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Regulierung

Prognosemärkte im Visier: New York streitet über Steuern und Regulierung

19. August 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung: 19. August 2026
Prognosemärkte im Visier: New York streitet über Steuern und RegulierungKI-GENERIERT

Experten debattieren in den USA über die Besteuerung von Anbietern wie Kalshi, während New York in einem Rechtsstreit eine Rekordsumme von 36 Milliarden US-Dollar fordert.

TL;DR · Das Wichtigste auf einen Blick

In New York eskaliert der Streit um die rechtliche Einordnung von Prognosemärkten, die Wetten auf politische und sportliche Ereignisse anbieten. Während der Bundesstaat gegen Kalshi auf 36 Milliarden US-Dollar klagt, fordern Experten eine klare Regulierung und Besteuerung nach Vorbild der Sportwetten. Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) intervenierte zuletzt mit Notfallbefugnissen, um Kalshi vor rechtlichen Folgen im Bundesstaat zu schützen. Die Debatte verdeutlicht den globalen Trend, digitale Wettplattformen stärker in staatliche Fiskalsysteme einzubinden.

Die Debatte um die Regulierung und Besteuerung von Prognosemärkten hat im August 2026 einen neuen Höhepunkt erreicht. Im Zentrum steht der juristische Kampf zwischen staatlich regulierten Plattformen, die Verträge auf Sportereignisse anbieten, und US-Bundesstaaten, die diese Börsen als illegale Glücksspielanbieter einstufen. Insbesondere in New York wird die Situation brisant, da der Staat in einer Klage gegen den Anbieter Kalshi eine Summe von 36 Milliarden US-Dollar fordert. Experten diskutierten die Auswirkungen dieser Entwicklung auf der Racing and Gaming Conference in Saratoga Springs, wobei deutlich wurde, dass die Grenze zwischen Finanzmarktprodukt und Glücksspiel zunehmend verschwimmt.

Die ehemalige Regierungsmitarbeiterin Katie Neer, die unter Ex-Gouverneur Andrew Cuomo tätig war, plädiert offen für eine Besteuerung dieser Märkte. Sie vermutet, dass New York bisher gezögert hat, um die Aktivitäten nicht zu legitimieren, solange massive Rechtsstreitigkeiten anhängig sind. Neer betonte jedoch, dass der Staat anfangen sollte, Steuereinnahmen zu generieren, statt das Feld illegalen oder unregulierten Akteuren zu überlassen. Diese Haltung spiegelt einen breiteren Trend wider, bei dem Regierungen versuchen, den digitalen Wandel im Glücksspielsektor finanziell für das Gemeinwohl nutzbar zu machen, etwa für Bildung und Suchtprävention.

Zahlen und Fakten

Vor der Einreichung der Klage hatte Kalshi dem Staat New York eine Steuer von 6 Prozent auf seine Handelsaktivitäten vorgeschlagen. Das Unternehmen prognostizierte dadurch Einnahmen von etwa 10 Milliarden US-Dollar über einen Zeitraum von fünf Jahren. Chelsea Davis, stellvertretende Sekretärin für Glücksspiel unter Gouverneurin Kathy Hochul, bewertete dieses Angebot jedoch skeptisch. Sie verwies darauf, dass lizensierte Sportwettenanbieter in New York eine Steuer von 51 Prozent auf ihre Bruttospielerträge zahlen müssen. Davis unterstrich zudem das moralische Dilemma, Geld aus Aktivitäten anzunehmen, die derzeit als illegal eingestuft werden, und zog Vergleiche zur kontrollierten Legalisierung von Marihuana.

Ein weiterer kritischer Punkt ist der Verbraucherschutz. Laut Katie Neer stammen große Teile des Handelsvolumens auf Plattformen wie Kalshi oder Polymarket von professionellen Super-Forecastern, die Märkte aktiv bewegen können. Dies sei kein reines Unterhaltungsangebot mit kleinen Einsätzen. Für die restlichen 20 bis 30 Prozent der Nutzer, die ihr Geld in diese Geschäfte investieren, forderte sie ein Mindestmaß an staatlichem Schutz. Währenddessen versucht die CFTC unter dem Vorsitz von Michael Selig, durch neue Regeln die Integrität der Märkte sicherzustellen, während Rechtsexperten wie Dan Ullman davon ausgehen, dass letztlich der US Supreme Court über die Einstufung entscheiden muss.

Hintergrund

Interessanterweise rückt auch der Pferderennsport in den Fokus. Während Prognosemärkte bei den meisten Sportarten aktiv sind, hielten sie sich beim Rennsport aufgrund spezifischer Bundesgesetze zurück. Polymarket bot kurzzeitig Verträge für das Kentucky Derby an, zog diese aber nach einer Aufforderung von Churchill Downs zurück. Experten wie der Anwalt William Gotimer sehen in Prognosemärkten dennoch eine Chance für den Sport. Da Pferderennen oft komplizierter als einfache Sieg- oder Niederlage-Wetten bei F1 oder NASCAR sind, könnten Prognosemärkte Nischen besetzen, etwa Wetten auf Auszeichnungen wie den Eclipse Award oder den erfolgreichsten Jockey einer Saison.

Parallel dazu gibt es in Europa Bestrebungen, die Fragmentierung der Glücksspielsteuern zu beheben. Victor Negrescu, Vizepräsident des Europäischen Parlaments, schlug eine koordinierte EU-Abgabe von 1 Prozent auf die Bruttospielerträge (Gross Gaming Revenue, GGR) vor. Dies könnte jährlich zwischen 2 und 4 Milliarden Euro für Bildung und Jugendpolitik generieren. Kritiker wie Claus Hambach warnen jedoch, dass eine zu hohe steuerliche Belastung, wie sie in Deutschland bereits besteht, die Kanalisierungsrate gefährdet und Spieler zurück in den Schwarzmarkt treiben könnte. In Deutschland werden Online-Slots und Poker bereits auf Basis des Spieleinsatzes und nicht des Ertrags besteuert, was die Wirtschaftlichkeit stark beeinflusst.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler bleibt die Rechtslage durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) streng definiert. Prognosemärkte, wie sie in den USA diskutiert werden, fallen in Deutschland oft unter die Kategorie der Sportwetten oder benötigen eine gesonderte Zulassung durch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Deutsche Nutzer sollten beachten, dass nur Anbieter auf der offiziellen GGL-Whitelist legal agieren dürfen. Dort sind auch die strengen Spielerschutzregeln verankert, wie das monatliche anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro, das über das LUGAS-System überwacht wird.

Ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei virtuellen Automatenspielen und die Pflicht zur Identitätsprüfung sind in Deutschland Standard. Anbieter, die diese Regeln nicht befolgen oder keine deutsche Lizenz besitzen, gelten als illegal. Der Schutz vor Spielsucht hat oberste Priorität, weshalb auch Marketing und Bonusangebote streng reguliert sind. Wer auf unregulierten Plattformen spielt, verzichtet auf jegliche Rechtssicherheit bei Gewinnauszahlungen und setzt sich dem Risiko des Datenmissbrauchs aus.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Betreiber mit einer GGL-Lizenz bedeutet die internationale Debatte um Prognosemärkte und neue Steuermodelle eine fortwährende Herausforderung. Sie müssen bereits jetzt hohe Steuersätze verkraften und gleichzeitig mit dem illegalen Schwarzmarkt konkurrieren, der sich nicht an Einsatzlimits oder LUGAS-Meldungen hält. Die Diskussion um eine harmonisierte EU-Steuer könnte langfristig zwar für mehr Fairness sorgen, birgt aber das Risiko, dass die bereits hoch belasteten deutschen Anbieter zusätzlich zur Kasse gebeten werden. Vertrauen und Authentizität sind hierbei die wichtigsten Währungen. Wie Itai Pazner, ehemaliger CEO der 888 Holdings, betont:

„Ich würde sagen, an erster Stelle steht die Authentizität des Produkts und die Tatsache, dass der Betreiber fair und verantwortungsbewusst handelt.“ - Itai Pazner, Consultant und ehemaliger CEO von 888 Holdings

Kurz & Knapp

  • New York fordert 36 Milliarden US-Dollar in einer Klage gegen den Prognosemarkt-Betreiber Kalshi.
  • Kalshi schlug eine 6-prozentige Steuer vor, um 10 Milliarden US-Dollar Einnahmen zu generieren.
  • Sportwettenanbieter zahlen in New York derzeit einen Steuersatz von 51 Prozent auf ihre Erträge.
  • In der EU wird eine 1-prozentige Abgabe zur Finanzierung von Bildungsprogrammen in Höhe von 28 Milliarden Euro diskutiert.
  • Die CFTC unter Michael Selig intervenierte zum Schutz von Kalshi mit regulatorischen Notfallbefugnissen.

Häufige Fragen

Was ist ein Prognosemarkt im Glücksspielkontext?

Ein Prognosemarkt ermöglicht es Nutzern, Anteile an bestimmten Ausgängen von Ereignissen zu kaufen, etwa Wahlen oder Sportevents. In New York wird derzeit gestritten, ob diese Plattformen wie Kalshi als Sportwettenanbieter reguliert und besteuert werden müssen.

Warum fordert New York 36 Milliarden US-Dollar von Kalshi?

Der Bundesstaat New York sieht in den Aktivitäten des Betreibers illegales Glücksspiel. Die hohe Summe ergibt sich aus einer Klage, die den Betrieb ohne die für Sportwetten üblichen Lizenzen und Steuern ahnden soll.

Wie hoch ist die Steuerlast für Sportwetten in New York?

Lizensierte Sportwettenanbieter müssen in New York 51 Prozent ihres Bruttospielertrags (GGR) an den Staat abführen. Prognosemarkt-Betreiber wie Kalshi hatten lediglich eine Steuer von 6 Prozent auf Handelsumsätze vorgeschlagen.

Welche Rolle spielt die CFTC in diesem Streit?

Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) hat Notfallbefugnisse genutzt, um Kalshi vor rechtlichen Konsequenzen in New York zu schützen. Sie prüft zudem neue Regeln, um die Integrität und Fairness auf solchen Handelsplattformen sicherzustellen.

Was bedeutet diese Entwicklung für Spieler in Deutschland?

In Deutschland ist das Angebot von Online-Glücksspiel streng durch den GlüStV 2021 geregelt. Spieler sollten nur auf Anbietern der GGL-Whitelist wetten, um von Schutzmaßnahmen wie dem 1.000 Euro Einzahlungslimit und legaler Absicherung zu profitieren.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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