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Finnlands Weg zum Lizenzmarkt: Veikkaus rüstet sich für das Ende des Monopols

3. September 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Finnlands Weg zum Lizenzmarkt: Veikkaus rüstet sich für das Ende des MonopolsKI-GENERIERT

Ab Juli 2027 öffnet Finnland seinen Glücksspielmarkt für private Anbieter. Der staatliche Gigant Veikkaus geht mit 2,7 Millionen Kunden als Favorit ins Rennen.

Finnland steht vor einer historischen Zäsur in seiner Glücksspielgeschichte. Der nordische Staat bereitet sich intensiv darauf vor, sein langjähriges Monopolmodell aufzugeben und ab dem 1. Juli 2027 ein modernes Lizenzsystem einzuführen. Diese Entscheidung folgt dem Beispiel anderer europäischer Nationen, die erkannt haben, dass ein starres Monopol in Zeiten des grenzenlosen digitalen Glücksspiels kaum noch zu halten ist. Der staatliche Betreiber Veikkaus, der über Jahrzehnte die alleinige Kontrolle innehatte, sieht sich nun mit der Herausforderung konfrontiert, seine marktbeherrschende Stellung gegen internationale Konkurrenten zu verteidigen.

Die aktuelle Situation ist für die finnischen Behörden unhaltbar geworden. Schätzungen zufolge floss im Jahr 2022 etwa die Hälfte der Online-Glücksspielausgaben der Finnen an Anbieter ab, die außerhalb der Reichweite des staatlichen Monopols operieren. Dies bedeutete nicht nur den Verlust von Steuereinnahmen in Millionenhöhe, sondern untergrub auch die Bemühungen um den Spielerschutz. Durch die Öffnung des Marktes will Finnland diese Spieler in ein reguliertes Umfeld zurückholen, in dem klare Regeln und Aufsichtsmechanismen gelten. Der Übergang wird jedoch kein Selbstläufer, da bereits jetzt rund 50 Lizenzanträge bei der finnischen Polizeibehörde Poliisi eingegangen sind, was das enorme Interesse privater Betreiber unterstreicht.

Zahlen und Fakten

Die wirtschaftliche Stärke von Veikkaus im ersten Halbjahr 2026 verdeutlicht die Ausgangslage. Das Unternehmen verzeichnete einen Umsatz von 471,3 Millionen Euro, was einer Steigerung gegenüber den 466,4 Millionen Euro des Vorjahreszeitraums entspricht. Der Betriebsgewinn kletterte auf 227,7 Millionen Euro. Besonders beeindruckend ist die Kundenbasis von 2,7 Millionen registrierten Nutzern. Dies verschafft dem Staatsunternehmen einen gewaltigen Vorsprung beim Marketing und der Datenanalyse. Der Bruttospielertrag (Gross Gaming Revenue, GGR) aus digitalen Kanälen wuchs im Bereich Casino und Wetten um 5 Prozent, wobei der digitale Anteil am Gesamt-GGR mittlerweile bei 64,5 Prozent liegt.

Um für den freien Wettbewerb gewappnet zu sein, baut Veikkaus seine internen Strukturen um. Das Team für Daten, KI und Finanzen wird neu aufgestellt, wobei 17 neue Positionen geschaffen werden. Gleichzeitig tritt das Unternehmen dem Branchenverband Rahapeliala ry bei, um die Interessenvertretung gemeinsam mit künftigen Wettbewerbern zu stärken. Olli Sarekoski, der CEO von Veikkaus, betont die Notwendigkeit der Zusammenarbeit:

„Die Gambling Industry Association Finland hat wertvolle und lobenswerte Arbeit bei der Vorbereitung der Systemreform geleistet. Die Glücksspielregulierung ändert sich in ganz Europa, und Finnland bildet da keine Ausnahme. Daher ist es für uns ein natürlicher Schritt, uns gemeinsam mit anderen wichtigen Akteuren an der Interessenvertretung der Branche zu beteiligen."

Hintergrund

Die Reform in Finnland ist eine direkte Reaktion auf das Scheitern des Monopols im digitalen Zeitalter. Während Veikkaus bei Lotterien und physischen Spielautomaten weiterhin exklusive Rechte behalten wird, ist der Bereich Online-Casino und Sportwetten künftig offen für lizenzierte Privatunternehmen. Die finnische Innenministerin Mari Rantanen erklärte dazu, dass das Ziel der Gesetzesvorlage darin bestehe, eine Balance zwischen strenger Regulierung zur Bekämpfung von Spielschäden und der Attraktivität für Lizenznehmer zu finden. Finnland folgt damit dem Vorbild von Schweden und Dänemark, die ihre Märkte bereits 2019 beziehungsweise 2012 liberalisierten und damit hohe Kanalisierungsraten erreichten.

Ein interessanter Aspekt der finnischen Strategie ist die mögliche Privatisierung von Veikkaus. Die Regierung zieht einen Börsengang bis zum Ende des Jahrzehnts in Betracht. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass das Unternehmen beweist, dass es in einem wettbewerbsorientierten Umfeld ohne Monopolschutz bestehen kann. Erste Anzeichen dafür sind positiv, da die Tochtergesellschaft Fennica Gaming ihren B2B-Umsatz im Jahresvergleich um 80,6 Prozent auf 10,3 Millionen Euro steigern konnte und mittlerweile in 21 Ländern aktiv ist.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler zeigt die Entwicklung in Finnland, dass der Trend zur strikten nationalen Regulierung unumkehrbar ist. In Deutschland gilt seit 2021 der Glücksspielstaatsvertrag, der ähnliche Ziele wie die finnische Reform verfolgt: Kanalisierung in den legalen Markt bei gleichzeitigem Schutz der Spieler. Während finnische Spieler sich auf ein neues Lizenzsystem freuen können, müssen deutsche Nutzer weiterhin die strikten Vorgaben der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) beachten. Dazu gehören das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über das LUGAS-System sowie das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten.

Die finnische Öffnung könnte mittelfristig dazu führen, dass noch mehr internationale Betreiber ihre Angebote an strikte europäische Standards anpassen. Wer in Finnland eine Lizenz erhält, muss ähnlich hohe Hürden nehmen wie bei einer deutschen GGL-Lizenz. Für deutsche Urlauber oder Expats in Finnland bedeutet dies künftig eine sicherere Spielumgebung nach lokalem Recht, während in Deutschland die Whitelist der GGL das maßgebliche Dokument für legales Spiel bleibt.

Was das für GGL-Casinos heißt

Casinos mit einer Lizenz der GGL können die finnischen Entwicklungen als Bestätigung ihres Geschäftsmodells sehen. Der Druck auf unregulierte MGA- oder Curacao-Anbieter wächst europaweit. Wenn selbst ein traditionelles Monopolsystem wie das finnische fällt, zeigt dies, dass nur klare staatliche Lizenzmodelle zukunftsfähig sind. Deutsche Lizenznehmer profitieren von der Rechtssicherheit, auch wenn die Beschränkungen hart sind. Der finnische Markt wird ab 2027 ein weiteres Testfeld für Betreiber sein, die bereits in Deutschland Erfahrungen mit strengen regulatorischen Auflagen gesammelt haben. Ein harmonisierter europäischer Standard rückt damit ein Stück näher, auch wenn jedes Land seine eigenen Feinheiten bei Limits und Steuersätzen behält.

Häufige Fragen

Wann wird der finnische Glücksspielmarkt für private Anbieter geöffnet?

Die offizielle Marktöffnung in Finnland ist für den 1. Juli 2027 geplant. Ab diesem Datum wird das bisherige Monopol von Veikkaus im Bereich Online-Casino und Sportwetten durch ein Lizenzsystem ersetzt.

Wie viele Kunden hat der bisherige Monopolist Veikkaus?

Veikkaus verfügte zum Ende des ersten Halbjahres 2026 über rund 2,7 Millionen registrierte Kunden. Dies entspricht einer Steigerung von 50.000 Nutzern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Warum schafft Finnland das Glücksspielmonopol ab?

Das Monopol wird abgeschafft, weil immer mehr Spieler zu nicht lizensierten Offshore-Anbietern abwanderten. Durch das neue Lizenzsystem sollen die Spieler besser geschützt und Steuereinnahmen gesichert werden.

Bleiben einige Bereiche weiterhin unter staatlicher Kontrolle?

Ja, Veikkaus wird das Monopol für Lotterien, Rubbellose sowie physische Spielautomaten und landbasierte Casinos behalten. Nur die digitalen Sektoren wie Online-Slots und Sportwetten werden liberalisiert.

Was bedeutet die finnische Reform für Spieler in Deutschland?

Die Reform hat keine direkten Auswirkungen auf die Rechtslage in Deutschland, wo weiterhin der Glücksspielstaatsvertrag 2021 gilt. Deutsche Spieler müssen sich weiterhin an die GGL-regulierten Anbieter halten, die Limits wie 1 Euro pro Spin und das monatliche 1.000 Euro Einzahlungslimit umsetzen.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

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