Robinhood erobert Prognosemärkte: Rothera steigt in die Top 3 der USA auf

Robinhood meldet fast 2 Millionen Nutzer für Event-Kontrakte. Die neue Börse Rothera erzielte bereits im zweiten Quartal 17 Millionen US-Dollar Umsatz.
Die Welt der Prognosemärkte, auf denen Nutzer auf den Ausgang echter Ereignisse wetten, erlebt derzeit eine massive Verschiebung. Robinhood hat bekannt gegeben, dass das Unternehmen mit seiner neu eingeführten Börse Rothera bereits zu den drei wichtigsten Akteuren in den Vereinigten Staaten gehört. Im zweiten Quartal 2026 nutzten fast 2 Millionen Kunden die Plattform, um mit sogenannten Event-Kontrakten zu handeln. Das ist eine beachtliche Steigerung, wenn man bedenkt, dass im ersten Quartal noch rund 1,5 Millionen Nutzer aktiv waren. Die Dynamik zeigt, dass das Interesse an Wetten auf Sportereignisse, Wahlen oder Wirtschaftszahlen weit über eine Nische hinausgewachsen ist.
Besonders auffällig ist der finanzielle Erfolg dieses Segments. Robinhood konnte den Umsatz mit Event-Kontrakten im Vergleich zum Vorjahr verzehnfachen. Mit 156 Millionen US-Dollar Umsatz im zweiten Quartal haben diese Vorhersagewetten sogar das Geschäft mit Kryptowährungen überholt, welches 100 Millionen US-Dollar einbrachte. Nur der Optionshandel bleibt als Einnahmequelle noch stärker. Das Management betont, dass dieser Zuwachs nicht auf kurzzeitige Marktschwankungen zurückzuführen ist, sondern auf einen stetig wachsenden Kalender an handelbaren Ereignissen. Die Menschen wetten gerne, und sie tun es immer häufiger auf Plattformen, die sie bereits für den Aktienhandel nutzen.
Zahlen und Fakten
Im Detail zeigen die Ergebnisse des zweiten Quartals 2026 die enorme Skalierung. Die Gesamtzahl der gehandelten Event-Kontrakte belief sich auf 13,6 Milliarden, was einem Anstieg von über 50 Prozent gegenüber dem ersten Quartal entspricht. Die neue Börse Rothera, die erst im Juni 2026 den Betrieb aufnahm, steuerte bereits 17 Millionen US-Dollar zum Umsatz bei und wickelte 2,1 Milliarden Kontrakte ab. CEO Vlad Tenev bezeichnete Rothera als eine der drei größten Designated Contract Markets (DCM) im Land. Das Joint Venture mit dem Partner Susquehanna hat das Ziel, die Abhängigkeit von externen Börsen wie Kalshi oder ForecastEx zu verringern.
„Rothera hat Robinhood-Prognosemärkte von Beginn an unterstützt und ist in den USA schnell zu einem Top-3 DCM, einer staatlich regulierten Börse für Futures und Event-Kontrakte, geworden.“ - Vlad Tenev, CEO von Robinhood
Finanziell steht der Konzern insgesamt glänzend da. Der Gesamtumsatz kletterte um 32 Prozent auf 1,31 Milliarden US-Dollar. Der Nettogewinn stieg sogar um 48 Prozent auf 573 Millionen US-Dollar. Die Zahl der Gold-Abonnenten, die für Premium-Funktionen zahlen, wuchs um 39 Prozent auf 4,84 Millionen Kunden an. Das zeigt, dass Robinhood seine Nutzerbasis erfolgreich monetarisiert, während das verwaltete Vermögen auf der Plattform 369 Milliarden US-Dollar erreichte.
Hintergrund
Die Einführung von Rothera war ein strategischer Schachzug. Zuvor musste Robinhood Kundenaufträge über Drittanbieter leiten, was die Kontrolle über das Nutzererlebnis und die Margen einschränkte. Durch den Erwerb einer eigenen DCM-Lizenz und das Clearing-Haus im Hintergrund kann der Broker nun als vollständiger Infrastrukturanbieter agieren. Zwar will man die Partnerschaften mit Kalshi und ForecastEx vorerst beibehalten, doch CFO Shiv Verma stellte klar, dass der Großteil des Handelsvolumens mittelfristig auf die eigene Börse Rothera migriert werden soll. Dies könnte den Wettbewerb auf dem US-Markt verschärfen, da Robinhood durch seine enorme Reichweite von 28,4 Millionen geführten Konten eine dominante Stellung einnimmt.
Interessanterweise blickt das Unternehmen bereits über den reinen Endkundenmarkt hinaus. Es gibt erste Überlegungen, Rothera künftig auch für institutionelle Kunden oder als Business-to-Business Plattform zu öffnen. Das würde bedeuten, dass andere Finanzdienstleister die Technologie und die Börsenlizenz von Robinhood nutzen könnten, um ihren eigenen Kunden Prognosemärkte anzubieten. Die Nachhaltigkeit des Wachstums sieht Tenev durch Ereignisse wie die Fußball-Weltmeisterschaft, die kommende Football-Saison und politische Wahlen gesichert. Prognosemärkte profitieren davon, dass die Welt niemals stillsteht.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Nutzer ist die Situation komplex. Während Robinhood in den USA Event-Kontrakte als regulierte Finanzprodukte anbietet, fallen derartige Wetten in Deutschland oft unter den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021). In Deutschland reguliert die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) den Markt streng. Angebote wie Prognosemärkte auf politische Ereignisse sind für hiesige Anbieter mit deutscher Lizenz derzeit nicht erlaubt. Wer in Deutschland legal spielen will, muss sich an die Whitelist der GGL halten, die ausschließlich Sportwetten und virtuelle Automatenspiele umfasst.
Deutsche Spieler unterliegen zudem strengen Schutzmaßnahmen. Dazu gehören das anbieterübergreifende monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro sowie das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spielrunde bei Slots. Diese Daten werden über das LUGAS-System überwacht, um Spielsucht zu verhindern. Da US-Plattformen wie Robinhood oder Kalshi keine deutsche GGL-Lizenz besitzen, bleibt der Zugriff für Kunden mit Wohnsitz in Deutschland in der Regel gesperrt oder ist rechtlich riskant. Ein legaler Markt für Event-Wetten nach US-Vorbild existiert in Deutschland aktuell nicht, weshalb Spieler auf klassische, lizenzierte Buchmacher aus der GGL-Liste ausweichen sollten.
Was das für GGL-Casinos heißt
Deutsche Casinobetreiber mit GGL-Lizenz beobachten den Trend in den USA genau. Prognosemärkte zeigen, dass das Interesse an ereignisbasierten Wetten wächst, wenn sie in eine moderne, leicht bedienbare App integriert sind. Für hiesige Anbieter bedeutet das jedoch einen Wettbewerbsnachteil, da sie durch den engen Rahmen der erlaubten Sportarten und Wettarten limitiert sind. Die US-Erfolge von Robinhood könnten langfristig eine Diskussion darüber entfachen, ob auch in der EU und speziell in Deutschland regulatorische Öffnungen für Prognosemärkte sinnvoll wären, um den Schwarzmarkt für politische Wetten auszutrocknen. Bis dahin bleibt die GGL-Lizenz jedoch das einzige Qualitätssiegel für legales und sicheres Glücksspiel in Deutschland.
Häufige Fragen
Wie viele Nutzer handeln bei Robinhood mit Vorhersage-Wetten?
Im zweiten Quartal 2026 erreichte die Nutzerzahl fast 2 Millionen Kunden. Das ist ein Anstieg um ein Drittel im Vergleich zu den 1,5 Millionen Nutzern aus dem ersten Quartal.
Was ist Rothera und welche Rolle spielt es?
Rothera ist eine eigene Börse von Robinhood, die als Joint Venture mit Susquehanna gegründet wurde. Sie gehört mittlerweile zu den drei größten Handelsplätzen für Event-Kontrakte in den USA.
Welchen Umsatz generieren diese Event-Kontrakte?
Im zweiten Quartal 2026 lag der Umsatz bei 156 Millionen US-Dollar, was einer Verzehnfachung gegenüber dem Vorjahr entspricht. Davon entfielen 17 Millionen US-Dollar direkt auf die neue Börse Rothera.
Können deutsche Spieler legal auf Robinhood wetten?
Nein, Robinhood verfügt über keine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Deutsche Spieler müssen sich an Anbieter auf der offiziellen Whitelist halten, die den Regeln des GlüStV 2021 entsprechen.
Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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