STS-Verkauf: Mateusz Juroszek sieht perfekten Zeitpunkt für Entain-Exit

Die Familie Juroszek zieht sich schrittweise aus dem Glücksspiel-Giganten Entain CEE zurück, während das Unternehmen einen strategischen Kurswechsel vollzieht. Der STS-Unternehmenswert wird auf rund 805 Millionen Euro beziffert.
Die Welt der internationalen Sportwetten ist ständig in Bewegung, und kaum jemand verkörpert diesen Wandel derzeit so sehr wie Mateusz Juroszek. Der ehemalige CEO des polnischen Marktführers STS blickt heute mit einer Mischung aus Stolz und geschäftlichem Pragmatismus auf den Verkauf seines Lebenswerks zurück. Was im Jahr 2023 als großer Aufbruch in eine gemeinsame osteuropäische Zukunft mit dem britischen Riesen Entain begann, wandelt sich nun in eine geordnete Rückzugsbewegung. Entain, das Schwergewicht hinter Marken wie Bwin und Ladbrokes, scheint die Lust am direkten Engagement in Osteuropa verloren zu haben und priorisiert stattdessen den Schuldenabbau und die Vereinfachung der Konzernstruktur.
Für die Familie Juroszek erweist sich das Timing des ursprünglichen Deals im Rückblick als meisterhafter Schachzug. Damals hielt STS über 40 Prozent des polnischen Marktes, eine Dominanz, die laut Mateusz Juroszek in einem zunehmend kompetitiven Umfeld mit aggressiven Bonusstrategien der Konkurrenz nur schwer zu halten gewesen wäre. Durch den Verkauf zum richtigen Zeitpunkt wurde die marktbeherrschende Stellung monetarisiert, während man gleichzeitig über eine Beteiligung am Joint Venture Entain CEE von den Synergien eines größeren Konzerns profitierte. Dass sich Entain nun schrittweise zurückzieht, sieht Juroszek nicht als Zeichen von Schwäche der operativen Einheiten, sondern als rein strategische Entscheidung der Londoner Konzernzentrale.
Zahlen und Fakten
Die Dimensionen dieses Rückzugs sind beeindruckend. Im Juni 2026 vereinbarte Entain den Verkauf eines Anteils von 20 Prozent an Entain CEE für rund 425 Millionen Euro an den tschechischen Partner EMMA Capital. Dieser Preis impliziert einen Unternehmenswert für die gesamte CEE-Sparte von stolzen 2,1 Milliarden Euro, was etwa dem zehnfachen des operativen Gewinns (EBITDA) entspricht. Die Familie Juroszek hält derzeit noch einen Anteil von 10 Prozent und beobachtet entspannt, wie sich die Machtverhältnisse verschieben. Nach Abschluss der Transaktion Ende 2026 wird Entains Anteil von 67,5 Prozent auf 47,5 Prozent sinken, während EMMA Capital die operative Kontrolle übernimmt.
Finanziell stehen die beteiligten Unternehmen STS und das kroatische SuperSport glänzend da. Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschafteten beide Marken zusammen einen Net Gaming Revenue (NGR) von etwa 609 Millionen Euro. Das entspricht einer Steigerung von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch das EBITDA kletterte um 7 Prozent auf 215 Millionen Euro. Trotz dieser positiven Zahlen plant Entain den kompletten Ausstieg, um den Verschuldungsgrad der Gruppe unter den Faktor 3 zu drücken und Kapital an die Aktionäre zurückzugeben.
„Der Verkauf des Mehrheitsanteils an STS war ein großartiges Geschäft für unsere Familie und gab dem Unternehmen gleichzeitig die Möglichkeit, sich als Teil einer größeren Gruppe zu entwickeln.“ - Mateusz Juroszek, ehemaliger CEO von STS
Hintergrund
Der ursprüngliche Plan sah vor, STS als Plattform für weitere Zukäufe in der Region zu nutzen. Man sprach von Synergieeffekten in Höhe von mehr als 11,7 Millionen Euro. Doch die Realität holte den Konzern ein. Entain steht unter Druck, das Portfolio zu straffen und die Bilanz zu bereinigen. In diesem Kontext ist der Teilverkauf an EMMA Capital nur der erste Schritt. Eine separate Stimmrechtsvereinbarung sorgt dafür, dass die Juroszek-Stiftungen ihre Stimmrechte an EMMA übertragen, wodurch die Tschechen faktisch die Mehrheit kontrollieren, obwohl sie weniger als 50 Prozent des Kapitals besitzen.
Mateusz Juroszek sieht darin keinen Grund zur Eile für den eigenen Ausstieg. Zwar hält seine Familie eine sogenannte Put-Option, die es erlaubt, die restlichen 10 Prozent innerhalb der nächsten drei Jahre in drei Tranchen zu verkaufen, doch die Zusammenarbeit mit EMMA Capital läuft laut seinen Aussagen hervorragend. Solange Dividenden fließen und die Bewertung der Gruppe stabil bleibt oder steigt, kann die Familie den optimalen Zeitpunkt für den finalen Abschied selbst wählen. Es ist das Bild eines Investors, der seine Hausaufgaben gemacht hat und nun aus einer Position der Stärke agiert.
„Wir haben über die Put-Option einen Weg für einen vollständigen Ausstieg, und wir werden ihn wahrscheinlich eines Tages nutzen.“ - Mateusz Juroszek, ehemaliger CEO von STS
Was heißt das für deutsche Spieler?
Auch wenn STS und SuperSport primär in Polen und Kroatien agieren, hat die Strategie von Entain direkte Auswirkungen auf den deutschen Markt. Als einer der größten Akteure mit deutscher Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) zeigt Entain mit diesem Schritt, dass der Fokus wieder stärker auf Kernmärkten und der Einhaltung strenger Regularien liegt. Der Erlös aus dem Verkauf im Osten soll die finanzielle Stabilität des Gesamtkonzerns sichern, was wiederum den Betrieb von GGL-lizenzierten Angeboten wie Bwin in Deutschland langfristig absichert.
Für deutsche Spieler bedeutet ein stabiler Konzern im Hintergrund vor allem Sicherheit bei Auszahlungen und Verlässlichkeit beim Spielerschutz. Wer in Deutschland bei legalen Anbietern wettet, profitiert vom Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021). Hier sind Limits wie die 1.000-Euro-Einzahlungsgrenze pro Monat und das 1-Euro-Limit pro Spin bei Slots fest verankert. Die Überwachung durch das LUGAS-System stellt sicher, dass diese Grenzen anbieterübergreifend eingehalten werden. Ein finanziell gesunder Mutterkonzern wie Entain, der seine Schulden durch strategische Verkäufe abbaut, ist eher bereit, diese hohen regulatorischen Standards in Deutschland ohne Kompromisse umzusetzen, statt durch riskante Strategien in Graumärkten Profitlöcher stopfen zu müssen.
Was das für GGL-Casinos heißt
Anbieter mit GGL-Lizenz stehen unter strenger Beobachtung. Die Nachricht über den Entain-Umbau sendet ein Signal an die gesamte Branche: Qualität und regulatorische Konformität in stabilen Märkten werden wichtiger als unkontrolliertes Wachstum in volatilen Regionen. Casinos und Buchmacher auf der Whitelist müssen beweisen, dass sie wirtschaftlich tragfähig sind, während sie gleichzeitig strikte Spielerschutzmaßnahmen implementieren. Wenn große Player wie Entain ihre CEE-Sparte abstoßen, um die Bilanz zu glätten, stärkt das indirekt das Vertrauen in die legalen, in Deutschland regulierten Marken des Konzerns. Der Fokus verschiebt sich weg von der reinen Expansion hin zur qualitativen Marktführerschaft unter den Augen der deutschen Behörden.
Häufige Fragen
Was war der Grund für den Verkauf von STS an Entain?
Die Familie Juroszek verkaufte STS im Jahr 2023 zu einem günstigen Zeitpunkt, als das Unternehmen einen Marktanteil von über 40 Prozent in Polen hielt. Mateusz Juroszek sah voraus, dass der Wettbewerb härter und die Dominanz schwerer zu verteidigen sein würde, weshalb der Ausstieg finanziell lukrativ war.
Wie viel zahlte EMMA Capital für die Anteile an Entain CEE?
EMMA Capital vereinbarte im Juni 2026 die Zahlung von rund 425 Millionen Euro für einen Anteil von 20 Prozent an dem Joint Venture. Dieser Deal bewertet das gesamte CEE-Geschäft, zu dem STS und SuperSport gehören, mit etwa 2,1 Milliarden Euro.
Bleibt die Familie Juroszek weiterhin an dem Unternehmen beteiligt?
Aktuell hält die Familie noch einen Anteil von 10 Prozent an Entain CEE, hat aber eine Verkaufsoption (Put-Option) erhalten. Diese erlaubt es den Juroszeks, ihre restlichen Anteile innerhalb der kommenden drei Jahre nach Abschluss der Transaktion vollständig zu veräußern.
Wie haben sich STS und SuperSport finanziell entwickelt?
Die operativen Geschäfte sind weiterhin sehr profitabel und verzeichneten im Jahr 2025 einen gemeinsamen Bruttospielertrag (NGR) von 609 Millionen Euro. Sowohl der Umsatz als auch das operative Ergebnis (EBITDA) stiegen im Jahresvergleich um jeweils 7 Prozent.
Welche Auswirkungen haben solche internationalen Konzernumstrukturierungen auf Spieler in Deutschland?
Strukturveränderungen bei großen Konzernen wie Entain dienen oft der finanziellen Stabilität und dem Schuldenabbau, was den sicheren Betrieb ihrer deutschen Marken wie Bwin unterstützt. Deutsche Spieler sind durch die GGL-Lizenz und den Glücksspielstaatsvertrag 2021 geschützt, der strikte Einzahlungslimits und Überwachung durch LUGAS vorschreibt, unabhängig von den Eigentümerstrukturen im Hintergrund.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
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