Sportradar setzt auf Vorhersagemärkte trotz regulatorischer Hürden in den USA
KI-GENERIERTCEO Carsten Körl sieht in Vorhersagemärkten einen Wachstumsmotor für Sportradar. Partnerschaften mit Kalshi und Polymarket sollen den Umsatz bis 2026 auf zweistellige Millionenbeträge heben.
Die Welt der Sportwetten und Datenanalyse steht vor einem Umbruch, der weit über das klassische Tippen auf Sieg oder Niederlage hinausgeht. Sportradar, einer der weltweit führenden Anbieter von Sportdaten, positioniert sich derzeit massiv in einem Sektor, der als Vorhersagemarkt bekannt ist. Während einer Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des zweiten Quartals machte CEO Carsten Körl deutlich, dass sein Unternehmen eine Vorreiterrolle einnehmen will. Die strategische Ausrichtung zielt darauf ab, den adressierbaren Markt in den USA erheblich zu erweitern, indem neue Bundesstaaten erschlossen und neue Spielerschichten angesprochen werden.
Das Vorhaben ist ambitioniert, wird jedoch durch die komplexe Rechtslage in den Vereinigten Staaten gebremst. Obwohl die Partnerschaften mit Schwergewichten wie Kalshi und Polymarket bereits besiegelt sind, werden die großen finanziellen Sprünge erst für das Jahr 2027 und darüber hinaus erwartet. Grund dafür sind unter anderem schleppende Vertragsabschlüsse und ausstehende Genehmigungen der großen Sportligen. Dennoch bleibt die Führungsebene optimistisch, da die Nachfrage nach Echtzeitdaten für Ereignisverträge stetig wächst. Es geht nicht mehr nur um das Endergebnis eines Spiels, sondern um den Handel mit Wahrscheinlichkeiten in Echtzeit.
Zahlen und Fakten
Die wirtschaftliche Bedeutung dieses neuen Segments spiegelt sich bereits in den aktuellen Bilanzen wider. Der Bereich für Marketing- und Mediendienstleistungen verzeichnete im Zeitraum bis zum 31. Mai einen Umsatzanstieg von 16 Prozent, was maßgeblich auf die Ausgaben der Vorhersagemarkt-Industrie zurückzuführen ist. Insgesamt lieferte das Segment Sportinhalte, Technologie und Dienstleistungen einen Umsatz von 64 Millionen Euro, was einem Plus von 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 rechnet Finanzvorstand Craig Felenstein mit einem Gesamtumsatz zwischen 1,518 Milliarden und 1,533 Milliarden Euro.
Besonders die Kooperation mit Kalshi, die im Juni angekündigt wurde, ist wegweisend. Sportradar liefert hier Echtzeitdaten für die Abwicklung von Trades und das Fan-Engagement in Ligen wie der MLB, ATP, NHL, MLS und UFC. Der Vertrag ist so strukturiert, dass Sportradar durch eine Kombination aus fixen Gebühren und variablen Komponenten direkt vom wachsenden Handelsvolumen profitiert. Bei Polymarket wiederum geht es vor allem um Tennisdaten. Über 20.000 Spiele pro Saison werden mit Live-Daten und Streaming-Diensten versorgt, um den Nutzern eine fundierte Handelsgrundlage zu bieten.
„Mit unserem Premium-Content, unserer globalen Reichweite und unserem unerreichten Produktportfolio sind Vorhersagemärkte eine natürliche Ergänzung. Es erweitert den US-Markt, indem es neue Bundesstaaten öffnet, neue Spieler anzieht und das Engagement im Sport erhöht.“ - Carsten Körl, CEO von Sportradar
Hintergrund
Vorhersagemärkte unterscheiden sich grundlegend von klassischen Buchmachern. Hier agieren die Plattformen eher wie Börsen, auf denen Teilnehmer Kontrakte auf den Ausgang von Ereignissen kaufen und verkaufen. Dies können politische Wahlen oder eben sportliche Ereignisse sein. Ein zentraler Punkt für den Erfolg ist die Latenzzeit, also die Geschwindigkeit, mit der Daten übertragen werden. Sportradar nutzt hierfür ballgenaue Tracking-Daten, die innerhalb von Millisekunden gemeldet werden. Dies ermöglicht es Market-Makern und Brokern, faire Preise für die Kontrakte zu stellen.
Allerdings steht der Sektor unter politischem und juristischem Beschuss. Während die US-Derivateaufsicht CFTC unter der aktuellen Führung eine eher unterstützende Rolle einnimmt, klagen zahlreiche US-Bundesstaaten gegen die Betreiber. In New York fordert Generalstaatsanwältin Letitia James sogar Schadensersatz in Höhe von 36 Milliarden Dollar von Kalshi. Sportradar selbst sieht sich zudem mit Vorwürfen von Shortsellern wie Muddy Waters konfrontiert, die behaupten, das Unternehmen bediene illegale Märkte. Körl wies dies entschieden zurück und verwies auf ein strenges Compliance-Framework, das sicherstellt, dass alle Produkte im Einklang mit geltendem Recht genutzt werden.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler bleibt die Situation klar durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) definiert. Während in den USA mit Vorhersagemärkten experimentiert wird, gelten hierzulande strikte Regeln zum Schutz der Konsumenten. Deutsche Zocker dürfen nur bei Anbietern spielen, die auf der offiziellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen. Diese Lizenzen garantieren, dass Sicherheitsmechanismen wie das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro über das LUGAS-System eingehalten werden. Auch das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten ist ein fester Bestandteil des deutschen Spielerschutzes, um exzessives Spielverhalten zu verhindern.
Vorhersagemärkte, wie sie Sportradar in den USA forciert, sind in Deutschland in dieser Form aktuell nicht für den Massenmarkt bei Glücksspielanbietern lizenziert. Wer hierzulande sicher wetten möchte, sollte strikt darauf achten, dass das Casino oder der Buchmacher ein Siegel der GGL trägt. Anbieter mit MGA- oder Curacao-Lizenzen bieten nicht das gleiche Schutzniveau und operieren oft in einer rechtlichen Grauzone, die im Streitfall für den Spieler riskant sein kann. Die strengen deutschen Regeln dienen dazu, Manipulationen zu verhindern und Transparenz zu schaffen, genau jene Aspekte, die Sportradar in den USA durch seine Datenintegritätsservices ebenfalls adressiert.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für deutsche Casinos mit GGL-Lizenz bedeutet die Entwicklung bei Sportradar, dass in Zukunft noch präzisere und vielfältigere Datenströme verfügbar sein könnten. Wenn sich Vorhersagemärkte als stabiles Modell etablieren, könnten Elemente davon auch in den streng regulierten deutschen Markt einfließen, sofern sie mit den hiesigen Jugendschutz- und Suchtpräventionsgesetzen vereinbar sind. Die technologische Innovation bei der Datenlatenz kommt letztlich auch den deutschen Sportwetten-Plattformen zugute, da sie die Fairness und Genauigkeit der Quoten verbessert. GGL-lizenzierte Anbieter bleiben die einzige sichere Wahl für Spieler, die Wert auf Rechtssicherheit und schnellen Spielerschutz legen.
Häufige Fragen
Was sind Vorhersagemärkte im Vergleich zu normalen Sportwetten?
Vorhersagemärkte funktionieren wie Börsen, an denen Nutzer Kontrakte auf Ereignisse wie Sportergebnisse oder Wahlen handeln. Im Gegensatz zum klassischen Buchmachermodell wetten die Teilnehmer hier gegen andere Marktteilnehmer, wobei die Plattformen als Vermittler auftreten. Sportradar liefert die notwendigen Echtzeitdaten, um diese Handelsvorgänge präzise und fair abzurechnen.
Warum verzögern sich die Einnahmen für Sportradar in diesem Sektor?
Die Verzögerungen resultieren hauptsächlich aus komplexen Verhandlungen mit Sportligen und regulatorischen Unklarheiten in den USA. CEO Carsten Körl erklärte, dass Genehmigungsprozesse der Partnerligen länger dauerten als ursprünglich geplant. Daher werden substanzielle finanzielle Beiträge erst für das Jahr 2027 erwartet.
Wie reagiert Sportradar auf Vorwürfe von Shortsellern?
Sportradar weist Vorwürfe von Callisto Research und Muddy Waters, man bediene illegale Märkte, als faktisch falsch zurück. Das Unternehmen betont, über ein strenges Compliance-Framework und vertragliche Schutzmaßnahmen zu verfügen. Ein interner Prüfungsausschuss stellt sicher, dass die Datenprodukte nur in Übereinstimmung mit geltenden Gesetzen verwendet werden.
Darf ich in Deutschland auf Vorhersagemärkten wie Polymarket wetten?
In Deutschland ist das Angebot von Online-Glücksspiel streng durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 geregelt. Spieler sollten ausschließlich Plattformen nutzen, die eine offizielle Lizenz der GGL besitzen und auf der Whitelist stehen. Vorhersagemärkte ohne deutsche Lizenz erfüllen nicht die hiesigen Spielerschutzstandards wie das 1.000-Euro-Einzahlungslimit oder den Anschluss an das Sperrsystem OASIS.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
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