US Aufsichtsbehörde CFTC reicht neue Regeln für Prognosemärkte beim Weißen Haus ein
KI-GENERIERTDie CFTC will Casino-Produkte klar von Prognosemärkten abgrenzen. Währenddessen nutzt CBS News bereits Kalshi Daten für die Wahlen 2026.
Die US-amerikanische Commodity Futures Trading Commission (CFTC) hat einen bedeutenden Schritt unternommen, um die rechtliche Grauzone rund um Prognosemärkte zu klären. Am 28. September wurden zwei neue Regelwerke an das Office of Information and Regulatory Affairs im Weißen Haus übermittelt. Ziel der Behörde ist es, den expandierenden Sektor der Ereignisverträge genauer zu definieren und gleichzeitig casinoähnliche Produkte strikt aus dem Bereich der Finanzderivate auszuschließen. Diese regulatorische Offensive erfolgt in einer Zeit, in der Plattformen wie Kalshi und Polymarket massiv an medialer Reichweite gewinnen und zunehmend als ernstzunehmende Informationsquellen für politische Entwicklungen wahrgenommen werden.
Die Dringlichkeit dieser Maßnahmen zeigt sich in der aktuellen Kooperation zwischen CBS News und Kalshi. Der Nachrichtensender integriert seit dem 30. September 2026 Daten aus Prognosemärkten in seine Berichterstattung zu den Midterm-Wahlen. Anthony Salvanto, Wahldirektor bei CBS, betonte dabei, dass diese Daten die klassischen Umfragen lediglich ergänzen sollen. Dennoch markiert diese Partnerschaft, ähnlich wie bereits bestehende Deals von Kalshi mit CNN und CNBC, eine Zäsur. Prognosemärkte entwickeln sich von einer Nische für Krypto-Enthusiasten zu einem Bestandteil des journalistischen Mainstreams, was die Aufsichtsbehörden unter Zugzwang setzt, klare Leitplanken für den Verbraucherschutz und die Marktintegrität zu schaffen.
Zahlen und Fakten
Ein zentraler Aspekt der neuen Regeln ist die Unterscheidung zwischen wirtschaftlich begründeten Swaps und reinem Glücksspiel. Die Regel RIN 3038-AF81 soll Casinospiele explizit von der Definition eines Swaps ausschließen. In einem Vorschlag vom Juni konkretisierte die CFTC bereits, dass hierunter Roulette, aber auch Geschicklichkeitsspiele wie Poker und Schach fallen könnten. Parallel dazu steht das Regelwerk RIN 3038-AF82, das die Definition von Swaps auf bestimmte Ereignisverträge ausweiten soll. Die Brisanz dieser Unterscheidung wird durch aktuelle Ermittlungen wegen Insiderhandels verdeutlicht. So untersucht die CFTC derzeit Trades des ehemaligen Abgeordneten Adam Kinzinger. Dieser hatte Beträge von 669 US-Dollar auf Märkte gesetzt, die seine eigene Begnadigung durch Präsident Joe Biden betrafen, und dabei 823 US-Dollar erzielt.
Auch technologisch und finanziell ist der Markt in Bewegung. Das Unternehmen Novig verhandelt derzeit über eine Finanzierungsrunde, die das Unternehmen mit bis zu 2 Milliarden US-Dollar bewerten könnte. Dies wäre eine Vervierfachung gegenüber der Bewertung von 500 Millionen US-Dollar aus dem Februar. Währenddessen rüstet Polymarket beim Spielerschutz auf. Nutzer können sich nun für Zeiträume von 30 Tagen bis dauerhaft selbst ausschließen. US-Kunden haben zudem die Möglichkeit, tägliche, wöchentliche oder monatliche Einzahlungslimits festzulegen. Diese Maßnahmen sind eine direkte Reaktion auf die Kritik, dass Prognosemärkte oft ohne ausreichende Sicherungssysteme agieren.
Hintergrund
Der juristische Streit um die Zuständigkeit ist komplex. Während der Third Circuit in New Jersey zugunsten von Kalshi entschied, lehnten der Sechste und Neunte Circuit ähnliche Argumente in Nevada, Ohio und Tennessee ab. Es geht im Kern darum, ob Sportverträge als Swaps unter die exklusive Aufsicht der CFTC fallen oder als Class III Gaming unter den Indian Gaming Regulatory Act (IGRA) einzustufen sind. Diese Unstimmigkeiten könnten letztlich vor dem Obersten Gerichtshof der USA landen, da namhafte Akteure wie Robinhood und Crypto.com eine Überprüfung der Urteile anstreben.
„Wir arbeiten mit CBS News zusammen, um Daten aus Prognosemärkten in die Berichterstattung über die Zwischenwahlen einzubringen.“ - Kalshi, Offizielles Statement auf X
Das Justizministerium (DOJ) vertritt derweil eine eher enge Auffassung. In einem Verfahren gegen den Soldaten Gannon Ken Van Dyke argumentierten Staatsanwälte am 30. September, dass Verträge, die sich auf politische Ereignisse wie in Venezüla beziehen, inhärent wirtschaftlich seien und somit als Swaps gelten sollten. Sie dienen zur Absicherung finanzieller Risiken und unterscheiden sich damit grundlegend von reinen Sportwetten. Diese differenzierte Sichtweise zeigt, dass die US-Behörden versuchen, den Finanzmarkt vor einer Flutung mit Glücksspielprodukten zu schützen, ohne nützliche Absicherungsinstrumente zu verbieten.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler, die sich auf den durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) regulierten Markt verlassen, sind diese US-Entwicklungen ein wichtiges Signal. In Deutschland ist die Trennung zwischen Finanzprodukten und Glücksspiel durch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) und die BaFin klarer definiert als in den USA. Ereigniswetten auf politische Ausgänge sind in Deutschland für private Anbieter faktisch kaum legal umsetzbar, da sie nicht zum Katalog der erlaubten Sportwetten gehören. Deutsche Kunden sollten darauf achten, nur bei Anbietern zu spielen, die auf der offiziellen GGL-Whitelist stehen. Nur dort greifen Schutzmechanismen wie das monatliche Einzahlungspflichtlimit von 1.000 Euro über das LUGAS-System sowie das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei virtuellen Automaten.
Wer auf unregulierten Plattformen aus Curacao oder über MGA-Lizenzen ohne deutsche Erlaubnis aktiv wird, setzt sich nicht nur rechtlichen Risiken aus, sondern verzichtet auch auf die in Deutschland geltenden strengen Spielerschutzrichtlinien. Die Entwicklungen bei Polymarket zeigen zwar, dass auch internationale Plattformen freiwillige Limits einführen, doch diese erreichen nicht das Sicherheitsniveau der deutschen Zentraldatei Sperrsystem (OASIS).
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Betreiber mit einer deutschen Lizenz bedeuten die US-Regeln eine Bestätigung ihres Geschäftsmodells. Die klare Abgrenzung von Casino-Produkten gegenüber Finanzwetten, wie sie die CFTC nun anstrebt, ist in Deutschland bereits gelebte Realität. GGL-lizenzierte Casinos profitieren von der Rechtssicherheit, müssen jedoch im Wettbewerb mit internationalen Prognosemärkten bestehen, die oft als moderne Finanzprodukte getarnt werden. Der Trend zur Einbindung von Marktdaten in große Medienhäuser könnte langfristig auch in Europa den Druck erhöhen, neue Wettformen zu prüfen. Solange jedoch der Spielerschutz und die Manipulationsprävention oberste Priorität haben, bleibt der deutsche regulatorische Rahmen mit seinen harten Limits ein Bollwerk gegen die Auswüchse des unregulierten Wettmarktes.
Häufige Fragen
Was hat die CFTC beim Weißen Haus eingereicht?
Die CFTC hat zwei Regelwerke (RIN 3038-AF81 und AF82) eingereicht, um Prognosemärkte zu regulieren. Eine Regel soll Casinospiele wie Roulette und Poker explizit von der Definition als Finanz-Swap ausschließen.
Welche Rolle spielt CBS News in diesem Zusammenhang?
CBS News ist eine Partnerschaft mit dem Anbieter Kalshi eingegangen, um Daten aus Prognosemärkten in die Berichterstattung über die Wahlen 2026 einzubeziehen. Die Daten sollen klassische Umfragen ergänzen, aber nicht ersetzen.
Gibt es Untersuchungen wegen Insiderhandels auf Prognosemärkten?
Ja, die CFTC untersucht unter anderem den ehemaligen Abgeordneten Adam Kinzinger. Er soll auf Ereignisse gewettet haben, die seine eigene Begnadigung durch US-Präsident Biden betrafen.
Welche neuen Schutzmaßnahmen hat Polymarket eingeführt?
Polymarket bietet nun Tools zur freiwilligen Selbstsperre sowie Einzahlungslimits für US-Kunden an. Diese können pro Tag, Woche oder Monat festgelegt werden, wobei Erhöhungen eine Wartezeit erfordern.
Sind Prognosemärkte wie Kalshi in Deutschland legal nutzbar?
In Deutschland ist das Angebot solcher Wetten streng durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 reglementiert. Die meisten dieser Plattformen besitzen keine GGL-Lizenz und gelten daher als illegal, weshalb Spieler nur Whitelist-Anbieter nutzen sollten.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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