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Regulierung

Norwegens Glücksspielmonopol unter Beschuss: Kritik an Methoden wächst

31. Juli 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Norwegens Glücksspielmonopol unter Beschuss: Kritik an Methoden wächst

Während Finnland sein Monopol bis 2027 aufgibt, hält Norwegen starr an Norsk Tipping fest. Kritiker fordern radikale Reformen und vergleichen die staatliche Blockadepolitik mit Zensurmethoden.

In der europäischen Glücksspielwelt bahnt sich eine Isolation an, die im hohen Norden ihren Ursprung hat. Norwegen klammert sich mit einer Vehemenz an sein seit 1948 bestehendes Monopolmodell, die bei liberalen Politikern und Marktbeobachtern für Fassungslosigkeit sorgt. Während Finnland bereits den Weg für ein offenes Konzessionsmodell bis zum Jahr 2027 geebnet hat, bleibt Oslo auf einem Kurs der harten Hand. Die staatlichen Anbieter Norsk Tipping und Norsk Rikstoto kontrollieren den Markt fast vollständig, doch die Fassade bröckelt massiv. Die politische Opposition und ehemalige Medienmacher ziehen mittlerweile drastische Vergleichswerte heran, um den Druck auf die Regierung zu erhöhen.

Besonders lautstark meldet sich Silje Hjemdal zu Wort, eine Abgeordnete der FrP-Partei. Sie sieht im aktuellen System nicht nur einen wirtschaftlichen Nachteil, sondern einen massiven Eingriff in die Bürgerrechte. Laut Hjemdal fließen täglich enorme Summen an ausländische Anbieter ab, die dem norwegischen Sozialwesen für Kinder und Jugendliche fehlen, weil kein lokales Steuermodell für private Betreiber existiert. Sie kritisiert die Methoden der Aufsichtsbehörde Lottstift scharf. Die Behörden würden Techniken einsetzen, um normale Banktransaktionen zu verhindern und Webseiten zu sperren, was sie in einen direkten Vergleich mit autoritärer staatlicher Zensur rückt.

„Die norwegischen Behörden wenden chinesische Methoden an, um normale Bankgeschäfte zu verhindern, Websites zu blockieren und den Zugang der Bürger zu ausländischen Glücksspielangeboten zu unterbinden. Es ist nur noch Norwegen, das an dem Monopolmodell festhält, welches 1948 eingeführt wurde.“ - Silje Hjemdal, Abgeordnete der FrP-Partei

Zahlen und Fakten

Die Realität hinter den staatlichen Mauern sieht zudem alles andere als fehlerfrei aus. Norsk Tipping wurde kürzlich von den Prüfgesellschaften KPMG und PwC unter die Lupe genommen. Das Ergebnis war verheerend. Berichten zufolge wurden 25 Empfehlungen zur Verbesserung der operativen Abläufe ausgesprochen, von denen das Unternehmen derzeit 22 abarbeitet. Ein technischer Fehler beim Eurojackpot führte dazu, dass 47.000 Spieler fälschlicherweise über extrem hohe Gewinne informiert wurden, die sie gar nicht erzielt hatten. Dieser Vorfall kostete die damalige Geschäftsführerin Tonje Sagstün ihren Job.

Zusätzlich verhängte die Aufsichtsbehörde Lotteritilsynet im September eine Strafe in Höhe von 46 Millionen NOK gegen Norsk Tipping wegen technischer Mängel beim Eurojackpot und Lotto. Trotz dieser Serie von Pannen verlängerte die norwegische Regierung im Dezember 2022 die Exklusivlizenz für den Pferdewetten-Anbieter Norsk Rikstoto um weitere zehn Jahre. Kulturministerin Anette Trettebergstün rechtfertigte dies damit, dass exklusive Rechte notwendig seien, um Spielsucht zu bekämpfen und gleichzeitig Gelder für den Sport und das Ehrenamt zu sichern. Kritiker sehen darin jedoch eine bewusste Ignoranz gegenüber dem Scheitern des Monopols bei der Kanalisierung des Marktes.

Hintergrund

Der Konflikt ist nicht neu, sondern schwelt seit fast zwei Jahrzehnten. Bereits im Jahr 2007 gab es einen Rechtsstreit zwischen Lottstift und dem Nachrichtenportal ABC Nyheter, damals unter dem Namen ABC Startsiden bekannt. Der damalige Herausgeber Espen Udland wehrte sich gegen Drohungen der Polizei und hohe Geldstrafen, weil seine Webseite Links zu Anbietern wie Ladbrokes und Centrebet enthielt. Schon damals fiel der Begriff der chinesischen Verhältnisse. Es zeigt sich, dass sich die Rhetorik in Norwegen seit 20 Jahren kaum verändert hat, während um sie herum ein europäisches Land nach dem anderen auf Regulierung statt Verbote setzt.

Die jetzige Situation ist besonders brisant, da Finnland als letzter technischer Verbündeter im Monopol-Lager wegfällt. Wenn das finnische Lizenzsystem 2027 startet, steht Norwegen komplett alleine da. Norsk Tipping versucht unter dem neuen CEO Vegar Strand, das Vertrauen durch eine massive Umstrukturierung der Unternehmenskultur und neue Systeme für das Partnermanagement zurückzugewinnen. Strand gab zu, dass die Berichte von KPMG und PwC das Unternehmen hart getroffen haben, man aber nun auf dem richtigen Weg sei, um die hohen Anforderungen an Qualität und Kontrolle wieder zu erfüllen.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Urlauber oder Geschäftsreisende in Norwegen bedeutet dies eine starke Einschränkung. Wer gewohnt ist, bei einem in Deutschland lizenzierten GGL-Anbieter zu spielen, stößt in Norwegen oft auf digitale Mauern. Die IP-Sperren und die Blockade von Zahlungsmitteln durch norwegische Banken machen das Spielen bei gewohnten Portalen fast unmöglich. In Deutschland hingegen greift der Glücksspielstaatsvertrag 2021, der mit der zentralen Behörde in Halle (Saale) einen legalen Rahmen für private Anbieter geschaffen hat. Während Norwegen also auf Abschottung setzt, hat Deutschland den Weg der kontrollierten Öffnung gewählt.

Deutsche Spieler profitieren von einem Schutzniveau, das in Norwegen durch das Monopol zwar behauptet, aber durch technische Pannen oft untergraben wird. In Deutschland sorgen LUGAS und die OASIS-Sperrdatei für Sicherheit, während das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und der maximale Einsatz von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten für Spielerschutz sorgen. Wer aus Deutschland kommt, sollte sich bewusst sein, dass die Nutzung von MGA- oder Curacao-Seiten in Norwegen zwar technisch oft leichter möglich ist als die Nutzung GGL-lizenzierter Seiten, dies jedoch keinerlei rechtliche Absicherung bietet und im Zweifel zu Problemen bei der Auszahlung führt.

Was das für GGL-Casinos heißt

Betreiber mit einer deutschen Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder sehen die Entwicklung in Norwegen mit Sorge, aber auch als warnendes Beispiel. Ein starres Monopol, das Innovationen zugunsten von Kontrolle vernachlässigt, führt laut PwC-Bericht zu Qualitätsverlusten. Deutsche Anbieter müssen ihre Systeme strengen Kontrollen unterziehen, vermeiden dadurch aber Pannen wie die 47.000 Fehlbenachrichtigungen in Norwegen. Der norwegische Markt bleibt für GGL-lizenzierte Unternehmen verschlossen, solange Oslo das Lizenzmodell verweigert.

Häufige Fragen

Warum wird das norwegische Glücksspielmonopol kritisiert?

Die Kritik richtet sich gegen den Ausschluss privater Anbieter und die harten Methoden zur Blockierung von Webseiten und Zahlungen. Kritiker wie die Abgeordnete Silje Hjemdal vergleichen diese Maßnahmen mit staatlicher Zensur und beklagen den Abfluss von Steuereinnahmen ins Ausland.

Welche Fehler unterliefen dem staatlichen Anbieter Norsk Tipping?

In einem gravierenden Fall erhielten 47.000 Kunden falsche Benachrichtigungen über hohe Gewinne beim Eurojackpot. Zudem deckten Berichte von KPMG und PwC erhebliche Mängel in der Qualitätskontrolle und im Risikomanagement auf, was zu einer Strafe von 46 Millionen NOK führte.

Wird Norwegen sein Monopol bald abschaffen?

Aktuell gibt es keine Anzeichen für ein Einlenken der Regierung, die stattdessen Lizenzen für Staatsbetriebe wie Norsk Rikstoto um zehn Jahre verlängert hat. Norwegen wird damit voraussichtlich das letzte Land in Europa mit einem rein staatlichen Glücksspielmonopol sein, sobald Finnland 2027 reformiert.

Können deutsche Spieler in Norwegen online spielen?

Der Zugang zu in Deutschland lizenzierten Anbietern ist in Norwegen oft durch Netzsperren blockiert. Deutsche Spieler sollten beachten, dass das norwegische System extrem restriktiv ist und keine rechtliche Sicherheit für Spieler bietet, die versuchen, die Sperren zu umgehen.

Was ist der Unterschied zum deutschen Glücksspielrecht?

In Deutschland erlaubt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 privaten Anbietern den Marktzugang unter strengen GGL-Lizenzen, während Norwegen private Firmen komplett ausschließt. Deutschland setzt auf Kanalisierung durch Wettbewerb und zentrale Schutzsysteme wie LUGAS, statt auf totale Blockadepolitik.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

In Kategorie:Regulierung & Lizenzen
In Land:Norwegen
Erwähnte Unternehmen:Norsk Tipping

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