Portugal vor dem Durchbruch: Pedro Miguel Garcia über GGR-Wachstum und Live Casino
KI-GENERIERTDer portugiesische Glücksspielmarkt wandelt sich rasant. Pedro Miguel Garcia erklärt, warum Online-Casinos bereits 63 Prozent des Bruttospielertrags ausmachen.
Portugal gilt in Europa als Paradebeispiel für einen reifen, regulierten Glücksspielmarkt, der dennoch erhebliche Wachstumspotenziale birgt. Pedro Miguel Garcia, der als Country Manager für BacanaPlay die Geschicke in Lissabon leitet, sieht die Zukunft der Branche vor allem in der technologischen Evolution. Während in den vergangenen Jahren vor allem der Markteintritt neuer Betreiber für Dynamik sorgte, wird sich der Fokus im Zeitraum bis 2029 massiv verschieben. Es geht nicht mehr primär um die schiere Anzahl der Spieler, sondern um die Qualität und Tiefe des Angebots.
Die aktuelle Marktsituation zeigt eine deutliche Verschiebung der Präferenzen. Spieler suchen heute nach Unterhaltung, die über das klassische Knöpfchendrücken hinausgeht. Hierbei spielen soziale Interaktionen und immersive Erlebnisse eine Schlüsselrolle. Portugal steht an einer Schwelle, an der die regulatorischen Rahmenbedingungen mit den technologischen Möglichkeiten der Anbieter Schritt halten müssen, um die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber illegalen Plattformen zu sichern.
Zahlen und Fakten
Die wirtschaftliche Bedeutung des Casinosegments in Portugal ist immens. Laut Garcia entfallen derzeit rund 63 Prozent des gesamten Online-Bruttospielertrags (Gross Gaming Revenue, GGR) auf den Casinobereich. Die Sportwetten, die traditionell oft als Zugpferd galten, machen lediglich noch 37 Prozent aus. Dieser Trend zu Casino-Produkten ist typisch für reife Märkte. Ein interessantes Detail ist die Besteuerung: Während Online-Casinos auf Basis des GGR besteuert werden, basiert die Steuer bei Sportwetten auf dem Umsatz (Turnover). Dies schafft völlig unterschiedliche wirtschaftliche Dynamiken und zwingt Betreiber dazu, bei der Akquise von Sportwetten-Kunden deutlich kalkulierter vorzugehen.
Ein weiteres Thema sind die steigenden Zahlen bei den Selbstausschlüssen. Garcia warnt davor, dies vorschnell als Zeichen für problematisches Spielverhalten zu werten. Vielmehr sei es ein Beleg für die bessere Zugänglichkeit von Spielerschutz-Tools und eine höhere Sensibilisierung der Konsumenten. Die Anbieter haben proaktiv daran gearbeitet, diese Werkzeuge in den Fokus zu rücken. Dennoch bleibt der Schwarzmarkt eine Bedrohung, den die portugiesische Wirtschaftsministerin jüngst als Plage bezeichnet hat.
Hintergrund
Der portugiesische Markt unterscheidet sich in Details stark von anderen EU-Staaten. Ein Beispiel ist die Cash-Out-Funktion bei Sportwetten, die regulatorisch anders umgesetzt werden muss als im restlichen Europa. Garcia betont, dass lokales Wissen entscheidend ist. Man könne nicht einfach ein Erfolgsmodell aus einem anderen Land kopieren. Die Herausforderung für die Jahre 2026 und 2027 wird sein, Produkte wie Live Casino zu integrieren, sobald der gesetzliche Rahmen dies zulässt. Solche interaktiven Formate könnten eine völlig neue Zielgruppe ansprechen.
„Das größte Potenzial liegt weniger in der Ausweitung der Spielerzahl, sondern vielmehr in der Erweiterung dessen, was lizenzierte Betreiber ihnen anbieten dürfen - unter Einhaltung strenger Standards für den Spielerschutz." - Pedro Miguel Garcia, Country Manager Portugal bei BacanaPlay
Die Balance zwischen kommerziellem Wachstum und strengen Auflagen ist ein Drahtseilakt. Wenn die Regulierung zu restriktiv wird, riskieren die Behörden eine Abwanderung der Spieler zu unlizenzierten Anbietern. Diese zahlen keine Steuern und halten sich an keinerlei Standards. Daher ist die Kanalisierungsquote das wichtigste Kriterium für einen gesunden Markt.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Kunden, die bei Anbietern mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) spielen, bietet die portugiesische Entwicklung interessante Vergleichswerte. In Deutschland regelt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) den Markt sehr strikt. Ähnlich wie in Portugal wird in Deutschland streng auf den Spielerschutz geachtet, etwa durch das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über das LUGAS-System und das Einsatzlimit von einem Euro pro Spielrunde an Slots.
Deutsche Spieler profitieren von der Rechtssicherheit einer GGL-Lizenz, die auf der sogenannten Whitelist einsehbar ist. Während Portugal über die Einführung von Live Casino nachdenkt, sind solche Angebote in deutschen Online-Spielotheken derzeit durch den Staatsvertrag für virtuelle Automatenspiele untersagt beziehungsweise den Ländern für Tischspiele vorbehalten. Der Fokus auf Spielerschutz, den Garcia betont, ist auch in Deutschland zentrales Element der Regulierung. Ein sicheres Umfeld gibt es nur dort, wo die Aufsicht aktiv eingreift und illegale Angebote konsequent blockiert.
Was das für GGL-Casinos heißt
Deutsche Betreiber mit GGL-Lizenz müssen den Spagat zwischen Innovation und Konformität meistern. Die Erfahrungen aus Portugal zeigen, dass Cross-Selling zwischen Sportwetten und Casino ein kritischer Erfolgsfaktor ist. Da in Deutschland die steuerlichen und regulatorischen Hürden hoch sind, müssen Anbieter ihre Strategien zur Kundenbindung verfeinern. Innovationen im Bereich Crash Games oder neue Spielformate, die innerhalb des 1-Euro-Limits funktionieren, sind gefragt. Wer sich strikt an die Whitelist-Vorgaben hält, schützt nicht nur seine Lizenz, sondern baut auch langfristiges Vertrauen bei einer Zielgruppe auf, die zunehmend Wert auf Sicherheit und verantwortungsbewusstes Spielen legt.
Häufige Fragen
Wie hoch ist der Anteil von Online-Casinos am Markt in Portugal?
Online-Casinos machen derzeit etwa 63 Prozent des gesamten Online-Bruttospielertrags (GGR) in Portugal aus. Die restlichen 37 Prozent entfallen auf den Bereich der Sportwetten.
Welche neuen Spielformen werden in Portugal populär?
Besonders sogenannte Crash Games gewinnen an Bedeutung, auch wenn sie noch nicht die Popularität wie in Märkten wie Brasilien erreicht haben. Experten sehen zudem großes Potenzial in der künftigen Einführung von Live Casinos.
Warum steigen die Zahlen der Selbstausschlüsse in Portugal an?
Laut Pedro Miguel Garcia liegt dies primär an einer besseren Aufklärung und der leichteren Zugänglichkeit von Spielerschutz-Tools. Es ist eher ein Zeichen für ein gewachsenes Bewusstsein als für eine Zunahme von problematischem Spielverhalten.
Was ist der Hauptunterschied bei der Besteuerung in Portugal?
In Portugal werden Sportwetten auf Basis des Umsatzes (Turnover) besteuert. Im Gegensatz dazu wird die Steuer für Online-Casinos auf Grundlage des Bruttospielertrags (GGR) berechnet.
Gilt die portugiesische Lizenz auch für Spieler in Deutschland?
Nein, Spieler in Deutschland sollten ausschließlich bei Anbietern mit einer Lizenz der GGL spielen, die auf der offiziellen Whitelist stehen. Eine portugiesische Lizenz bietet für deutsche Nutzer nicht den rechtlichen Schutz des deutschen Glücksspielstaatsvertrags.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
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