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Fanatics übernimmt Prognosebörse: Strategischer Zukauf von BGC Group

27. Juli 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Fanatics übernimmt Prognosebörse: Strategischer Zukauf von BGC Group

Durch den Kauf von Water Street Labs und CX Clearinghouse baut Fanatics Markets seinen Einfluss in 23 US-Bundesstaaten massiv aus.

Fanatics geht einen entscheidenden Schritt in Richtung technologischer Unabhängigkeit und Marktexpansion. Der Sportplattform-Riese hat sich mit der an der Nasdaq notierten BGC Group auf die Übernahme von Water Street Labs und CX Clearinghouse geeinigt. Damit sichert sich das Unternehmen nicht nur wertvolles Know-how, sondern vor allem die notwendigen Lizenzen, um einen eigenen, staatlich regulierten Markt für Ereignisprognosen zu betreiben. In einer Branche, die immer stärker von technischer Präzision und rechtlicher Absicherung abhängt, ist dieser vertikale Integrationsschritt eine klare Ansage an die Konkurrenz.

Bisher agierte Fanatics Markets eher als Schnittstelle, nun wird die Firma zum Betreiber der gesamten Infrastruktur. Durch den Besitz einer eigenen Börse und einer eigenen Abrechnungsstelle (Clearinghouse) kann das Unternehmen Prognosemärkte direkt für seine Kunden listen und abwickeln. Dies spart Gebühren und erhöht die Geschwindigkeit, mit der neue Wettmärkte auf den Markt gebracht werden können. Besonders spannend ist hierbei die Kombination aus Finanzmarkt-Technologie und Sportwetten-Expertise, die Fanatics nun unter einem Dach vereint.

Zahlen und Fakten

Die Tragweite dieser Übernahme wird deutlich, wenn man sich die beteiligten Lizenzen ansieht. Water Street Labs ist ein bei der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) registrierter Designated Contract Market (DCM). CX Clearinghouse wiederum fungiert als eine bei der CFTC registrierte Derivatives Clearing Organization (DCO). Diese Lizenzen sind in den USA hochgradig reguliert und schwer zu erlangen. Fanatics Markets ist bereits in 23 US-Bundesstaaten aktiv, darunter Schwergewichte wie Kalifornien, Texas und Florida, sowie in vier US-Territorien.

Das Unternehmen war erst im Dezember des vergangenen Jahres in Zusammenarbeit mit Crypto.com gestartet. Nun soll das System auf ein neues Level gehoben werden. Matt King, CEO von Fanatics Betting and Gaming, sieht in der Zusammenarbeit mit BGC eine enorme Chance.

„BGC sind Experten in der Finanzdienstleistungsbranche und haben ihr Geschäft, genau wie Fanatics, auf einem Fundament aus modernster Technologie, Innovation und außergewöhnlichem Talent aufgebaut. Ihre Expertise im Aufbau und Betrieb von regulierten Börsen, Clearinghäusern, Handelstechnologien und institutioneller Marktinfrastruktur macht sie zu einem idealen Partner.“ - Matt King, CEO bei Fanatics Betting and Gaming

Hintergrund

Die BGC Group bringt jahrelange Erfahrung im institutionellen Sektor mit. John Abularrage, Co-CEO von BGC, betonte, dass dieser Schritt BGC dabei hilft, die eigenen Daten- und Analysefähigkeiten zu erweitern, während Fanatics die Reichweite bei den Endkunden beisteuert. Es geht also nicht nur um Sportwetten im klassischen Sinne, sondern um die Etablierung von Prognosemärkten als anerkannte Anlageklasse für institutionelle Investoren. Die Kooperation soll neue Erkenntnisse durch innovative Datenprodukte erschließen, die speziell auf die Bedürfnisse von Marktteilnehmern zugeschnitten sind. Fanatics plant, den institutionalisierten Charakter dieser Märkte mit dem Fan-Engagement der Sportwelt zu kreuzen.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Obwohl Fanatics Markets primär auf den US-Markt fokussiert ist, beobachten deutsche Spieler solche Entwicklungen sehr genau. In Deutschland ist der Markt durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) strikt reguliert. Deutsche Nutzer müssen sich an das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro halten, sofern keine Ausnahmegenehmigung vorliegt. Zudem gilt das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Spielautomaten. Alle legalen Aktivitäten werden über das zentrale System LUGAS überwacht. Ein Markteintritt eines Giganten wie Fanatics in Deutschland würde voraussetzen, dass sie sich auf die Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) setzen lassen. Für deutsche Kunden bedeutet das Modell der Prognosemärkte derzeit rechtliches Neuland, da diese oft eher als Finanzprodukte denn als klassische Sportwetten eingestuft werden. Sollte Fanatics jemals nach Europa expandieren, müssten sie ihre US-Modelle drastisch an die strengen deutschen Spielerschutzregeln anpassen.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Betreiber von Online-Casinos mit GGL-Lizenz signalisiert dieser Deal einen Trend zur Diversifizierung. Während deutsche Anbieter oft auf klassische Slots oder Sportwetten fixiert sind, zeigt Fanatics, wie man durch den Zukauf von Finanzmarkt-Technologie neue Zielgruppen erschließt. GGL-lizenzierte Anbieter müssen sich in einem Umfeld behaupten, in dem Innovationen durch Regulatorik oft gebremst werden. Prognosemärkte könnten in Zukunft eine Alternative zum typischen Casinospiel darstellen, sofern die GGL solche Konzepte als genehmigungsfähig einstuft. Bisher kämpfen deutsche Anbieter vor allem gegen den Schwarzmarkt aus Curacao oder Malta, der sich nicht an Limits hält. Ein starker, regulierter Akteur wie Fanatics, der auf Transparenz und staatliche Aufsicht setzt, stützt indirekt die Argumentation der GGL, dass nur ein streng regulierter Markt langfristig stabil bleibt.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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