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Regulierung

Zoff bei Entain: Ärger um Schwarzmarkt-Deal von SIS mit MyStake-Betreiber

1. Oktober 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Zoff bei Entain: Ärger um Schwarzmarkt-Deal von SIS mit MyStake-BetreiberKI-GENERIERT

Ein geheimer Vertrag zwischen dem Dienstleister SIS und dem Schwarzmarkt-Betreiber Santeda sorgt für massiven Streit mit dem Großaktionär Entain, der 23,4 Prozent hält.

In der Welt des Glücksspiels gibt es Partnerschaften, die auf den ersten Blick wie ein Routinegeschäft wirken, sich aber schnell zu einem PR-Albtraum für die beteiligten Unternehmen entwickeln können. Aktuell sorgt eine Kooperation zwischen dem traditionsreichen Dienstleister SIS (Sports Information Services) und dem auf Curaçao ansässigen Betreiber Santeda für erhebliche Spannungen. Besonders brisant ist die Situation, weil SIS zu einem großen Teil namhaften, in regulierten Märkten tätigen Buchmachern gehört. Diese werben eigentlich offensiv für den Spielerschutz und bekämpfen den Schwarzmarkt.

Durch geleakte Dokumente aus der Regulierung in Curaçao kam ans Licht, dass SIS bereits im Jahr 2022 einen rechtsverbindlichen Vertrag mit Santeda unterzeichnet hat. Santeda ist das Unternehmen hinter Marken wie MyStake, Rolletto und GoldenBet. Diese Plattformen stehen seit Längerem im Visier von Regulierungsbehörden, da sie ihre Dienste ohne die erforderlichen Lizenzen in Märkten wie Großbritannien anbieten. Für SIS bedeutet dieser Deal eine direkte Verbindung zu Akteuren, die das regulierte System untergraben, gegen das sich die SIS-Eigentümer wie Entain eigentlich verschrieben haben.

Zahlen und Fakten

Die Eigentümerstruktur von SIS liest sich wie das Who-is-Who der britischen Wettbranche. Entain hält einen Anteil von 23,4 Prozent, während der William Hill Eigentümer evoke mit 19,5 Prozent beteiligt ist. Weitere 13,5 Prozent entfallen auf Betfred und dessen Eigentümer Fred Done. Den Rest teilen sich Finanzinvestoren wie Caledonia und Catalyst Media Group. Diese Konstellation macht den Santeda-Deal so heikel. Während die Muttergesellschaften Millionen in Compliance investieren, profitiert ihre Tochtergesellschaft SIS von Umsätzen aus dem unregulierten Markt.

Details aus dem Vertrag zeigen, dass SIS eine Beteiligung von 18 Prozent am Bruttospielertrag (GGR) für Rennsportprodukte und 13 Prozent für E-Sports-Produkte auf dem Santeda-Netzwerk zusteht. Obwohl Santeda in seinen Dokumenten Großbritannien als verbotenen Markt listete, waren die Inhalte von SIS noch bis in das Frühjahr 2026 über britische IP-Adressen auf den Portalen zugänglich. Ein besonderer Dorn im Auge der Beteiligten ist zudem, dass SIS im Jahr 2023 eine Sonderdividende in Höhe von 30 Millionen Britischen Pfund an seine Aktionäre ausschüttete, also zu einem Zeitpunkt, als der umstrittene Vertrag bereits in Kraft war.

Hintergrund

Santeda International ist kein kleiner Fisch. Laut Daten von Similarweb zogen die mit Santeda verbundenen Marken zwischen November 2025 und Januar 2026 durchschnittlich 2,3 Millionen monatliche Besucher allein aus Großbritannien an. Der Guardian berichtete zudem über eine mysteriöse Figur namens Andres Markou, der als CEO von MyStake auftrat, jedoch laut Recherchen möglicherweise eine KI-generierte Kunstfigur ist. Solche Praktiken verstärken das Bild eines undurchsichtigen Netzwerks, das sich bewusst der staatlichen Aufsicht entzieht.

Die Reaktion von Entain fiel entsprechend scharf aus. Ein Sprecher erklärte gegenüber Journalisten, dass man die Situation sehr ernst nehme und Bedenken gegenüber SIS geäußert habe.

„Entain ist als Minderheitsaktionär und zur Sicherstellung der Einhaltung des Wettbewerbsrechts nicht an den kommerziellen oder Kundenvereinbarungen beteiligt, die SIS trifft. Nachdem diese Beziehung nun bekannt geworden ist, nehmen wir sie sehr ernst und haben unsere Bedenken gegenüber SIS geäußert." - Sprecher von Entain

SIS selbst verteidigt sich mit dem Hinweis, dass alle Kunden vertraglich verpflichtet sind, Produkte nur dort anzubieten, wo sie über die notwendigen Lizenzen verfügen. Wenn Verstöße bekannt würden, ergreife man Korrekturmaßnahmen bis hin zur Kündigung.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler ist dieser Fall ein wichtiges Warnsignal. In Deutschland regelt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) strikt, wer Wetten und Slots anbieten darf. Nur Anbieter, die auf der offiziellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen, gelten als sicher und legal. Diese Anbieter müssen strenge Regeln befolgen, wie das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro über das LUGAS-System und das Einsatzlimit von einem Euro pro Spin bei virtuellen Automaten.

Wer bei Anbietern wie MyStake oder anderen Santeda-Marken spielt, begibt sich in eine rechtliche Grauzone ohne staatlichen Schutz. Diese Plattformen nutzen oft Lizenzen aus Curaçao, die in Deutschland nicht anerkannt werden. Im Falle von Gewinnauszahlungsproblemen haben Spieler keine Handhabe vor deutschen Gerichten. Zudem fehlen dort oft die Sperrsysteme wie OASIS, was das Risiko für Spielsucht drastisch erhöht. Der aktuelle Skandal zeigt, dass selbst namhafte Datenlieferanten wie SIS manchmal im Hintergrund mit diesen illegalen Akteuren kooperieren, was die Wichtigkeit unterstreicht, ausschließlich bei GGL-lizenzierten Casinos zu spielen.

Was das für GGL-Casinos heißt

Lizenzierte Casinos in Deutschland müssen ihre gesamte Lieferkette streng überwachen. Wenn ein Dienstleister wie SIS mit dem Schwarzmarkt kooperiert, könnte dies theoretisch auch Fragen zur Zuverlässigkeit der Partner von GGL-Casinos aufwerfen. Die Behörden in Deutschland schauen hier sehr genau hin. Legal agierende Unternehmen müssen sicherstellen, dass sie nicht indirekt von Schwarzmarkt-Geldern profitieren oder Technologie mit Anbietern teilen, die aktiv deutsche Gesetze umgehen. Transparenz ist hier das oberste Gebot, um das Vertrauen der Spieler und der Regulierer nicht zu verspielen.

Häufige Fragen

Was ist SIS und welche Rolle spielt das Unternehmen?

SIS ist ein führender Anbieter von 24/7 Live-Wett-Inhalten, Daten und Streams für die globale Buchmacherbranche. Das Unternehmen wurde in den 1980er Jahren gegründet und gehört zu großen Teilen namhaften britischen Wettanbietern wie Entain und William Hill.

Warum ist der Deal mit Santeda so umstritten?

Santeda betreibt Marken wie MyStake, die über keine Lizenzen für wichtige Märkte wie Großbritannien oder Deutschland verfügen und daher als Schwarzmarktanbieter gelten. Der Deal ermöglichte es diesen illegalen Seiten, hochwertige Inhalte von SIS zu nutzen, was die Konkurrenzfähigkeit der legalen Anbieter schwächt.

Wie viel verdient SIS an den Schwarzmarkt-Marken?

Aus geleakten Verträgen geht hervor, dass SIS eine Umsatzbeteiligung von 18 Prozent am Bruttospielertrag (GGR) für Rennsportprodukte erhält. Für E-Sports-Inhalte liegt die vereinbarte Beteiligung bei 13 Prozent des GGR.

Wer sind die Eigentümer von SIS?

Die Hauptaktionäre sind Entain mit 23,4 Prozent, evoke (William Hill) mit 19,5 Prozent und Fred Done (Betfred) mit 13,5 Prozent. Die restlichen Anteile werden von Finanzinvestoren wie Caledonia und Catalyst Media Group gehalten.

Sind Anbieter wie MyStake in Deutschland legal?

Nein, Plattformen der Santeda-Gruppe wie MyStake besitzen keine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Das Spielen auf diesen Seiten ist in Deutschland illegal und bietet keinen rechtlichen Schutz durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

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