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Hongkong: Polizei warnt vor Übersee-Wettseiten zur WM – Maßnahmen-Mix als Vorbild?

9. Juni 20267 Minvon Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Hongkong-Hafen bei Nacht mit Polizeiboot im Vordergrund – Symbolbild zur Polizei-Warnkampagne vor Übersee-Wettseiten zur WM 2026

Die Hongkonger Polizei hat eine breit angelegte Kampagne gegen die Nutzung ausländischer Sportwetten-Webseiten gestartet. Wir analysieren, was Deutschland von der Strategie lernen kann.

Die Hongkong Police Force hat am 6. Juni 2026 eine breit angelegte Aufklärungs- und Verfolgungskampagne gegen die Nutzung ausländischer Sportwetten-Webseiten während der Fußball-WM gestartet. iGamingToday.com berichtete am 7. Juni, dass die Polizei in den ersten 48 Stunden bereits 23 Telegram-Gruppen, 14 Facebook-Profile und 8 Diskord-Server geschlossen hat, über die Wetten an unregulierte Plattformen vermittelt wurden. Hongkong erlaubt Sportwetten ausschließlich über den Monopolisten Hong Kong Jockey Club (HKJC); alle anderen Anbieter gelten als illegal.

Bemerkenswert ist die Kommunikationsstrategie. Statt sich auf Verhaftungen zu konzentrieren, setzt die Polizei auf Social-Media-Kampagnen (chinesisch und englisch), Aushänge in U-Bahn-Stationen und Briefe an alle Hongkonger Banken. Die zentrale Botschaft: Einzahlungen an ausländische Wettanbieter werden als „Geldwäsche-relevante Transaktionen“ eingestuft und bei der Joint Financial Intelligence Unit gemeldet. Spieler riskieren so nicht nur Geldstrafen bis zu 5.000 HK$ (rund 600 €), sondern auch Sperren ihrer Bankkonten.

Diese Verzahnung von Strafrecht, Bankenkooperation und öffentlicher Kommunikation wirkt: Laut Daten der HKJC stieg deren Marktanteil am gesamten Online-Wettvolumen in Hongkong von 71 % (2022) auf 83 % (2025). Der Schwarzmarktanteil sank entsprechend, ohne dass das Gesamtvolumen geschrumpft wäre – ein Indiz, dass die Nachfrage nicht unterdrückt, sondern in den regulierten Markt gelenkt wurde. Genau das ist auch das erklärte Ziel des deutschen GlüStV 2021.

Aus deutscher Sicht ist die Hongkonger Erfahrung doppelt interessant. Erstens zeigt sie, dass Bankenkooperation ein zentraler Hebel ist – ein Punkt, den die GGL seit drei Jahren bei den Bundesländern anmahnt, aber wegen föderaler Bedenken nur schleppend umsetzen kann. Zweitens illustriert sie, dass Aufklärungskampagnen ohne Strafverfolgungsdruck wenig wirken. Die BZgA hat 2024 für 8,7 Mio. € eine bundesweite Aufklärungskampagne durchgeführt, deren Effekt auf das Schwarzmarktvolumen (laut Universität Hohenheim) bei unter 2 % lag.

Konkret läuft in Hongkong während der WM zudem eine spezielle Aktion: Telefonate aus Hongkong auf bekannte Schwarzmarkt-Hotlines werden automatisch identifiziert und mit einer ausgespielten Warnmeldung beantwortet. Eine ähnliche Initiative hatten deutsche Spielerschutzverbände im Februar 2026 für die Telekom angeregt – das BMWK lehnte ab unter Hinweis auf das Fernmeldegeheimnis. Genau hier zeigt sich ein praktischer Unterschied: Asiatische Regulatoren wagen Eingriffe, die in Deutschland verfassungsrechtlich problematisch wären.

Für deutsche Spieler bleibt die Lage strukturell gleich. Wer die WM 2026 mit Wetten begleiten möchte, sollte sich an die rund 40 GGL-lizenzierten Sportwetten-Anbieter halten (bwin, Tipico, Sportingbet, Betway, NEO.bet, ODDSET, Betano u.a.). Übersee-Anbieter wirken oft attraktiver, sind aber im Schadensfall nicht greifbar. Die Erfahrungswerte aus Hongkong zeigen sehr klar: Wenn ein Markt konsequent regulatorisch geschlossen wird, verlieren auch deutsche Schwarzmarkt-Spieler die scheinbar bequeme Ausweichmöglichkeit.

Wir behalten die Hongkonger Kampagne im Blick, weil sie als Blaupause für das EU-Reformpaket 2027 diskutiert wird. Die Europäische Kommission verweist im DSA-Rahmenpapier vom Mai 2026 explizit auf das HKJC-Modell als Beispiel für „effektive Marktkanalisierung“. In Deutschland dürfte spätestens die GlüStV-Evaluation im Herbst 2026 entsprechende Vorschläge einbringen – ob die Bundesländer mitziehen, bleibt politisch offen. Lustich.de berichtet ausführlich über jede Entwicklung.

Quellen & weiterführende Links

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