Insiderhandel bei Prognosemärkten: US-Behörden weiten Ermittlungen massiv aus
KI-GENERIERTUS-Staatsanwälte und die CFTC untersuchen neue Fälle von Insiderhandel auf Plattformen wie Polymarket, bei denen Soldaten und Analysten Gewinne von über 1 Million Dollar erzielt haben sollen.
Die Welt der Prognosemärkte, in der Nutzer auf den Ausgang realer Ereignisse wetten, steht vor einem juristischen Beben. US-Bundesstaatsanwälte in Manhattan und Washington bereiten gemeinsam mit der Handelsaufsicht Commodity Futures Trading Commission (CFTC) eine neue Welle von Anklagen wegen Insiderhandels vor. Während diese Märkte lange als Nischenprodukt für Krypto-Enthusiasten galten, haben die massiven Handelsvolumina bei geopolitischen Krisen und Wahlen die Aufmerksamkeit der höchsten Strafverfolgungsbehörden geweckt. Die Ermittlungen betreffen nun nicht mehr nur isolierte Einzelfälle, sondern systematisches Ausnutzen von Dienstgeheimnissen.
Besonders brisant sind die neuen Fälle, da sie direkt in das Herz staatlicher Sicherheitsstrukturen führen. Ein US-Soldat steht unter Verdacht, über eine Million Dollar auf der Plattform Polymarket verdient zu haben, indem er auf militärische Schläge im Iran und in Venezüla setzte. Da solche Verträge auf regulierten US-Plattformen wie Kalshi verboten sind, wich der Verdächtige offenbar auf die internationale Plattform von Polymarket aus, die für US-Bürger eigentlich gesperrt sein sollte. Dies wirft dringende Fragen zur Wirksamkeit von Geofencing und den Kontrollmechanismen der Anbieter auf.
Zahlen und Fakten
Die Dimensionen der mutmaßlichen Delikte sind beeindruckend. Im Fall des Software-Ingenieurs Michele Spagnuolo von Google geht es um rund 1,2 Millionen Dollar, die er durch Wetten auf die meistgesuchten Personen des Jahres 2025 erzielt haben soll. Ein anderer Fall betrifft den US-Soldaten Gannon Ken Van Dyke, der mit Informationen über den möglichen Sturz des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro über 400.000 Dollar profitierte. Auch im politischen Sektor gibt es Unregelmäßigkeiten: Gabriel Perez, ein ehemaliger Teleprompter-Bediener im Weißen Haus, soll durch Vorabkenntnisse über Reden von Donald Trump mehr als 100.000 Dollar auf Kalshi-Kontrakte gesetzt haben.
„Polymarket hat sich zu einem illegalen Markt für den Verkauf und die Ausnutzung von Geheimnissen der nationalen Sicherheit entwickelt, wie es ihn in der Geschichte noch nie gegeben hat.“ - Richard Blumenthal, Senator von Connecticut
Neben militärischen Geheimnissen rücken wirtschaftliche Daten in den Fokus. Ein Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG wird verdächtigt, nicht öffentliche Informationen genutzt zu haben, um auf das Schlagen von Analystenschätzungen bei Quartalszahlen zu wetten. Die Behörden prüfen hierbei, ob die klassischen Anti-Betrugs-Gesetze, die für Aktienmärkte gelten, eins zu eins auf Ereigniswetten übertragbar sind. Die Verteidiger der bereits angeklagten Personen bestreiten dies und argumentieren, dass es sich bei diesen Kontrakten rechtlich nicht um Swaps oder klassische Finanzderivate handelt.
Hintergrund
Der Aufstieg von Plattformen wie Polymarket und Kalshi hat eine neue Ära des Wettens eingeleitet. Während Kalshi in den USA registriert ist und strengen Auflagen unterliegt, agiert Polymarket primär im Krypto-Raum und ist offiziell für Nutzer aus den Vereinigten Staaten gesperrt. Dennoch zeigen die Ermittlungen, dass gerade Insider Wege finden, diese Sperren zu umgehen. Die Problematik verschärft sich durch die Geschwindigkeit der Märkte. So wettete der ehemalige Kongressabgeordnete George Santos angeblich auf sein eigenes Erscheinen bei einer Rede zur Lage der Nation, während er gleichzeitig auf sozialen Medien falsche Fährten legte.
Die rechtliche Debatte dreht sich vor allem um den Commodity Exchange Act. Die Staatsanwaltschaft muss beweisen, dass die Vorhersage-Kontrakte als Waren oder Swaps eingestuft werden können, um Insiderhandel strafrechtlich zu verfolgen. Sollten die Gerichte den Argumenten der Verteidigung folgen, dass diese Wetten lediglich private Verträge ohne Bezug zum klassischen Rohstoffhandel sind, könnte dies die gesamte regulatorische Strategie der USA zu Fall bringen. Dies würde den Weg für eine noch stärkere, spezifische Gesetzgebung durch den Kongress ebnen, wie sie bereits von Abgeordneten wie Ritchie Torres gefordert wird.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler ist die Situation eindeutig, aber auch einschränkend. Prognosemärkte wie Polymarket oder Kalshi verfügen über keine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Nach dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) sind in Deutschland nur Sportwetten und bestimmte Casinospiele erlaubt, die strengen Regeln unterliegen. Dazu gehören das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über alle Anbieter hinweg und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten. Wetten auf politische Ereignisse oder militärische Operationen sind nach deutschem Recht generell nicht als erlaubnisfähiges Glücksspiel eingestuft und somit illegal.
Wer von Deutschland aus auf solchen Plattformen agiert, bewegt sich im rechtlichen Graubereich oder verstößt direkt gegen das Verbot der Teilnahme an unerlaubtem Glücksspiel. Zudem bieten diese Plattformen keinen Schutz durch das Sperrsystem LUGAS oder die Spielersperrdatei OASIS. Die aktuellen Betrugsfälle in den USA zeigen zudem das enorme Risiko für Privatanleger auf diesen Märkten: Wenn Insider den Ausgang von Wetten durch Exklusivwissen bereits kennen, haben normale Spieler keine faire Gewinnchance. Deutsche Spieler sollten daher ausschließlich auf der offiziellen Whitelist der GGL geführte Anbieter nutzen, um rechtliche Sicherheit und Spielerschutz zu gewährleisten.
Was das für GGL-Casinos heißt
Lizenzierte deutsche Anbieter müssen diese Entwicklungen genau beobachten, da sie den Ruf der gesamten digitalen Wettbranche beeinflussen. Während GGL-Casinos und Wettanbieter durch strenge Identitätsprüfungen (KYC) und Geldwäscheprävention reguliert sind, ziehen unregulierte Prognosemärkte oft negative Schlagzeilen auf sich, die zu Rufen nach noch schärferen Gesetzen führen könnten. Für die deutschen Betreiber bedeutet dies, dass sie ihre Compliance-Standards als Qualitätsmerkmal hervorheben sollten. Die Integrität des Spiels, die bei Prognosemärkten aktuell massiv infrage steht, ist in Deutschland durch staatliche Aufsicht und technische Übermittlung an LUGAS abgesichert.
Häufige Fragen
Was ist Insiderhandel auf Prognosemärkten?
Insiderhandel tritt auf, wenn Personen Wetten auf den Ausgang von Ereignissen platzieren und dabei vertrauliche Informationen nutzen, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Beispiele hierfür sind Soldaten, die auf Militärschläge setzen, oder Mitarbeiter, die Quartalszahlen von Unternehmen vorab kennen.
Welche Plattformen sind von den US-Ermittlungen betroffen?
Im Fokus stehen primär die Krypto-Plattform Polymarket sowie die US-regulierte Plattform Kalshi. Die Behörden untersuchen Kontrakte zu Militäroperationen im Iran und Venezüla sowie Wetten auf Wirtschaftsdaten und politische Reden.
Wie hoch waren die Gewinne in den aktuellen Fällen?
Die mutmaßlichen Gewinne variieren stark: Ein US-Soldat soll über 1 Million Dollar verdient haben, ein Google-Ingenieur etwa 1,2 Millionen Dollar. In kleineren Fällen wie bei dem ehemaligen Teleprompter-Bediener Gabriel Perez ging es um Summen über 100.000 Dollar.
Sind politische Wetten in Deutschland erlaubt?
Nein, politische Wetten sind nach dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 in Deutschland nicht zulässig. Die GGL erteilt Lizenzen nur für Sportwetten, virtuelle Automaten, Online-Poker und in einigen Bundesländern für Online-Casino-Spiele.
Wie schützt die GGL deutsche Spieler vor Betrug?
Die GGL führt eine Whitelist legaler Anbieter, die strenge Anforderungen an Fairness, Datenschutz und Spielerschutz erfüllen müssen. Durch Systeme wie LUGAS und OASIS werden Limits überwacht und gefährdete Spieler geschützt, was auf unregulierten Prognosemärkten nicht der Fall ist.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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