Glücksspiel-Klage gegen Fanatics Live: Sind Card Breaks illegale Lotterien?
KI-GENERIERTEine Whistleblower-Klage in Kalifornien beschuldigt Fanatics Live, durch 'Card Breaking' unlizenzierte Lotterien zu veranstalten. Kläger investierten bis zu 4 Millionen US-Dollar in die fragwürdigen Formate.
In den USA braut sich ein juristisches Gewitter über einem der größten Akteure im Sport-Merchandising zusammen. Eine Whistleblower-Klage, die unter dem California False Claims Act eingereicht wurde, nimmt die Streaming-Plattform Fanatics Live ins Visier. Der Vorwurf wiegt schwer: Das Unternehmen soll durch seine Card-Break-Formate unlizenzierte Lotterien veranstaltet haben. Dabei handelt es sich um Live-Übertragungen, in denen verschlossene Kartenpackungen geöffnet werden, wobei die Käufer vorher Plätze für zufällige Teams erwerben. Da der Wert der gezogenen Karten massiv schwanken kann, sehen Kritiker darin ein klassisches Glücksspielelement, für das Fanatics keine Genehmigung besitzt.
Das Unternehmen Fanatics versucht sich zwar nach außen hin abzugrenzen und verbietet Verkäufern auf seiner Plattform explizit Spiele wie Roulette, Gewinnspiele oder das Drehen von Glücksrädern. Dennoch sind sogenannte Random Team Breaks erlaubt, bei denen jeder Teilnehmer den gleichen Preis zahlt und ein Team zugelost bekommt. Die Klage, die im Juli 2025 gegen Fanatics Live und den Konkurrenten Whatnot eingereicht wurde, behauptet, dass diese Praktiken wissentlich dazu genutzt wurden, notwendige Glücksspiellizenzen und Steuern zu umgehen. Besonders pikant ist, dass Fanatics über die Marke Topps, die es 2022 kaufte, selbst die Karten produziert, die in diesen Live-Streams gehandelt werden.
Zahlen und Fakten
Die Dimensionen der Klage sind beachtlich. Insgesamt 18 namentlich genannte Kläger aus mindestens 11 US-Bundesstaaten haben sich zusammengeschlossen. Laut Berichten haben einzelne Teilnehmer Summen zwischen wenigen hundert Dollar und mehr als 4 Millionen US-Dollar für Breaks auf Whatnot und Fanatics Live ausgegeben. Das zeigt, welches enorme finanzielle Risiko und Suchtpotenzial in diesen vermeintlichen Hobbys steckt. Fanatics selbst ist tief in das Ökosystem verstrickt: Das Unternehmen erwartet, allein im Jahr 2026 mehr als 1 Milliarde US-Dollar an FanCash-Belohnungen auszuschütten, die teilweise direkt in Sammelobjekte oder Wetten fließen können.
Ein Sprecher des kalifornischen Justizministeriums erklärte, dass die Behörde vorerst nicht in den Fall eingreife. Die Kläger hatten bis August 2026 Zeit, zu entscheiden, ob sie das Verfahren auf eigene Faust weiterverfolgen. Parallel dazu laufen mindestens vier Kartellklagen von sogenannten Breakern gegen TikTok und Fanatics, da Konten wegen angeblicher Verstöße gegen Glücksspielrichtlinien gesperrt wurden. Die Komplexität wird durch Aussagen von Führungskräften wie Matt King, dem CEO von Fanatics Betting & Gaming, unterstrichen:
„Wir geben den Kunden lieber 1 Dollar zurück, als 1 Dollar für Werbung auszugeben." - Matt King, CEO, Fanatics Betting & Gaming
Hintergrund
Das Modell des Card Breaking hat sich in den letzten Jahren zu einem Multi-Millionen-Markt entwickelt. Fanatics Live startete im Juli 2023 und integriert Funktionen wie Instant Rips, bei denen digitale Packs sofort geöffnet und die Karten in einem Tresor gelagert werden. Der Reiz liegt in der Gamifizierung. Nick Bell, Leiter von Fanatics Collect, sprach bereits im März 2025 in einem Podcast darüber, wie aufregend die Möglichkeiten der Gamifizierung in diesem Bereich seien. Doch genau diese Vermischung von Sammelleidenschaft und Gewinnchance ruft nun die Justiz auf den Plan. Während Fanatics behauptet, kein Glücksspiel anzubieten, erlauben sie Funktionen, bei denen Käufer ein Sofortangebot über 90 Prozent des Schätzwertes einer Karte in Form von Plattform-Guthaben annehmen können, was einer Auszahlung bei einer Wette ähnelt.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Nutzer ist die rechtliche Lage eindeutig, aber oft unbekannt. Card Breaks, bei denen der Zufall über den Wert des Gegenwerts entscheidet, könnten unter den strengen Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) fallen. In Deutschland wacht die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) über solche Angebote. Werden Produkte mit Gewinnchancen gegen Entgelt angeboten, ist eine Lizenz zwingend erforderlich. Deutsche Spieler sollten beachten, dass Plattformen wie Fanatics Live derzeit nicht auf der offiziellen GGL-Whitelist stehen. Das bedeutet, dass sie keinen Schutz durch deutsche Regulierungen genießen, wie etwa das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat in LUGAS oder das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Slots. Die Teilnahme an unlizenzierten Lotterien kann in Deutschland zudem rechtliche Risiken bergen und bietet keinerlei Spielerschutzgarantien.
Was das für GGL-Casinos heißt
Lizenzierte deutsche Online-Casinos müssen sich strikt an die Vorgaben halten, während internationale Plattformen wie Fanatics versuchen, durch Grauzonen Marktanteile zu gewinnen. Für Betreiber mit GGL-Lizenz bedeutet die Entwicklung in den USA eine Bestätigung für klare Regeln. Die Vermischung von Sportwetten-Apps mit Sammelkarten-Belohnungen, wie sie Fanatics in seiner All-in-one-App seit dem 2. September praktiziert, wäre in Deutschland aufgrund des Trennungsgebots von verschiedenen Spielformen und der strengen Werberichtlinien kaum denkbar. Deutsche Anbieter konzentrieren sich stattdessen auf Transparenz und den Ausschluss von Lootbox-ähnlichen Mechaniken, um ihre Lizenz nicht zu gefährden.
Häufige Fragen
Was wird Fanatics Live in der Klage vorgeworfen?
Die Klage wirft dem Unternehmen vor, unlizenzierte Lotterien in Form von Card Breaks zu veranstalten. Zudem soll Fanatics es versäumt haben, erforderliche Glücksspielsteuern zu zahlen und entsprechende Lizenzen einzuholen.
Wie funktionieren die kritisierten Random Team Breaks?
Bei einem Random Team Break zahlen alle Teilnehmer den gleichen Preis für einen Platz in einer Live-Öffnung von Sammelkarten. Erst nach der Bezahlung werden die Teams den Teilnehmern per Zufall zugewiesen, was den Ausgang der Investition ungewiss macht.
Welche Summen haben Nutzer bei diesen Card Breaks verloren?
Laut der Klageschrift gibt es 18 Kläger aus 11 US-Bundesstaaten, deren Ausgaben massiv variieren. Während einige einige hundert Dollar ausgaben, investierte mindestens ein Teilnehmer mehr als 4 Millionen US-Dollar.
Gibt es bereits ein offizielles Urteil zu diesem Fall?
Bisher hat kein US-Bundesstaat oder Generalstaatsanwalt abschließend geklärt, ob Card Breaks als Glücksspiel gelten. Die kalifornische Glücksspielkontrollkommission hat die Zuständigkeit an den Generalstaatsanwalt verwiesen, ein Urteil steht noch aus.
Sind Card Breaks auf Fanatics Live in Deutschland legal?
Da Fanatics Live nicht auf der Whitelist der GGL steht, verfügt die Plattform über keine deutsche Lizenz. Formate, die zufallsabhängige Gewinne gegen Geld bieten, werden nach dem GlüStV 2021 in Deutschland als unzulässiges Glücksspiel ohne Lizenz gewertet.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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