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Spielerschutz

Absturz eines Staranwalts: Chris Swett verliert Karriere durch Spielsucht

26. August 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Absturz eines Staranwalts: Chris Swett verliert Karriere durch SpielsuchtKI-GENERIERT

Der ehemalige US-Anwalt Chris Swett stahl 1,5 Millionen Dollar von Klienten, um seine Sucht bei FanDül zu finanzieren. Nun drohen dem 43-Jährigen bis zu 20 Jahre Haft.

Es ist eine Geschichte, die zeigt, wie tief man fallen kann, wenn das Glücksspiel zur alles beherrschenden Zerstörungskraft wird. William Christopher Swett war nicht irgendein Anwalt. Er arbeitete für Motley Rice, eine der renommiertesten Kanzleien für Sammelklagen in den USA, und war an Vergleichen im Wert von über 100 Millionen Dollar beteiligt. Doch während er im Gerichtssaal Erfolge feierte, verspielte er privat sein Leben. Zwischen 2018 und 2024 stahl er systematisch 1,5 Millionen Dollar von seinen eigenen Klienten und seinem Arbeitgeber. Er erfand fiktive Klienten, fälschte medizinische Unterlagen und Sterbeurkunden, um sich Firmengelder für seine Wettleidenschaft zu erschleichen.

Heute steht der 43-Jährige vor den Trümmern seiner Existenz. Im März 2026 bekannte er sich vor einem Bundesgericht in Charleston des Drahtbetrugs und der Geldwäsche schuldig. Die Staatsanwaltschaft unter Emily Limehouse geht davon aus, dass der tatsächliche Schaden weit über den bisher genannten 1,5 Millionen Dollar liegt. Swett wartet derzeit auf sein Urteil, das ihn für bis zu 20 Jahre hinter Gitter bringen könnte. Während er früher Millionensummen bewegte, managt er seit einem Jahr eine Filiale der Restaurantkette Waffle House, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Er rechnet fest damit, das Weihnachtsfest nicht mehr bei seiner Frau und seinen vier Kindern verbringen zu können.

Zahlen und Fakten

Besonders schockierend ist das Ausmaß seiner Aktivität bei dem Anbieter FanDül. Allein zwischen April 2022 und April 2024 setzte Swett rund 11 Millionen Dollar bei Daily Fantasy Sports (DFS) um. In seinem Heimatstaat South Carolina ist klassisches Sportwetten illegal, weshalb er auf diese Grauzonen-Produkte auswich. Er spielte NBA-Contests mit einer Startgebühr von 3.300 Dollar pro Teilnahme. Trotz Hunderter Zeugenaussagen und familiärer Verpflichtungen platzierte er im Durchschnitt sechs Wetten pro Tag, an jedem einzelnen Tag. Der Nettoverlust allein bei FanDül belief sich in diesem Zeitraum auf über 800.000 Dollar. Insgesamt schätzt Swett seine Verluste auf etwa 1,3 Millionen Dollar, wobei er sogar eine Hypothek auf sein Haus hinter dem Rücken seiner Frau aufnahm.

Besonders kritisch sieht Swett heute die Rolle der sogenannten VIP-Hosts. Er erhielt regelmäßig Anreize, um weiterzuspielen, selbst wenn er Pausen einlegen wollte.

„Der Vorteil, der mich wirklich erwischt hat, war der monatliche Rabatt. Wenn ich 750.000 Dollar im Monat umsetzte, bekam ich 6 Prozent zurück. Das waren 45.000 Dollar an Promotionsgeld pro Monat. Ich habe nicht mehr versucht zu gewinnen, sondern nur noch diesen Umsatzwert gejagt." - Chris Swett, ehemaliger Anwalt

Hintergrund

Swett beschreibt seine Sucht als einen schleichenden Prozess, der 2018 begann. Sein erster Kontakt mit einem VIP-Betreuer erfolgte im Oktober 2019, als er bereits etwa 25.000 Dollar monatlich einsetzte. Die Anbieter lockten ihn mit Tickets für NFL-, NBA- und NHL-Spiele sowie exklusiven Zugängen zu prestigeträchtigen Golf-Events wie dem Masters. FanDül verteidigte sich in einem Brief an den US-Kongress damit, dass VIP-Kunden regelmäßig Kontakt zu Responsible Gaming Managern hätten und alle E-Mails Links zu Spielerschutz-Tools enthielten. Für Swett reichte das nicht aus. Er schreibt heute in seinem Substack-Blog über seine Erfahrungen, um anderen Betroffenen zu helfen. Für ihn war das Schreiben anfangs reine Therapie, doch mittlerweile erhält er Nachrichten von anderen Fachleuten wie Zahnärzten oder Finanzberatern, die in ähnlichen Fallen stecken.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Ein Fall wie der von Chris Swett wäre in Deutschland unter der strengen Regulierung des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GlüStV 2021) theoretisch deutlich schwieriger umzusetzen. Während Swett in den USA Millionenbeträge ohne wirksame Unterbrechung umsetzen konnte, greifen hierzulande harte Schutzmaßnahmen. Das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat sorgt dafür, dass Spieler nicht unbegrenzt Kapital ins System pumpen können, ohne dass eine umfassende Bonitätsprüfung stattfindet. Zudem verhindert das IT-System LUGAS, dass Spieler gleichzeitig bei mehreren Anbietern aktiv sind. Die in den USA übliche Praxis, Spieler mit hohen Cashbacks zu extremen Umsätzen zu treiben, ist in Deutschland durch strenge Werberichtlinien und Bonusbeschränkungen stark reglementiert. Wer in einem von der GGL lizenzierten Casino spielt, unterliegt zudem der Pflicht zur Früherkennung von Spielsucht, was solche extremen Eskalationen wie bei Swett verhindern soll.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Betreiber mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) ist der Fall Swett eine Mahnung. Die GGL überwacht streng, ob Anbieter ihre Sorgfaltspflichten verletzen. VIP-Programme, die rein auf Umsatzmaximierung basieren, stehen unter kritischer Beobachtung. In Deutschland müssen Anbieter bei auffälligem Spielverhalten sofort intervenieren und gegebenenfalls eine Sperre über das OASIS-System veranlassen. Ein VIP-Host, der einen Spieler mit massiven Verlusten zur Fortsetzung des Spiels animiert, riskiert in Deutschland den Entzug der Konzession. Deutsche lizenzierte Casinos sind verpflichtet, die Sicherheit der Spieler über den Profit zu stellen, was im krassen Gegensatz zur US-amerikanischen Praxis steht, wo Swett trotz seiner offensichtlichen Notlage weiter als „wertvoller Kunde“ hofiert wurde.

Häufige Fragen

Wie viel Geld hat Chris Swett unterschlagen?

Der ehemalige Anwalt bekannte sich schuldig, mindestens 1,5 Millionen Dollar von seinen Klienten und seiner Kanzlei Motley Rice gestohlen zu haben. Das Geld nutzte er hauptsächlich zur Finanzierung seiner Spielsucht bei Daily Fantasy Sports und in Casinos.

Welche Strafe droht dem ehemaligen Anwalt?

Swett drohen für den vierfachen Drahtbetrug und die vierfache Geldwäsche bis zu 20 Jahre Haft im Bundesgefängnis. Das Urteil steht noch aus, er wurde jedoch bereits auf Kaution entlassen und wartet auf seinen Haftantritt.

Wie reagierte der Anbieter FanDül auf die Vorwürfe?

FanDül verwies auf einen Brief an den US-Kongress, in dem betont wird, dass VIP-Kunden durch Account-Manager betreut werden. Diese Manager sollen aktiv über Tools zum verantwortungsbewussten Glücksspiel aufklären und entsprechende Links in jeder E-Mail versenden.

Warum konnte Swett trotz seiner Verluste weiterspielen?

Durch aggressive VIP-Incentives wurde er motiviert, monatlich hohe Summen umzusetzen. Beispielsweise erhielt er bei einem Umsatz von 750.000 Dollar pro Monat einen Cashback von 6 Prozent, was ihn dazu verleitete, nur für den Bonus weiterzuspielen.

Wie sicher sind Spieler in Deutschland vor solchen Fällen?

In Deutschland verhindert der Glücksspielstaatsvertrag 2021 durch das 1.000-Euro-Einzahlungslimit und das Sperrsystem OASIS solche massiven finanziellen Eskalationen. Lizensierte Anbieter müssen Spielsucht-Früherkennungssysteme nutzen, um gefährdete Personen frühzeitig zu identifizieren und zu schützen.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

Erwähnte Unternehmen:FanDuel

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