Europarat plant schärfere Regeln für Sportwetten nach der Fußball-WM 2026

Nach der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 bereitet der Europarat eine Verschärfung der Regulierung von Sportwetten und Prognosemärkten vor. Alain Berset, Generalsekretär des Europarates, äußerte Bedenken bezüglich der Integrität des Sports.
Nach der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 plant der Europarat, die Zügel für Sportwetten fester anzuziehen. Das Turnier, das gestern, am 19. Juli, endete, war erneut ein bedeutender Treiber für die internationale Wettbranche. Spanien besiegte Argentinien mit 1:0 und holte den zweiten Weltcup-Titel. Die Intensität der Wetten hat währenddessen neue Ausmaße angenommen. Die Verantwortlichen schauen besorgt auf die Entwicklungen.
Alain Berset, Generalsekretär des Europarates, äußerte vor dem Anpfiff deutliche Bedenken. Er sieht besonders das Wetten auf kleinste Spielereignisse kritisch. Dazu gehören Wetten auf jeden Pass, jede Karte oder jede Ecke. Auch das ist eine Form des Glücksspiels. Der Europarat will hier handeln.
Zahlen und Fakten
Alain Berset sieht die Wettbranche als "offenes Tor für Betrug". Er stellte fest, dass die Weltmeisterschaft dieses Tor weiter geöffnet habe. Zum ersten Mal begrüßte die FIFA einen Prognosemarkt als offiziellen Partner direkt in den Stadien. Im Mai ging FIFA eine Partnerschaft mit ADI Predictstreet ein. Diese Prognoseplattform ist in Gibraltar lizenziert und basiert auf der ADI Chain. Die ADI Chain ist eine Blockchain-Lösung der in den VAE ansässigen ADI Foundation. Als Partner war die Marke ADI Predictstreet während der Weltmeisterschaft in den Stadien sichtbar. Später wurde Kalshi, ein globaler Prognosegigant mit einem Wert von 22 Milliarden US-Dollar, ebenfalls Partner. Dessen Markenpräsenz war daraufhin ebenso in den Stadien zu sehen.
Gibraltar etabliert sich zunehmend als Knotenpunkt für diesen neuen Sektor. Das britische Überseegebiet hat bereits zwei Unternehmen lizenziert: ADI Predictstreet und kürzlich WagerWire. Erst letzte Woche führte Gibraltar als erste Jurisdiktion einen speziellen Rechtsrahmen für Prognosemärkte ein. Allerdings gibt es viele Bedenken hinsichtlich der Integrität, insbesondere bei den angebotenen politischen Märkten. Diese Bedenken hat der Europarat auch im Sportbereich aufgegriffen. Berset forderte die FIFA auf, eine "dritte Halbzeit" zu starten. Das Ziel ist, den Integritätsrahmen für die Weltmeisterschaft 2030 bereits vor deren Austragung zu gestalten.
Hintergrund
Der Europarat hat in der Vergangenheit bereits Maßnahmen gegen unerlaubtes Glücksspiel ergriffen. Alain Bersets Einschätzung der Branche ist äußerst kritisch. Er wies auch auf politischen Einfluss während des Turniers hin. Dabei spielte er auf einen Anruf von US-Präsident Donald Trump bei FIFA-Präsident Gianni Infantino an. Es ging um eine Rote Karte für Folarin Balogun. Diese hätte Balogun vom Spiel der Gastgeber gegen Belgien ausgeschlossen, das sie später 4:1 verloren. Abgesehen von der Politik sollte die Wettbranche die Worte Bersets ernst nehmen.
Der Europarat ist eine von der Europäischen Union getrennte internationale Körperschaft. Seine Aufgabe ist die Wahrung der europäischen Rechtsstaatlichkeit. Die bedeutendste Aktion des Europarats im Bereich Sportwetten war die Annahme der Konvention zur Manipulation von Sportwettbewerben im Jahr 2019. Diese ist besser bekannt als Macolin-Konvention. 43 Staaten haben die Konvention inzwischen angenommen. Sie gilt als eines der robustesten Regelwerke zur Verhinderung von Spielmanipulation und zum Schutz der sportlichen Integrität.
„Das Wetten hat sich vom Spielergebnis auf Momente verlagert, die ein einzelner Spieler produzieren kann, ohne die Tordifferenz zu ändern. Es ist ein offenes Tor für Betrug. Und diese Weltmeisterschaft hat das Tor weiter aufgestoßen.“ - Alain Berset, Generalsekretär des Europarates
Mit dem Abpfiff der Weltmeisterschaft 2026 will Berset nun, dass der Europarat und andere Akteure "die dritte Halbzeit eröffnen" und die dringende Arbeit zur Stärkung der Integrität des Sports angehen.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler bedeutet diese Entwicklung eine fortgesetzte Stärkung des Spielerschutzes und der Integrität im Sportwettenbereich. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) hat in Deutschland bereits strenge Regeln etabliert. Diese umfassen ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro, das über das zentrale Sperrsystem LUGAS überwacht wird. Auch das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Online-Slots gehört dazu. Diese existierenden Maßnahmen zielen darauf ab, Glücksspielsucht vorzubeugen. Anbieter auf der Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) sind an diese Vorgaben gebunden. Sie bieten ein reguliertes und sicheres Spielumfeld.
Die Bestrebungen des Europarates könnten zusätzliche Impulse für eine noch striktere Regulierung von Sportwetten geben. Insbesondere die Bedenken hinsichtlich der Prognosemärkte sind relevant. Sie könnten dazu führen, dass solche Angebote in Deutschland genauer geprüft oder eingeschränkt werden. Deutsche Spieler sollten daher weiterhin ausschließlich bei GGL-lizenzierten Anbietern spielen. Nur so ist sichergestellt, dass die strengen deutschen Schutzmaßnahmen eingehalten werden. Auch international wird der Druck auf die Betreiber steigen. Die GGL wird die Entwicklungen auf europäischer Ebene sicherlich genau beobachten. Dies könnte sogar zu Anpassungen der Spielersperrsysteme führen. Das alles dient dem Spielerschutz.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für GGL-lizenzierte Casinos und Sportwettenanbieter in Deutschland bedeuten die Pläne des Europarates möglicherweise weitere Anpassungen. Die strengen Regeln des GlüStV 2021 haben bereits eine hohe Messlatte gelegt. Eine Vertiefung der internationalen Zusammenarbeit im Rahmen der Macolin-Konvention könnte jedoch zu harmonisierten Standards führen. Das betrifft zum Beispiel die Prävention von Spielmanipulation in ganz Europa. Deutsche Anbieter sind bereits gut aufgestellt, da sie strenge Compliance-Vorschriften erfüllen müssen. Sie unterliegen der Aufsicht durch LUGAS.
Es ist denkbar, dass künftige Regulierungen einen noch stärkeren Fokus auf die Überwachung von Micro-Wetten legen werden. Also Wetten auf sehr spezifische Ereignisse innerhalb eines Spiels. Für GGL-Casinos bedeutet dies, ihre internen Kontrollsysteme weiter zu optimieren. Sie müssen schnell auf neue Vorgaben reagieren können. Eine engere Zusammenarbeit der Aufsichtsbehörden könnte auch den Informationsaustausch über auffällige Wettmuster verbessern. Das würde der Glaubwürdigkeit des Sportes dienen. So könnten Anbieter nicht nur ihre eigene Integrität wahren, sondern auch zur Sicherheit des gesamten Marktes beitragen. Betrüger hätten es dann noch schwerer.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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