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Entain vor Abstieg aus dem FTSE 100: Glücksspielriese unter Druck

28. August 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Entain vor Abstieg aus dem FTSE 100: Glücksspielriese unter DruckKI-GENERIERT

Analysten erwarten die Herabstufung von Entain in den FTSE 250 Index nach einem massiven Kursrutsch der Aktie um rund 42 Prozent gegenüber dem Vorjahreshoch.

Die City-Analysten in London sind sich weitgehend einig. Der Glücksspielgigant Entain, Mutterkonzern bekannter Marken wie Ladbrokes und Coral, wird voraussichtlich seinen Platz im prestigeträchtigen FTSE 100 verlieren. Im Zuge der quartalsweisen Überprüfung des FTSE UK Index durch den Anbieter FTSE Russell steht eine Herabstufung in den FTSE 250 Index bevor. Neben Entain gilt auch der Wohnungsbauer Persimmon als Wackelkandidat für den Verbleib in der obersten Börsenliga des Vereinigten Königreichs. Diese Entwicklung kommt nicht überraschend, sondern folgt einem langen Abwärtstrend der Bewertung.

Die Aktie des Unternehmens hat in den letzten zwölf Monaten stark gelitten. Der aktuelle Kurs von etwa 530 Pence markiert einen dramatischen Rückgang gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 916 Pence. Seit Ende 2025, als das Papier noch bei rund 767 Pence notierte, verlor die Aktie fast 30 Prozent an Wert. Investoren zeigen sich besorgt über die allgemeine Lage europäischer Glücksspielunternehmen, die sich mit immer höheren Steuerlasten und strengeren Regeln konfrontiert sehen. In diesem Umfeld fordern Aktionäre verstärkt Kostendisziplin und eine klare Fokussierung auf die Profitabilität statt auf reines Wachstum.

Zahlen und Fakten

Trotz der negativen Stimmung an der Börse konnte Entain im operativen Geschäft durchaus Achtungserfolge erzielen. Der Nettospielertrag (Net Gaming Revenue, NGR) aus laufenden Geschäften stieg im ersten Halbjahr um 7 Prozent auf stolze 2,55 Milliarden Britische Pfund. Auf währungsbereinigter Basis entspricht dies einem Wachstum von 5 Prozent. Besonders stark zeigten sich die Märkte in Australien und Spanien mit Zuwächsen von 13 beziehungsweise 28 Prozent. Auch die FIFA-Weltmeisterschaft im Sommer 2026 kurbelte das Geschäft bei den Marken im Vereinigten Königreich und in Irland kräftig an. Dennoch schlug sich dieses Umsatzplus nicht in den Gewinnen nieder.

Das bereinigte EBITDA der Gruppe sank um 2 Prozent auf 479,3 Millionen Pfund. Der operative Gewinn fiel sogar um 10 Prozent von 352 Millionen auf 318 Millionen Pfund. Der Grund für diese Diskrepanz liegt vor allem in der massiven Steuerlast. Allein im Berichtszeitraum verdreifachten sich die Steuerzahlungen auf 90 Millionen Pfund. Entain kämpft zudem mit den Folgen früherer Fehltritte. Ein Vergleich mit der britischen Steuerbehörde HMRC und der Staatsanwaltschaft über 615 Millionen Pfund im Zusammenhang mit dem ehemaligen Türkeigeschäft belastet die Bilanz noch immer schwer.

„Entain und der Wohnungsbauer Persimmon gelten als die zwei Unternehmen, die am wahrscheinlichsten den Blue-Chip-Index verlassen müssen, wenn FTSE Russell sein neuestes Ranking der britischen börsennotierten Unternehmen nach Marktkapitalisierung abschließt.“ - Unbenannter Analyst, Bericht von SBC News

Hintergrund

Entain war seit Juni 2020 ein fester Bestandteil des FTSE 100. Damals firmierte die Gruppe noch unter dem Namen GVC Holdings. Der Aufstieg in die Elite der britischen Unternehmen war die Folge einer massiven Expansionsstrategie, die unter anderem die 4 Milliarden Pfund teure Übernahme von Ladbrokes Coral im Jahr 2018 beinhaltete. Dieser Deal löste eine Welle von Fusionen und Übernahmen in der globalen Glücksspielbranche aus. Doch der Wind hat sich gedreht. Während das Unternehmen 2025 noch einen statutorischen Verlust von 681 Millionen Pfund verbuchte, hofft die Konzernchefin Stella David nun auf eine Stabilisierung.

Die aktuelle Unternehmensführung hält an ihren Zielen für das Gesamtjahr 2026 fest. Man strebt ein Online-NGR-Wachstum von 5 bis 7 Prozent an und erwartet ein bereinigtes Konzern-EBITDA zwischen 910 Millionen und 960 Millionen Pfund. Ein zentraler Punkt der Strategie ist es, etwa 25 Prozent der Auswirkungen der erhöhten britischen Online-Glücksspielsteuer abzufedern. Die Steuer für Fernspielglücksspiel (Remote Gaming Duty) stieg dort im April von 21 auf 40 Prozent, was die Margen massiv drückt. Ähnliche fiskalische Herausforderungen sieht Entain auch in Märkten wie den Niederlanden, Frankreich und Deutschland.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für Spieler in Deutschland ist die Entwicklung bei Entain ein deutliches Signal für die Konsolidierung des Marktes. Entain operiert hierzulande mit Lizenzen der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) für Marken wie bwin und Ladbrokes. Die strengen Regeln des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GlüStV 2021), darunter das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über das LUGAS-System und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten, erschweren es großen Konzernen, hohe Margen zu erzielen.

Die finanziellen Nöte eines Mutterkonzerns an der Börse bedeuten für die Spieler in Deutschland zunächst keine unmittelbare Gefahr für ihre Guthaben, da lizenzierte Anbieter zur Trennung von Spielergeldern und Unternehmenskapital verpflichtet sind. Allerdings könnte der wirtschaftliche Druck dazu führen, dass Bonusprogramme gestrafft oder Marketingausgaben reduziert werden. Spieler sollten daher verstärkt darauf achten, nur bei Anbietern zu spielen, die auf der offiziellen White-List der GGL stehen, da nur dort die strengen deutschen Spielerschutzstandards und die finanzielle Aufsicht garantiert sind. Der Fall Entain zeigt, dass selbst globale Riesen nicht immun gegen die hohen Kosten der Regulierung und Besteuerung in Europa sind.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Casinos mit GGL-Lizenz verdeutlicht die Situation von Entain das schwierige Gleichgewicht zwischen legalem Angebot und wirtschaftlicher Tragfähigkeit. Die Steuerlast in Deutschland ist im internationalen Vergleich hoch, was die Profitabilität schmälert. Wenn ein Branchenprimus wie Entain an der Börse abgestraft wird, könnte dies auch andere lizenzierte Anbieter dazu veranlassen, ihre Strategien in Deutschland zu überdenken. Ein Rückzug oder eine Verkleinerung des Angebots legaler Anbieter könnte wiederum den Schwarzmarkt stärken, was die GGL verhindern möchte. Es bleibt abzuwarten, ob die Regulierungsbehörden auf den wirtschaftlichen Druck reagieren oder ob die Konsolidierung zu einer geringeren Anzahl an Anbietern auf dem deutschen Markt führt.

Häufige Fragen

Warum wird Entain aus dem FTSE 100 Index entfernt?

Grund ist der starke Rückgang der Marktkapitalisierung. Die Aktie verlor gegenüber dem 52-Wochen-Hoch rund 42 Prozent an Wert, weshalb das Unternehmen bei der Neubewertung durch FTSE Russell voraussichtlich in den FTSE 250 abgestuft wird.

Wie hat sich der Umsatz von Entain im Jahr 2026 entwickelt?

Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Nettospielertrag (NGR) um 7 Prozent auf 2,55 Milliarden Britische Pfund. Trotz dieses Wachstums sank der bereinigte operative Gewinn aufgrund hoher Steuern und regulatorischer Kosten um 10 Prozent.

Welchen Einfluss haben Steuern auf das Geschäft von Entain?

Besonders die Erhöhung der britischen Remote Gaming Duty von 21 auf 40 Prozent im April belastet das Ergebnis massiv. In der ersten Jahreshälfte 2026 verdreifachte sich die Steuerlast des Konzerns auf insgesamt 90 Millionen Pfund.

Sind meine Gelder bei Entain-Marken wie bwin sicher?

Ja, da Entain über Lizenzen der GGL verfügt, müssen Spielergelder getrennt vom restlichen Unternehmensvermögen verwahrt werden. Deutsche Spieler profitieren vom Schutz des Glücksspielstaatsvertrags 2021, der auch bei wirtschaftlichen Turbulenzen des Mutterkonzerns greift.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

Erwähnte Unternehmen:Entain

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