Italien erwartet 807 Millionen Euro mehr Glücksspiel-Steuern 2026

Die italienische Steuerbehörde Agenzia delle Entrate (ADE) hat ihre Prognose für Glücksspiel-Steuereinnahmen 2026 um 807 Millionen Euro angehoben, trotz eines kurzfristigen Rückgangs zu Jahresbeginn.
Die italienische Steuer- und Einnahmenagentur Agenzia delle Entrate (ADE) hat den Staatshaushalt für 2025 abgeschlossen. Zugleich hat sie eine „positive Einschätzung“ der für 2026 prognostizierten Glücksspiel-Steuereinnahmen abgegeben. Nach Prüfung der Zahlen für 2025 hat die Behörde ihre Erwartungen für 2026 nach oben korrigiert. Sie rechnet mit zusätzlichen 807 Millionen Euro aus dem Glücksspiel als Haushaltsanpassung.
Diese optimistische Einschätzung ist das Ergebnis einer systematischen Umstrukturierung des Marktes. Dazu gehören ein modernisiertes Online-Lizenzsystem, das im November 2025 eingeführt wurde, und gezielte Erhöhungen der Bruttospielertrags-Steuersätze (GGR-Steuern), die im Haushaltsgesetz 2025 genehmigt wurden.
Zahlen und Fakten
Im Jahr 2025 brachten Nicht-Lotterie-Glücksspiellizenzen Einnahmen von 6,66 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben ein. Das entspricht etwa 1 Prozent der gesamten jährlichen Steuereinnahmen der Regierung von 668 Milliarden Euro. Gleichzeitig generierten staatliche Konzessionen, darunter Lotterien, Rubbellose und Spielautomaten, beachtliche 22,28 Milliarden Euro. Diese Gelder werden vom Ministerium für Wirtschaft und Finanzen (MEF) gesammelt und für zivile, kulturelle und sportliche Initiativen eingesetzt.
Um die langfristigen Staatseinnahmen zu steigern, wurden im Haushaltsgesetz 2025 marginale Steuererhöhungen in allen wichtigen Glücksspielbereichen vorgenommen. Diese Maßnahmen sollen jährlich über 500 Millionen Euro an zusätzlichen Einnahmen erzielen:
* Online-Sport- und virtuelle Wetten: Die GGR-Steuer wurde von 24,0 Prozent auf 24,5 Prozent erhöht. * Online-Casino, Poker und Bingo: Die GGR-Steuer stieg von 25,0 Prozent auf 25,5 Prozent. * Stationäre Sportwetten: Die GGR-Steuer wurde von 20,0 Prozent auf 20,5 Prozent angepasst. * Stationäre virtuelle Wetten: Die GGR-Steuer kletterte von 22,0 Prozent auf 24,5 Prozent.
Das Online-Konzessionssystem wurde im November 2025 vollständig überarbeitet. Dabei werden 52 neue Konzessionen voraussichtlich insgesamt 365 Millionen Euro einbringen. Die ersten vier Monate des Jahres 2026 zeigten allerdings einen vorübergehenden Umsatzrückgang. Die Glücksspielsteuereinnahmen beliefen sich auf 2,52 Milliarden Euro, ein Rückgang von 7,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Offizielle Stellen führen dies auf geringere Erträge bei Spielautomaten in landbasierten Einrichtungen und eine vorübergehende Halbierung der aktiven Sportwetten-Konzessionen während der Marktübergangsphase zurück.
Hintergrund
Die Regierung Meloni befindet sich in einer entscheidenden Gesetzgebungsphase. Sie will wichtige Glücksspielreformen vor dem beginnenden Wahlzyklus 2027 umsetzen. Nach dem Start des Online-Systems im November 2025 und dem leichten Umsatzrückgang bis April 2026 hat Premierministerin Giorgia Meloni eine Frist bis August 2026 gesetzt. Bis dahin sollen die Minister die Hauptgesetzespakete für den kommenden Haushalt vorlegen. Maurizio Leo, stellvertretender Minister des MEF, verhandelt derzeit mit regionalen Behörden. Es geht um die Finalisierung des Dekrets zur Neuordnung des terrestrischen Glücksspiels. Ein landesweites Lizenzsystem für Italiens 20 Regionen ist technisch bereits festgelegt. Die endgültige Einigung hängt jedoch von finanziellen Ausgleichsregelungen für die Regionen ab. Diese sind wegen Verlusten an Einnahmen aus Veranstaltungsorten und bestehenden Konzessionen besorgt.
Sportminister Andrea Abodi arbeitet an einem Gesetz, das das 2018 eingeführte „Dignitätsdekret“ ersetzen soll. Dieses Dekret hatte ein umfassendes Verbot von Glücksspielwerbung verhängt. Die Zeitplanung für dieses Gesetz wurde kurzzeitig unterbrochen. Dies geschah nach der Wahl von Giovanni Malagò zum Präsidenten des italienischen Fußballverbandes (FIGC) im Juni 2026.
„Malagò setzt sich für die Einführung einer verpflichtenden 2-prozentigen Abgabe auf den Fußballwettumsatz ein. Diese soll direkt in die Finanzierung der italienischen Sportinfrastruktur, der Jugendentwicklung und der Modernisierung der Stadien fließen.“ - unbekannte Quelle, unbekannte Funktion
Was heißt das für deutsche Spieler?
Die Entwicklungen in Italien zeigen, wie andere europäische Länder ihre Glücksspielmärkte regulieren und optimieren. Für deutsche Spieler bedeutet dies, dass der Glücksspielmarkt in Deutschland einem strengen Regelwerk unterliegt. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) hat hier klare Richtlinien gesetzt. Deutsche Spieler können ausschließlich bei Online-Casinos spielen, die eine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) besitzen. Die White-List der GGL ist die einzige verlässliche Quelle für legale Anbieter in Deutschland.
Diese lizenzierten Casinos müssen strenge Auflagen erfüllen. Dazu gehören ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an Spielautomaten und ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro. Außerdem überwacht das Länderübergreifende Glücksspielaufsichtssystem (LUGAS) die Spielaktivitäten. Ziel ist es, Spielsucht vorzubeugen und den Spielerschutz zu gewährleisten. Die Transparenz und Sicherheit, die deutsche Lizenzinhaber bieten, sind in anderen Jurisdiktionen wie Malta oder Curaçao oft nicht in diesem Maße gegeben. Spieler sollten hier sehr genau auf die gültige GGL-Lizenz achten.
Was das für GGL-Casinos heißt
Die Maßnahmen in Italien, insbesondere die Erhöhung der GGR-Steuern und die Neuordnung der Konzessionsvergabe, signalisieren einen Trend zur stärkeren Besteuerung und Regulierung des Online-Glücksspiels in Europa. Dies könnte langfristig auch Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle von GGL-lizenzierten Casinos haben. Während in Deutschland schon strenge Regeln und Steuersätze existieren, könnten internationale Entwicklungen weitere Anpassungen nach sich ziehen. Casinos müssen sich kontinuierlich an neue gesetzliche Rahmenbedingungen anpassen und dabei ihre Profitabilität sichern.
Die Diskussion um Werbeverbote, wie in Italien durch das „Dignitätsdekret“ und seine mögliche Ablösung, ist auch in Deutschland relevant. Die GGL hat klare Regeln für Marketing und Werbung. Ein vollständiges Verbot ist in Deutschland aktuell nicht in Sicht, aber die Debatte zeigt das gesamtgesellschaftliche Interesse am Schutz der Spieler. Für GGL-Casinos bedeutet dies, einen verantwortungsvollen Umgang mit Werbung und Promotion zu pflegen, um langfristig das Vertrauen der Spieler und der Behörden zu erhalten.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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