Sponsoring-Chaos in der Premier League: Sunderland und Forest suchen verzweifelt

Drei Wochen vor Saisonstart stehen Sunderland AFC und Nottingham Forest ohne Hauptsponsor da. Das Verbot von Wettlogos auf Trikotfronten reißt Löcher von bis zu 15 Millionen Pfund in die Kassen.
Die Uhren ticken laut in den Geschäftsstellen von Sunderland AFC und Nottingham Forest FC. Nur noch drei Wochen trennen die Traditionsvereine vom Anpfiff der Saison 2026 und 2027, doch die Brust ihrer Trikots ist leer. Wo früher die Logos von Wettanbietern prangten, herrscht gähnende Leere. Das neue Verbot von Front-Sponsoring durch die Glücksspielbranche in der Premier League zeigt erste schmerzhafte Auswirkungen. Es ist nicht nur ein optisches Problem für die Fans, sondern ein handfestes finanzielles Fiasko für die Finanzabteilungen, die gewohnt waren, dass Buchmacher die höchsten Summen auf den Tisch legen. Der Markt ist übersättigt, und die zahlungskräftige Konkurrenz aus anderen Branchen steht nicht gerade Schlange.
Sunderland, ein Verein, der gerade erst den Aufstieg meisterte und sich sensationell für die UEFA Europa League qualifizierte, sollte eigentlich ein Magnet für Sponsoren sein. Letzte Saison warb man noch für W88, einen Anbieter ohne britische Lizenz. Nottingham Forest hingegen setzte auf Ballys, ein US-Unternehmen mit UK-Lizenz. Beide Deals sind Geschichte. Während Sunderland durch die europäische Bühne noch auf ein Last-Minute-Angebot hofft, sieht es für Forest düsterer aus. Nach dem Abgang von Starspieler Elliot Anderson zu Manchester City für rund 116 Millionen Pfund und dem Trainerwechsel zu Oliver Glasner befindet sich der Klub in einer Umbruchphase, die potenzielle Geldgeber eher abschreckt.
Zahlen und Fakten
Die Dimensionen des Problems werden deutlich, wenn man sich den Sponsoringmarkt im Detail ansieht. Insgesamt elf Vereine der Premier League mussten sich diesen Sommer nach neuen Partnern umsehen. Normalerweise sind es nur ein bis zwei Klubs pro Jahr. Die potenziellen Einnahmen, die nun wegbrechen, sind gewaltig. Experten schätzen, dass Unternehmen zwischen 5 und 15 Millionen Pfund investieren müssen, um auf das Trikot eines Premier-League-Klubs zu kommen. Doch die Liste der Firmen, die solche Summen in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld stemmen können, ist kurz.
„Das Glücksspielverbot hat einen bereits schrumpfenden Pool von Sponsoren genommen und ein gesundes Stück davon entfernt. Es hat das wettbewerbsintensivste und schwierigste Sponsoringumfeld geschaffen, dem Premier-League-Vereine je gegenüberstanden.“ - Sean Connell, Herausgeber von The Sponsor
Diese Einschätzung unterstreicht den Ernst der Lage. Die Premier League erreicht zwar ein globales Publikum von 4,7 Milliarden Menschen und wird in 212 Territorien ausgestrahlt, doch die moralische und regulatorische Daumenschraube zieht sich zu. Auch Chelsea FC sucht nach dem Auslaufen des Vertrags mit der KI-Plattform IFS.ai noch nach einem passenden Partner für die Saison 2026 und 2027.
Hintergrund
Das Verbot betrifft nur die Vorderseite der Spielkleidung. Wettanbieter verschwinden nicht komplett aus dem englischen Fußball, sie wandern lediglich auf die Ärmel oder die Trainingsbekleidung ab. In der zweitklassigen EFL Championship wird das Glücksspiel-Sponsoring auf der Trikotbrust sogar weiterhin das Stadtbild prägen. Gleichzeitig prüft das britische Ministerium für Kultur, Medien und Sport (DCMS) derzeit ein vollständiges Verbot für Sponsoring durch Anbieter ohne UK-Lizenz. Dies würde vor allem Klubs wie Sunderland treffen, die in der Vergangenheit auf Firmen wie W88 gesetzt haben. Die Branche befindet sich in einer Phase der Transformation, in der die Klubs versuchen, den finanziellen Chasm zu überbrücken, den die Wettindustrie hinterlassen hat.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Fans und Spieler ist diese Entwicklung ein Vorgeschmack auf das, was auch hierzulande durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) und die strengen Augen der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) forciert wird. In Deutschland ist die Werbung für Online-Casinos und Sportwetten bereits massiv reglementiert. Wer in einem GGL-lizenzierten Casino spielt, unterliegt dem monatlichen Einzahlungslimit von 1.000 Euro und dem Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten. Diese Regeln dienen dem Spielerschutz, genau wie das britische Werbeverbot. Während englische Klubs um ihre Millionen bangen, ist das System in Deutschland durch LUGAS und OASIS darauf ausgelegt, Sicherheit vor Profit zu stellen. Deutsche Spieler sollten darauf achten, nur bei Anbietern auf der offiziellen Whitelist zu spielen, da diese die strengen deutschen Standards garantieren.
Was das für GGL-Casinos heißt
Anbieter mit deutscher Lizenz stehen vor ähnlichen Herausforderungen wie die britischen Buchmacher. Die Marketingkanäle werden enger. Kooperationen mit Sportvereinen sind zwar in Deutschland unter strengen Auflagen noch möglich, doch der Fokus rückt immer stärker weg von der reinen Markenpräsenz hin zur Verantwortung. Die GGL überwacht penibel, dass Sponsoring nicht als Anreiz für exzessives Spiel dient. Für die legalen Anbieter in Deutschland bedeutet der Trend in England, dass man sich frühzeitig auf alternative Marketingstrategien einstellen muss, die weniger auf schrille Trikotlogos und mehr auf Vertrauen und Transparenz setzen.
Häufige Fragen
Warum haben Sunderland und Nottingham Forest keine Trikotsponsoren?
Ab der Saison 2026 und 2027 gilt in der Premier League ein Verbot für Glücksspielanbieter auf der Vorderseite der Trikots. Beide Vereine mussten ihre bisherigen Verträge mit W88 und Ballys beenden und finden bisher keinen gleichwertigen Ersatz aus anderen Branchen.
Wie viel Geld verlieren die Klubs durch das Verbot?
Hauptsponsoren in der Premier League zahlen üblicherweise zwischen 5 und 15 Millionen Pfund pro Jahr. Da Wettanbieter oft bereit waren, über dem Marktwert zu zahlen, haben die Klubs nun Schwierigkeiten, Firmen zu finden, die diese finanzielle Lücke schließen können.
Darf Glücksspielwerbung im Fußball weiterhin stattfinden?
Ja, das Verbot in England bezieht sich nur auf die Vorderseite der Trikots bei Pflichtspielen. Werbung auf den Ärmeln, der Trainingsbekleidung und auf Werbebanden im Stadion bleibt weiterhin erlaubt, sofern die Anbieter die entsprechenden Lizenzen besitzen.
Wie hoch ist das Einzahlungslimit für Spieler in Deutschland?
Nach dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 liegt das anbieterübergreifende Einzahlungslimit bei 1.000 Euro pro Monat. Dies wird über das zentrale Überwachungssystem LUGAS kontrolliert, um den Spielerschutz zu gewährleisten und Verschuldung vorzubeugen.
Was passiert, wenn ein Verein keinen Sponsor findet?
Es ist unwahrscheinlich, dass Sunderland oder Forest ohne Sponsor in die Saison starten, aber sie müssen eventuell deutlich geringere Summen akzeptieren. Die Vereine spielen derzeit auf Zeit, um den bestmöglichen Deal mit Unternehmen außerhalb der Glücksspielbranche auszuhandeln.
Welche Casinos sind für deutsche Spieler sicher?
Sicher sind ausschließlich Online-Casinos, die auf der offiziellen Whitelist der GGL stehen. Diese Anbieter halten sich an deutsche Gesetze wie das 1-Euro-Einsatzlimit pro Drehung und bieten Anschluss an das Sperrsystem OASIS.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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