Fliff plant Kurswechsel: US-Sweepstakes-Anbieter drängt auf Prognosemärkte
KI-GENERIERTDer US-Glücksspielanbieter Fliff beantragt eine Lizenz als Futures Commission Merchant, um sich von rechtlich umstrittenen Sweepstakes-Modellen zu distanzieren.
Die Landschaft des digitalen Glücksspiels in den USA befindet sich im radikalen Umbruch, und der prominente Anbieter Fliff steht dabei im Zentrum einer bedeutenden Transformation. Das Unternehmen, das bisher vor allem für sein soziales Sportwetten-Modell bekannt war, bereitet den Einstieg in den Bereich der Prognosemärkte vor. Dieser Schritt markiert eine Abkehr von den sogenannten Sweepstakes-Modellen, die in den vergangenen Monaten immer stärker unter das Visier von Regulierungsbehörden geraten sind. Fliff hat nun offiziell einen Antrag eingereicht, um als Futures Commission Merchant (FCM) anerkannt zu werden. Sollte dieser Antrag genehmigt werden, könnte Fliff mit etablierten Terminbörsen wie Kalshi oder Polymarket zusammenarbeiten, um Ereignisverträge direkt auf der eigenen Plattform anzubieten.
Der Wechsel ist nicht nur eine technische Anpassung des Portfolios, sondern eine strategische Überlebensstrategie. Bisher nutzte Fliff, wie viele andere Anbieter auch, ein duales Währungssystem, um staatliche Glücksspielgesetze zu umgehen. Spieler nutzen dabei virtuelle Kredite, die oft kostenlos verteilt werden, um an Gewinnspielen teilzunehmen, die echte Geldpreise ausschütten können. Doch dieser rechtliche Graubereich zieht sich immer weiter zu. Fliff selbst musste bereits reagieren und schließt mittlerweile Nutzer aus 20 US-Bundesstaaten von seinen Sweepstakes-Produkten aus. Zuletzt wurden Iowa, Indiana und Maine auf die Liste der verbotenen Zonen gesetzt, nachdem dort Gesetze gegen das Modell der zwei Währungen verabschiedet wurden.
Zahlen und Fakten
Die Dimensionen dieses Marktwechsels sind gewaltig. Während das klassische Sweepstakes-Modell mit Schließungen von Anbietern wie The Money Factory oder CoinFrenzy zu kämpfen hat, lockt der Prognosemarkt mit astronomischen Summen. Experten sehen hier ein Potenzial, das herkömmliche Sportwetten weit in den Schatten stellt. Dr. Laila Mintas, CEO von 365predictions, ordnet die Marktgröße im Gespräch ein:
„Bei Sportwetten hat noch nie jemand Zahlen genannt, wie wir sie im Bereich der Prognosemärkte sehen. Ich glaube, die letzten Zahlen, die ich als Marktgröße zitiert gesehen habe, liegen bei einer Billion Dollar, was groß genug für alle ist.“ - Dr. Laila Mintas, CEO von 365predictions
Fliff ist mit diesem Pivot nicht allein. Auch der Konkurrent Novig vollzog kürzlich den Wechsel weg vom Sweepstakes-Modell hin zu Ereignisverträgen. Novig konnte in einer Series-B-Finanzierungsrunde beachtliche 75 Millionen US-Dollar einsammeln, was das enorme Vertrauen der Investoren in diesen Sektor unterstreicht. Im Gegensatz dazu kämpft Fliff noch mit den Altlasten der Vergangenheit. Ein Bewohner aus Kalifornien, Bishoy Nissim, reichte eine Klage auf sieben Millionen Dollar Schadensersatz gegen Fliff ein, da er die Plattform als illegales Glücksspiel betrachtete. Zwar wurde diese spezifische Beschwerde fallengelassen, doch der regulatorische Gegenwind bleibt bestehen.
Hintergrund
Das Interesse an Prognosemärkten, bei denen Nutzer auf den Ausgang von realen Ereignissen wie Wahlen oder Sportevents handeln können, ist sprunghaft angestiegen. Bei der Terminbörse Kalshi explodierten die Volumina während der Fußball-Weltmeisterschaft förmlich. Mit dem Start der NFL-Saison wird ein weiteres massives Wachstum erwartet. Matt Ricci, der CEO von Fliff, erklärte bereits bei der Gründung der sozialen Sportwetten-App, dass man ein Produkt schaffen wolle, das besser für den Massenmarkt geeignet sei als klassische Wetten. Der Massenmarkt scheint sich nun jedoch eindeutig in Richtung der regulierten Derivate-Märkte zu bewegen.
Die Schwierigkeit für Anbieter wie Fliff liegt in der US-Bürokratie. Eine FCM-Lizenz ist eine hohe Hürde und unterstellt das Unternehmen der Aufsicht durch die Commodity Futures Trading Commission (CFTC). Dies ist jedoch ein notwendiger Schritt, um der Einstufung als „illegales Online-Casino“ zu entgehen. Andere Branchenriesen wie DraftKings und FanDül beobachten diese Entwicklung genau und setzen auf ihre riesigen bestehenden Nutzerbasen, um sich frühzeitig Marktanteile im Bereich der Prognoseverträge zu sichern.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für Spieler in Deutschland sind Anbieter wie Fliff oder Novig derzeit nicht zugänglich, da sie keine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) besitzen. Das Modell der Sweepstakes, bei denen man mit virtuellen Münzen spielt und echte Preise gewinnen kann, ist nach dem deutschen Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) faktisch verboten, wenn es als Umgehungstatbestand für Glücksspiel gewertet wird. In Deutschland ist der Markt streng reguliert, was vor allem dem Spielerschutz dient. Wer in Deutschland sicher wetten oder spielen möchte, muss sich an Anbieter halten, die auf der offiziellen Whitelist der GGL stehen.
Deutsche Kunden profitieren hierbei von klaren Regeln: Ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro über das LUGAS-System und ein Einsatzlimit von einem Euro pro Spin bei virtuellen Automaten sind Standard. Diese Schutzmechanismen fehlen bei den US-amerikanischen Sweepstakes-Plattformen oft gänzlich. Zudem gibt es in Deutschland keine vergleichbare rechtliche Bewegung hin zu Prognosemärkten für Privatkunden, da das Sportwetten-Monopol beziehungsweise die strikte Konzessionspflicht für Buchmacher solche „Wett-Börsen“ oder Ereignisverträge im Graubereich unterbindet. Ein Einstieg solcher Modelle auf den deutschen Markt würde eine komplett neue Lizenzierungswelle erfordern.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für lizenzierte deutsche Online-Casinos und Wettanbieter bedeutet die Entwicklung in den USA vor allem eines: Wachsamkeit. Während in Amerika mit Prognosemärkten experimentiert wird, bleibt das deutsche Modell starr bei klassischen Quotenwetten und Slot-Spielen. Sollte sich der Trend der Prognosemärkte jedoch global durchsetzen, könnten auch europäische Regulierer unter Druck geraten, moderne Handelsformen von Sportwetten neu zu bewerten. Aktuell sind GGL-Casinos jedoch im Vorteil, da sie eine rechtssichere Umgebung bieten, während US-Anbieter wie Fliff durch ständige Gesetzesänderungen in den einzelnen Bundesstaaten zur Flucht in neue Geschäftsmodelle gezwungen werden.
Häufige Fragen
Was ist ein Prognosemarkt im Vergleich zu Sportwetten?
Auf einem Prognosemarkt handeln Nutzer mit Verträgen über den Ausgang von Ereignissen, ähnlich wie an einer Börse. Im Gegensatz zu klassischen Wetten gegen das Haus agieren hier meist Nutzer gegeneinander, was durch Lizenzen wie die FCM-Lizenz reguliert wird.
Warum zieht sich Fliff aus 20 US-Bundesstaaten zurück?
Der Rückzug erfolgt aufgrund verschärfter Gesetze gegen das duale Währungssystem von Sweepstakes-Anbietern. Staaten wie Iowa und Indiana haben neue Regeln verabschiedet, die diese Art des Glücksspiels als illegal einstufen.
Wie groß ist der Markt für Prognose-Verträge wirklich?
Branchenexperten wie Dr. Laila Mintas schätzen das weltweite Marktpotenzial auf bis zu eine Billion US-Dollar. Dieses Volumen übersteigt die Schätzungen für den klassischen Sportwettenmarkt bei weitem.
Sind Anbieter wie Fliff oder Novig in Deutschland legal?
Nein, diese Anbieter besitzen keine deutsche Lizenz der GGL und stehen nicht auf der Whitelist. Das Spielen auf solchen Plattformen gilt in Deutschland als Teilnahme am illegalen Glücksspiel und bietet keinen rechtlichen Schutz durch den GlüStV 2021.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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