche Kunden sollten daher achtsam sein: US-Plattformen wie 365Prediction oder Kalshi besitzen keine deutsche Konzession. Wer dort spielt, bewegt sich im Bereich des nicht regulierten Glücksspiels, was den Verlust des Spielerschutzes und rechtliche Unsicherheiten bei der Auszahlung bedeutet. Ein Markteintritt solcher Finanzinstrumente als Wett-Ersatz in Deutschland ist unter der aktuellen Rechtslage nicht absehbar.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Betreiber mit GGL-Lizenz stellt die Entwicklung in den USA eine interessante Beobachtung dar, bietet aber kurzfristig keine Konkurrenzgefahr im heimischen Markt. Da die deutsche Regulierung sehr spezifisch auf die Vermeidung von Suchtanreizen ausgerichtet ist, passen börsenähnliche Handelsmodelle für Sportergebnisse kaum in das aktuelle Verbotsgefüge für Ereigniswetten. GGL-lizenzierte Anbieter müssen sich weiterhin auf die Einhaltung der strengen Werberichtlinien und den Anschluss an das Sperrsystem OASIS konzentrieren. Während Mintas in den USA das staatliche Modell als „fehlerhaft“ bezeichnet, weil es das Offshore-Geschäft begünstigt, versucht die deutsche Behörde genau dies durch aggressive Kanalisierung zu verhindern. Ein Vergleich mit den Niederlanden zeigt zudem, dass Aufsichtsbehörden wie die KSA zunehmend sensibel auf „promotionale Glücksspiele“ reagieren, was die gesamte EU-Regulierungslandschaft unter Druck setzt, klare Grenzen zwischen Unterhaltung, Marketing und echtem Glücksspiel zu ziehen.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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