Privatisierung in Mauritius: Sechs Bieter kämpfen um staatliche Casinos
KI-GENERIERTDer Inselstaat Mauritius zieht sich aus dem Casinogeschäft zurück. Sechs Bieter, darunter fünf internationale Investoren, interessieren sich für die verlustreichen Spielstätten.
Die Spielkarten auf Mauritius werden neu gemischt. Die Regierung des Inselstaates hat Ernst gemacht und den Prozess zur Privatisierung der staatlich geführten Casinos in eine entscheidende Phase manövriert. Insgesamt sechs Interessenten haben formelle Angebote eingereicht, um die unter der State Investment Corporation (SIC) verwalteten Spielbanken zu übernehmen. Besonders spannend: Fünf dieser Bieter stammen aus dem internationalen Ausland, während lediglich ein lokaler Betreiber aus Mauritius seinen Hut in den Ring geworfen hat. Die Entscheidung über die Zukunft der vier großen Standorte Le Grand Casino Du Domaine, Le Caudan Waterfront Casino, Casino De Maurice und Grand Baie Casino steht unmittelbar bevor.
Der Rückzug des Staates kommt nicht überraschend, sondern ist die Konsequenz aus jahrelangen wirtschaftlichen Turbulenzen. Die Regierung hat deutlich gemacht, dass sie nicht länger bereit ist, Steuergelder in ein System zu pumpen, das als strukturell defekt gilt. Die Evaluierung der Angebote durch den Transaktionsberater PricewaterhouseCoopers (PwC) soll bis zum 30. September abgeschlossen sein. Erst dann wird klar, welche Investoren die strengen Kriterien erfüllen und tatsächlich den Zuschlag erhalten könnten, um den Glücksspielmarkt im Indischen Ozean neu zu gestalten.
Zahlen und Fakten
Die wirtschaftliche Bilanz der staatlichen Casinos liest sich wie eine Chronik des Scheiterns. Zwischen 2015 und 2025 musste die State Investment Corporation insgesamt 1,3 Milliarden Rupien (Rs) zuschießen, nur um den Betrieb überhaupt aufrechtzürhalten. Trotz dieser massiven Finanzspritzen summierten sich die Verluste über ein Jahrzehnt auf stolze 1,9 Milliarden Rupien. Allein im Geschäftsjahr bis Juni 2025 verzeichneten die Casinos unter der SIC einen Verlust von 272 Millionen Rupien, gefolgt von weiteren 121 Millionen Rupien in der zweiten Jahreshälfte desselben Jahres. Diese Zahlen verdeutlichen, warum die Politik nun die Reißleine zieht.
Neben den finanziellen Aspekten steht das Schicksal der rund 600 Angestellten im Fokus. Im Grand Baie Casino arbeiten beispielsweise 105 Menschen, die nun um ihre Zukunft bangen. Die Gewerkschaften, darunter die Casino Employees Union (CEU), fordern verbindliche Zusagen. Es geht um die Anerkennung von Dienstjahren, ausstehende Löhne und den Schutz bestehender Rechte gemäß dem Workers’ Rights Act. Die Verhandlungsführer Reeaz Chuttoo, Ashvin Gudday und Sharvin Sanassee drängen auf eine Einigung, noch bevor ein Käufer endgültig feststeht, um soziale Härten zu vermeiden.
Hintergrund
Premierminister Navin Ramgoolam fand deutliche Worte für die Misere und bezeichnete das bisherige Casinomodell als „eindeutig fehlerhaft“. Er verwies auf massiven Personalüberhang, extrem hohe Lohnkosten und die ständige Abhängigkeit von öffentlichen Mitteln. Die Privatisierung wurde bereits im Mai offiziell neu gestartet, nachdem frühere Versuche im Sande verlaufen waren. Mit PwC an der Seite will man nun einen sauberen Schnitt vollziehen. Die Rolle des Staates als Casinobetreiber wird beendet, da dies laut SIC-Vertretern nicht zu den Kernaufgaben der Regierung gehört.
„Wir haben die SIC aufgefordert, einen Vorschlag vorzulegen, damit jeder, der interessiert ist, seinen Arbeitsplatz behalten kann, egal wer der Käufer ist. Es ist nicht normal, dass Mauritier mit jahrelanger Erfahrung zugunsten von Leuten beiseite geschoben werden, die diesen Beruf nicht kennen.“ - Reeaz Chuttoo, Unterhändler für die Casinobelegschaft
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Urlauber, die gerne in den Casinos von Mauritius verkehren, könnte der Betreiberwechsel modernere Spielumgebungen und bessere Standards bedeuten. Deutsche Spieler, die von zu Hause aus agieren, müssen jedoch streng zwischen solchen internationalen Entwicklungen und der Rechtslage in der Bundesrepublik unterscheiden. In Deutschland ist das Online-Glücksspiel durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) strikt reguliert. Wer hierzulande sicher und legal spielen möchte, sollte ausschließlich Plattformen nutzen, die auf der sogenannten Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen.
Lizenzen aus Regionen wie Mauritius, Curacao oder von der MGA (Malta) bieten nicht das Schutzniveau, das die GGL garantiert. In Deutschland greifen Schutzmechanismen wie das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und das Einsatzlimit von einem Euro pro Spin an virtuellen Automaten. Zudem überwacht das LUGAS-System die Einhaltung dieser Limits. Ein internationaler Betreiber, der nun in Mauritius einsteigt, unterliegt dort völlig anderen Regeln. Deutsche Kunden sollten daher stets prüfen, ob ein Anbieter eine deutsche Konzession besitzt, um im Streitfall rechtlich abgesichert zu sein.
Was das für GGL-Casinos heißt
Der Trend zur Privatisierung und Professionalisierung, wie er in Mauritius zu sehen ist, zeigt, dass sich der globale Markt konsolidiert. Für Anbieter mit GGL-Lizenz bedeutet dies einen potenziell stärkeren Wettbewerb um internationale Partnerschaften. Dennoch bleibt der deutsche Markt durch seine hohen Hürden ein geschützter Raum. Seriöse Betreiber, die in Deutschland lizenziert sind, profitieren von der Rechtssicherheit, während staatliche Experimente wie in Mauritius oft in wirtschaftlichen Desastern enden. Die GGL sorgt dafür, dass nur finanzstarke und zuverlässige Unternehmen den Markt bedienen, was solche Rettungsaktionen mit Steuergeldern, wie sie die SIC durchführen musste, in Deutschland unwahrscheinlich macht.
Häufige Fragen
Wie viele Bieter gibt es für die Casinos in Mauritius?
Es haben sich insgesamt sechs Interessenten gemeldet. Davon sind fünf internationale Investoren und ein lokaler Betreiber aus Mauritius.
Warum werden die Casinos privatisiert?
Die staatlichen Casinos haben über zehn Jahre Verluste in Höhe von 1,9 Milliarden Rupien angehäuft. Die Regierung sieht das bisherige Modell als gescheitert an und will keine weiteren Steuergelder investieren.
Was passiert mit den Mitarbeitern der Casinos?
Etwa 600 Angestellte sind betroffen. Die Gewerkschaften fordern Garantien für den Erhalt der Arbeitsplätze und die Anerkennung ihrer Dienstjahre nach dem Workers’ Rights Act.
Wer überwacht den Verkaufsprozess?
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) wurde als Transaktionsberater ernannt. Sie bewertet die Angebote bis zum 30. September 2026.
Dürfen deutsche Spieler in Mauritius online spielen?
Online-Angebote aus Mauritius verfügen nicht über eine deutsche GGL-Lizenz. Deutsche Spieler sollten nur bei Anbietern spielen, die im Einklang mit dem GlüStV 2021 stehen und auf der offiziellen Whitelist gelistet sind.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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