Glücksspiel-Boom bei Jugendlichen: Neue Studie aus Ontario alarmiert Experten
KI-GENERIERTEine aktuelle Untersuchung der CAMH in Toronto zeigt einen dramatischen Anstieg der Glücksspielaktivität bei Teenagern. Die Zahl der jugendlichen Online-Gamer stieg um 50 Prozent.
Die Welt des Glücksspiels hat sich radikal gewandelt, besonders in Nordamerika. Während früher physische Casinos die Hürden für Minderjährige hochhielten, wischen Teenager heute auf ihren Smartphones durch eine Flut von Wettangeboten. Eine aktuelle Langzeitstudie aus Ontario, Kanada, liefert nun harte Daten für eine Entwicklung, die viele Experten bereits befürchtet hatten. Der Zugang zu Online-Wetten scheint für Minderjährige trotz gesetzlicher Beschränkungen erschreckend einfach zu sein.
Die Ergebnisse des Centre for Addiction and Mental Health (CAMH) zeichnen ein düsteres Bild der aktuellen Lage. Die Forscher untersuchten das Verhalten von Schülern in einem Umfeld, das seit der Marktöffnung im April 2022 von einer wahren Flut an Glücksspielwerbung überschwemmt wurde. Besonders kritisch wird dabei gesehen, dass die Normalisierung von Wetten im Alltag junger Menschen bereits tiefe Spuren hinterlassen hat. Es geht nicht mehr nur um gelegentliche Einsätze, sondern um ein systemisches Problem in der digitalen Freizeitgestaltung.
Zahlen und Fakten
Die statistischen Auswertungen der Ontario Student Drug Use and Health Survey (OSDUHS) sind eindeutig. Ein Zehntel aller befragten Schüler gab an, im vergangenen Jahr mindestens einmal online auf Sportereignisse gewettet zu haben. Noch deutlicher wird der Trend beim allgemeinen Online-Glücksspiel: Hier stieg der Anteil der Schüler von 8 Prozent im Jahr 2023 auf nunmehr 12 Prozent. Das entspricht einem massiven Sprung von 50 Prozent innerhalb kürzester Zeit. Insgesamt gaben 20 Prozent der Jugendlichen an, im Berichtszeitraum irgendeiner Form von Glücksspiel nachgegangen zu sein, egal ob online oder offline.
Besonders auffällig ist die Geschlechterverteilung. Während Jungen und junge Männer im Alter von 15 bis 44 Jahren stolze 60,3 Prozent aller Anrufe bei Glücksspiel-Helplines ausmachen, wächst das Problem auch bei Mädchen. Laut der CAMH-Umfrage verdoppelte sich die Rate der online spielenden Schülerinnen von 3 Prozent im Vorjahr auf aktuell 6 Prozent. Insgesamt nahmen 11.108 Schüler der Klassenstufen 7 bis 12 an der anonymen Befragung teil, die zwischen Dezember 2024 und Juni 2025 in 246 Schulen durchgeführt wurde.
Hintergrund
Die Entwicklung in Ontario steht exemplarisch für die Risiken einer schnellen Marktliberalisierung. Seit 2022 ist die Provinz einer der wettbewerbsintensivsten Märkte Nordamerikas mit fast 50 Anbietern und über 80 Plattformen. Im Fiskaljahr 2024 und 2025 wurden auf 2,6 Millionen aktiven Konten über 82 Milliarden Dollar gesetzt. Dieser wirtschaftliche Erfolg hat Schattenseiten. Die Regulierungsbehörde AGCO musste erst kürzlich eine Strafe von 120.000 Dollar gegen den Anbieter Betty Gaming verhängen, weil Minderjährige Zugang zur Plattform erhielten.
„Das schnelle Wachstum des Online-Glücksspiels unter jungen Menschen ist wirklich besorgniserregend. Die Ergebnisse werfen wichtige Fragen auf, wie junge Menschen trotz Altersbeschränkungen Zugang zu Glücksspielprodukten erhalten und welchen Einfluss die weitverbreitete Werbung und deren Normalisierung auf Einstellungen und Verhalten haben.“ - Dr. Peter Selby, leitender Forscher am INTREPID Lab der CAMH
Experten wie Hayley Hamilton betonen, dass die ständige Verfügbarkeit auf dem Smartphone die Kontrollmöglichkeiten der Eltern und Behörden untergräbt. Oft helfen Eltern sogar unbewusst oder bewusst mit, indem sie Konten unter eigenem Namen für ihre Kinder eröffnen. Dies führt laut dem Anwalt und Suchtexperten Harley Redlick zu einer regelrechten Epidemie, der sich Jugendliche kaum noch entziehen können.
Was heißt das für deutsche Spieler?
In Deutschland ist die Situation aufgrund des Glücksspielstaatsvertrages 2021 (GlüStV 2021) strenger geregelt als in vielen kanadischen Provinzen. Während in Ontario die schiere Masse an Anbietern und Werbung dominiert, setzt die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) auf strikte Schutzmechanismen. Für deutsche Spieler bedeutet dies, dass sie nur bei Anbietern spielen sollten, die auf der offiziellen Whitelist stehen. Diese Plattformen müssen das zentrale Sperrsystem OASIS und das Überwachungssystem LUGAS nutzen. Das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Slots sind hierzulande gesetzlicher Standard, um exzessives Spielverhalten zu verhindern.
Die Studie aus Ontario mahnt jedoch auch hier zur Vorsicht. Auch in Deutschland nimmt die Werbung für Sportwetten zu, was besonders junge Fans beeinflussen kann. Der Jugendschutz steht bei der GGL an oberster Stelle. Wer in Deutschland bei nicht lizenzierten Anbietern aus Malta oder Curacao spielt, verzichtet auf diese staatlich garantierten Sicherheitsnetze. Ein effektiver Jugendschutz funktioniert nur, wenn die Identitätsprüfung (KYC) lückenlos ist, was bei GGL-lizenzierten Casinos durch strenge Verifizierungsprozesse direkt bei der Anmeldung sichergestellt wird.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Betreiber mit einer deutschen Lizenz unterstreicht der Bericht aus Kanada die Wichtigkeit ihrer Compliance-Abteilungen. Eine nachlässige Altersprüfung kann in Deutschland nicht nur hohe Bußgelder nach sich ziehen, sondern zum sofortigen Entzug der Konzession führen. Deutsche Anbieter müssen ihre Algorithmen zur Früherkennung von problematischem Spielverhalten stetig verbessern. Da die Studie aus Ontario zeigt, dass Jugendliche Wege um Sperren finden, ist die technische Integrität der deutschen LUGAS-Anbindung essenziell. Transparenz bei der Werbung und der Verzicht auf jugendaffine Gestaltungsmittel sind für GGL-Casinos keine Option, sondern eine Überlebensnotwendigkeit im regulierten Markt.
Häufige Fragen
Wie stark ist das Online-Glücksspiel bei Jugendlichen gestiegen?
Laut der OSDUHS-Studie in Ontario stieg der Anteil der Schüler, die online spielen, innerhalb eines Jahres von 8 % auf 12 %. Dies entspricht einem Zuwachs von 50 %.
Warum haben Jugendliche trotz Altersbeschränkung Zugang zu Wetten?
Oft werden Identitätsprüfungen umgangen oder Eltern eröffnen illegalerweise Konten für ihre Kinder. Zudem nutzen Jugendliche häufig nicht regulierte Plattformen ohne wirksame Alterskontrollen.
Welche Rolle spielt die Werbung bei diesem Trend?
Über 80 % der befragten Schüler gaben an, im letzten Monat Glücksspielwerbung gesehen zu haben, 25 % sogar täglich. Experten sehen darin eine gefährliche Normalisierung des Glücksspiels für Minderjährige.
Wie schützt Deutschland junge Spieler vor solchen Entwicklungen?
In Deutschland sichert der GlüStV 2021 durch die GGL-Whitelist, das Sperrsystem OASIS und strenge Identitätsprüfungen ab. Nur lizenzierte Anbieter dürfen legal operieren und müssen strikte Einsatz- und Einzahlungslimits einhalten.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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