US-Glücksspielverbände wehren sich gegen neue Prognosemarkt-Regeln

Große Gaming-Organisationen und 44 US-Generalstaatsanwälte kritisieren Bundespläne zur Regulierung von Prognosemärkten, die 2025 ein Handelsvolumen von über 25 Milliarden Dollar erreichten.
In den USA braut sich ein gewaltiger Konflikt zwischen der Bundesebene und den Bundesstaaten sowie Stammesregierungen zusammen. Im Zentrum stehen sogenannte Prognosemärkte, auf denen Nutzer auf den Ausgang von Ereignissen wetten können. Die Commodities Futures Trading Commission (CFTC) möchte die Regeln für diese Plattformen aktualisieren und beansprucht die alleinige Aufsicht. Das gefällt den etablierten Akteuren der Glücksspielbranche überhaupt nicht. Sie sehen darin eine Umgehung mühsam aufgebauter Lizenzsysteme und einen Angriff auf die regulatorische Hoheit, die seit Jahrzehnten bei den Einzelstaaten liegt.
Die Kritik ist massiv und kommt von höchster Stelle. Die American Gaming Association (AGA), die Indian Gaming Association (IGA) und die Association of Gaming Equipment Manufacturers (AGEM) haben am 27. Juli separate Stellungnahmen eingereicht. Sie warnen davor, dass die Pläne der CFTC Tür und Tor für unkontrolliertes Online-Glücksspiel öffnen könnten. Das Problem dabei ist, dass Prognosemärkte ihre Wetten als Ereigniskontrakte deklarieren, was sie rechtlich in die Nähe von Finanzderivaten rückt. Für die Glücksspielbranche ist das jedoch nur ein sprachliches Versteckspiel, um strengen Wettgesetzen zu entgehen.
Zahlen und Fakten
Das Ausmaß der Prognosemärkte ist beeindruckend. Laut Angaben der CFTC erreichten diese Plattformen im Jahr 2025 ein Handelsvolumen von mehr als 25 Milliarden Dollar. Der Zuspruch bei den Bürgern scheint groß zu sein, denn es gingen insgesamt 1.444 Stellungnahmen bei der Behörde ein, bevor die Frist in dieser Woche endete. Besonders brisant ist die finanzielle Dimension bei sportlichen Großereignissen. Analysten prognostizieren allein für die Fußball-Weltmeisterschaft Wetteinsätze von bis zu 10 Milliarden Dollar auf den führenden Plattformen Kalshi und Polymarket. Bei den NBA Finals generiert jedes einzelne Spiel bereits Umsätze in dreistelliger Millionenhöhe.
Auch beim Eishockey ist der Trend sichtbar. Das Wettvolumen für den Stanley Cup erreichte auf Polymarket stolze 511 Millionen Dollar. Diese Summen verdeutlichen, warum die etablierte Glücksspielindustrie nervös wird. William C. Miller Jr., Präsident und CEO der AGA, macht seinen Standpunkt deutlich. Er betont, dass die Bundeskommission eine Finanzmarktregulierungsbehörde sei und keine nationale Glücksspielkommission. Ihm fehlen die Expertise und die Ressourcen, um die Arbeit von über 8.400 staatlichen und stammesbasierten Regulierern zu ersetzen, die das legale Glücksspiel heute überwachen.
„Der Vorschlag nimmt einen Vorschlaghammer, um die historische Macht der Staaten zu zerschlagen und gibt der Kommission die alleinige Befugnis zu entscheiden, welches Glücksspiel erlaubt wird, wo es stattfindet und wie es betrieben wird.“ - Zitat aus einer gemeinsamen Antwort von 44 US-Generalstaatsanwälten
Hintergrund
Ein wesentlicher Streitpunkt ist die Definition von Geschicklichkeit und Glück. Daron Dorsey, Präsident und CEO der AGEM, warnt, dass durch den Vorschlag sogar Verträge über den Ausgang von Online-Poker oder Online-Spielautomaten angeboten werden könnten, solange die Kommission nicht innerhalb von zehn Tagen interveniert. Dies würde die Schleusen für bundesweites Online-Casino-Gaming öffnen, da Anbieter behaupten könnten, ihre Spiele seien maßgeblich durch das Geschick der Teilnehmer beeinflusst. Damit könnten skrupellose Akteure sogenannte Skill-Games anbieten, die in Wahrheit wie Slots funktionieren.
Auch die indigene Selbstverwaltung steht auf dem Spiel. David Z. Bean, Vorsitzender der IGA, bezeichnete den Plan als Beleidigung der Prinzipien der Stammeshoheit. Er sieht darin einen schlecht getarnten Versuch, großen Prognosemarkt-Plattformen zu gefallen. Das gesetzliche Gefüge, das durch den Indian Gaming Regulatory Act über fast 40 Jahre gewachsen ist, werde dadurch massiv geschädigt. Bean weist darauf hin, dass kontrollierte Sportwetten seit dem Gerichtsurteil von 2018 Milliarden an Steuern generiert haben, während Prognosemärkte nun versuchen könnten, ohne diese Abgaben und ohne Jugendschutzmaßnahmen am Markt zu operieren.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler wirkt dieser Streit weit weg, doch er berührt fundamentale Prinzipien, die auch hierzulande gelten. In Deutschland regelt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) den Markt extrem streng. Wer in Deutschland legal wetten oder spielen möchte, muss sich an Anbieter halten, die auf der offiziellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen. Diese strenge Regulierung dient dem Ziel, Jugend- und Spielerschutz zu gewährleisten. Beispiele aus den USA zeigen, was passiert, wenn Regulierungsbehörden die Kontrolle verlieren und Angebote ohne klare Schranken auf den Markt drängen.
In Deutschland sind Regeln wie das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro, das über das System LUGAS überwacht wird, und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Slots fester Bestandteil des Alltags. Prognosemärkte, wie sie in den USA diskutiert werden, könnten theoretisch versuchen, diese Hürden zu umgehen, indem sie ihre Angebote als Wetten auf Ereignisse und nicht als klassisches Glücksspiel tarnen. Deutsche Spieler sollten daher besonders vorsichtig sein. Ein Schutz durch die GGL besteht nur bei lizenzierten Anbietern. Würden solche unregulierten Finanzprodukte den Markt schwemmen, gäbe es keine Garantie für faire Gewinnchancen oder eine sichere Auszahlung der Gelder.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Betreiber mit einer GGL-Lizenz ist der Konflikt in Übersee ein Warnsignal. Er unterstreicht, wie wichtig ein einheitlicher rechtlicher Rahmen ist. Wenn Finanzmarkt-Regulierer plötzlich anfangen, glücksspielähnliche Produkte zu beaufsichtigen, entsteht ein unlauterer Wettbewerb. GGL-Casinos investieren viel Geld in IT-Systeme wie LUGAS und OASIS, um den gesetzlichen Anforderungen zu entsprechen. Prognosemärkte, die als Derivathandel auftreten, könnten diese Kosten sparen und attraktivere, aber unsicherere Quoten anbieten.
Die GGL wird solche Entwicklungen genau beobachten müssen, um sicherzustellen, dass keine Graumarktplattformen über den Umweg der Finanzmärkte in den deutschen Raum drängen. Der US-Konflikt zeigt, dass die Branche weltweit zusammenstehen muss, um klare Grenzen zwischen seriösem Gaming und unregulierten Finanzinstrumenten zu ziehen. Ein schwacher Jugendschutz, wie ihn die US-Generalstaatsanwälte bei den Prognosemärkten befürchten, darf im kontrollierten deutschen Markt keinen Platz finden. Fachleute sind sich einig, dass nur eine spezialisierte Glücksspielaufsicht die nötige Tiefe besitzt, um Spieler effektiv vor den Risiken der Sucht zu schützen.
Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
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