Kahlschlag in Großbritanniens Straßen: Andy Burnham erklärt Wettbüros den Krieg
KI-GENERIERTDer neue britische Premierminister Andy Burnham plant drastische Maßnahmen gegen stationäre Wettshops. Betfred kündigte bereits die Schließung von 132 Filialen und den Abbau von 600 Stellen an.
In den britischen Innenstädten braut sich ein Sturm zusammen, der das Gesicht der High Street dauerhaft verändern könnte. Andy Burnham, der neue Premierminister des Vereinigten Königreichs, hat dem stationären Glücksspiel den Kampf angesagt. In einer deutlichen Botschaft über die sozialen Medien machte der ehemalige Bürgermeister von Manchester klar, dass er die Dominanz von Wettbüros und Spielhallen in den Stadtzentren brechen will. Er verknüpfte die Präsenz dieser Geschäfte direkt mit dem Niedergang der lokalen Gemeinschaften und kündigte an, den Kommunen weitreichende Befugnisse zu erteilen, um unerwünschte Betriebe zu stoppen. Diese Nachricht trifft eine Branche, die bereits unter dem Druck massiver fiskalischer Belastungen ächzt und nun um ihre bloße Existenz in der physischen Welt fürchten muss.
Die Rhetorik aus der Downing Street ist scharf und lässt wenig Raum für Interpretationen. Burnham spricht von einem Jahrzehnt des Niedergangs, in dem traditionelle Läden und Gemeinschaftsräume durch Vape-Shops und Wettbüros ersetzt wurden. Für die Betreiber von Wettshops ist dies eine Hiobsbotschaft, da sie sich ohnehin in einer Phase der Konsolidierung befinden. Die politische Stoßrichtung scheint klar: Das Glücksspiel soll aus dem öffentlichen Sichtfeld verschwinden oder zumindest drastisch reduziert werden. Dass diese Maßnahmen nun unter der Federführung von Angela Rayner, der Ministerin für Wohnungsbau und Kommunen, umgesetzt werden, verschärft die Lage zusätzlich, da sie aus ihrer Abneigung gegen die laut ihr das Stadtbild verschandelnden Wettshops keinen Hehl macht.
Zahlen und Fakten
Die wirtschaftlichen Folgen dieser politischen Weichenstellung sind bereits in den Bilanzen der großen Anbieter ablesbar. Das Unternehmen Betfred, das 1967 von den Brüdern Fred und Peter Done gegründet wurde, sah sich gezwungen, den Abbau von 600 Arbeitsplätzen und die Schließung von 132 Wettbüros bekannt zu geben. Damit verbleiben dem Anbieter nur noch rund 1.100 Standorte im gesamten Land. Grund hierfür sind vor allem die Steuererhöhungen aus dem letzten Budget, welche die Remote Gaming Duty von 21 Prozent auf stolze 40 Prozent anhoben. Ab dem Jahr 2027 soll zudem eine Remote Sports Betting Duty von 25 Prozent greifen, was die Rentabilität weiter untergräbt.
Auch der Branchenriese evoke, zu dem die traditionsreiche Marke William Hill gehört, plant die Schließung von 270 Filialen. Dies geschieht vor dem Hintergrund einer Übernahme durch Bally’s Intralot für 243 Millionen Britische Pfund im Juni dieses Jahres. Laut Daten der Local Data Company (LDC) sind in den letzten fünf Jahren bereits 2.400 Wettbüros verschwunden, was etwa 30 Prozent des nationalen Bestands entspricht. Damit sind Buchmacher nach Bankfilialen die am schnellsten verschwindende Geschäftsform in britischen Innenstädten.
Hintergrund
Der Kern der neuen Regulierung liegt in der Abschaffung der sogenannten „Aim-to-Permit“-Regel. Bisher waren lokale Genehmigungsbehörden dazu angehalten, Anträgen für glücksspielbezogene Unternehmen eher wohlwollend gegenüberzustehen. Burnham will dieses Prinzip umkehren und den Kommunen die Macht geben, Lizenzen aktiv zu verweigern oder bestehende Genehmigungen zu widerrufen. Die Regierung rechtfertigt diesen Schritt mit einer Untersuchung, die Verbindungen zwischen bestimmten Ladenlokalen und kriminellen Aktivitäten wie Geldwäsche und Drogenhandel nahelegte. Branchenvertreter reagierten entsetzt auf diese Generalisierung.
„Dies ist ein heftiger Schlag. Es ist nichts weniger als eine Kriegserklärung gegen die Glücksspielindustrie.“ - Anonymer Branchenführer, Top-Position in der iGaming-Industrie
Burnham bleibt jedoch hart. Er betont, dass die Menschen nicht nach immer mehr Wettbüros gefragt hätten, sondern nach Dienstleistungen und Gemeinschaftsflächen. Die Anhebung der Gewerbesteuer für Spielhallen, sogenannte Adult Gaming Centres (AGCs), ist ein weiteres Instrument, um den Druck auf die Betreiber zu erhöhen.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler, die sich auf Plattformen bewegen, die unter dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) reguliert sind, mag die Entwicklung in Großbritannien weit weg erscheinen. Doch sie zeigt einen globalen Trend zur strengeren Kontrolle und höheren Besteuerung. In Deutschland ist der Markt durch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) bereits sehr strikt reglementiert. Einzahlungen sind über das LUGAS-System auf 1.000 Euro pro Monat begrenzt, und an virtuellen Automaten gilt das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin. Während in Großbritannien nun der stationäre Bereich massiv attackiert wird, ist der deutsche Markt bereits so gestaltet, dass exzessive Auswüchse durch technische Überwachung und klare Lizenzvorgaben verhindert werden sollen. Deutsche Kunden sollten darauf achten, ausschließlich bei Anbietern auf der GGL-Whitelist zu spielen, da nur dort die strengen Spielerschutzregeln garantiert sind. Die britische Krise zeigt, dass regulatorische Unsicherheit auch große Traditionsunternehmen ins Wanken bringen kann, was die Bedeutung stabiler gesetzlicher Rahmenbedingungen wie in Deutschland unterstreicht.
Was das für GGL-Casinos heißt
Deutsche Casinos mit GGL-Lizenz können von der Stabilität des hiesigen Systems profitieren, solange die Steuerlast verhältnismäßig bleibt. Die Vorgänge in Großbritannien dienen als Warnung, dass übermäßige Steuererhöhungen wie der Sprung auf 40 Prozent die legale Kanalisierung gefährden können. Anbieter wie Betfred oder William Hill müssen ihre Geschäftsmodelle radikal digitalisieren, um die Verluste im stationären Bereich auszugleichen. Für den deutschen Markt bedeutet dies, dass internationale Konzerne ihren Fokus noch stärker auf regulierte Online-Märkte legen könnten, was den Wettbewerb um deutsche Lizenzen verschärfen dürfte. Deutsche Betreiber müssen sich darauf einstellen, dass regulatorischer Druck oft mit fiskalischen Begehrlichkeiten einhergeht.
Häufige Fragen
Warum schließt Betfred so viele Wettbüros in Großbritannien?
Betfred schließt 132 Filialen aufgrund massiver Steuererhöhungen, insbesondere der Anhebung der Remote Gaming Duty auf 40 Prozent. Diese steuerliche Belastung macht den Betrieb vieler stationärer Standorte unrentabel, was zum Verlust von 600 Arbeitsplätzen führt.
Was ist die Aim-to-Permit Regelung?
Die Aim-to-Permit Regel war eine Richtlinie, die britische Behörden dazu anhielt, Lizenzen für Wettbüros und Spielhallen eher zu bewilligen als abzulehnen. Premierminister Andy Burnham möchte diese Regel abschaffen, um Kommunen mehr Macht bei der Gestaltung ihrer Innenstädte zu geben.
Wie viele Wettbüros sind in Großbritannien in den letzten Jahren verschwunden?
In den letzten fünf Jahren wurden laut der Local Data Company rund 2.400 Wettbüros geschlossen. Dies entspricht etwa 30 Prozent des gesamten Bestandes im Land, womit die Branche nach Banken den zweithöchsten Rückgang verzeichnet.
Sind deutsche Spieler von den Änderungen in Großbritannien betroffen?
Nein, deutsche Spieler unterliegen den Regeln des GlüStV 2021 und der Aufsicht durch die GGL. Die Entwicklungen zeigen jedoch, dass staatliche Eingriffe und Steuern die Verfügbarkeit von legalen Angeboten massiv beeinflussen können, was die Wichtigkeit lizenzierter deutscher Casinos betont.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
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