DraftKings unter Druck: KI-Modelle sollen gezielt hohe Verluste forcieren
KI-GENERIERTInterne Enthüllungen zeigen, wie DraftKings durch maschinelles Lernen gezielt Spieler mit hoher Verlustwahrscheinlichkeit anspricht, während Schutzmaßnahmen für Süchtige offenbar ignoriert wurden.
Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) im Online-Glücksspiel erreicht eine neue, moralisch hochumstrittene Stufe. Während Anbieter nach außen hin mit Spielerschutz werben, zeigen interne Berichte des US-Branchenriesen DraftKings ein anderes Bild. Ehemalige Mitarbeiter berichten von einer gezielten Jagd auf Kunden, die statistisch gesehen das meiste Geld verlieren. Jayden Butts, ein früherer Datenanalyst des Unternehmens, enthüllte Details über ein Modell des maschinellen Lernens, das darauf programmiert wurde, sogenannte elastische Spieler zu identifizieren. Das sind Kunden, die besonders stark auf Bonusangebote reagieren, indem sie noch mehr Geld einsetzen und letztlich verlieren.
Die ethische Problematik liegt auf der Hand: Die Personen, die am profitabelsten für das Unternehmen sind, zeigen oft die deutlichsten Anzeichen einer beginnenden oder bereits fortgeschrittenen Spielsucht. Butts arbeitete an Tests, bei denen Gratiswetten und Boni vorrangig an diese Verlierer vergeben wurden. Seine Bedenken wurden intern offenbar ignoriert. Die Logik dahinter ist simpel wie erschreckend: Ein Spieler mit einem hohen Risiko für problematisches Spielverhalten ist aus rein finanzieller Sicht die beste Investition für den Betreiber, da er seine Verluste am wenigsten kontrollieren kann.
Zahlen und Fakten
DraftKings ist eine Macht im US-Markt mit rund 11 Millionen Kunden im Jahr 2026, eine massive Steigerung gegenüber den 5 Millionen im Jahr 2022. Das Unternehmen erwirtschaftete im vergangenen Jahr rund 8,7 Milliarden US-Dollar Brutto-Glücksspielertrag (GGR), während es gleichzeitig etwa 3 Milliarden US-Dollar für Werbeaktionen ausgab. Interne Memos belegen, dass Datenanalysen die Margen bei sportwettenbasierten Aktionen im Jahr 2025 um 13 Prozent steigerten. Ein besonders drastisches Beispiel für das aggressive Marketing liefert der Fall von Bryan Biehl. Während er sich in Therapie wegen seiner Sucht befand, erhielt er allein in den ersten zwei Wochen im Dezember 2024 insgesamt 40 Werbemails von DraftKings.
„Es ist so räuberisch, wie es sich anhört. Wenn du mehr verlierst, geben wir dir mehr, damit du immer weiter spielst.“ - Anonymer ehemaliger DraftKings-Analyst
Hintergrund
Die technologische Aufrüstung bei DraftKings beschränkt sich nicht nur auf Sportwetten. Ein Drittel des Umsatzes stammt mittlerweile aus Online-Casinospielen wie Slots, die als besonders suchtfördernd gelten. Ein interner Bericht aus dem Jahr 2023 stellte fest, dass die Einnahmen aus Spielautomaten elastischer sind als bei anderen Spielen. Das bedeutet, dass Kunden bei Slots besonders empfänglich für Werbeanreize sind und nach Erhalt eines Bonus überproportional viel eigenes Geld verlieren. Während die Marketing-KI florierte, wurde ein Projekt des Datenwissenschaftlers Nestor Hernandez, das ein Risiko-Score-System zur Früherkennung von Sucht vorsah, laut Aussagen ehemaliger Kollegen eingestellt oder pausiert. Lori Kalani, Chief Responsible Gaming Officer bei DraftKings, verteidigt die Praxis hingegen als gängiges Marketinginstrument, das mit dem von Amazon vergleichbar sei.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler ist dieser Bericht eine eindringliche Warnung vor Anbietern ohne deutsche Lizenz. In Deutschland regelt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) den Markt extrem streng, um genau solche algorithmischen Exzesse zu verhindern. Wer bei einem Anbieter spielt, der auf der offiziellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) steht, ist durch technische Sperren geschützt. Das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und das LUGAS-System verhindern, dass Spieler in eine endlose Verlustspirale geraten, die durch KI-gesteuerte Boni befeuert wird. Zudem gilt in Deutschland ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten, was die Elasticity, also die Ausreizung des Verlustpotenzials, massiv einschränkt.
Was das für GGL-Casinos heißt
Casinos mit einer Lizenz der GGL müssen strenge Sozialkonzepte vorlegen. Ein solches Vorgehen, wie es bei DraftKings beschrieben wird gezieltes Targeting von Verlierern zur Umsatzsteigerung würde in Deutschland zum sofortigen Entzug der Erlaubnis führen. Die deutschen Behörden fordern, dass Algorithmen primär zum Schutz des Spielers eingesetzt werden. Früherkennungssysteme für problematisches Spielverhalten sind hierzulande Pflicht, nicht optional. Die GGL überwacht zudem die Werberichtlinien sehr genau; aggressive Bonusfluten, wie sie Bryan Biehl in den USA erlebte, sind durch die strengen deutschen Werbebeschränkungen rechtlich kaum möglich. Deutsche Kunden sollten daher konsequent auf das GGL-Siegel achten, um nicht Zielobjekt solcher räuberischen Algorithmen zu werden.
Häufige Fragen
Wie nutzt DraftKings KI für seine Werbung?
Das Unternehmen verwendet Modelle des maschinellen Lernens, um das Verhalten von Millionen Kunden zu analysieren. Ziel ist es, sogenannte elastische Spieler zu finden, die nach dem Erhalt von Gratiswetten oder Boni statistisch gesehen besonders hohe eigene Verluste erleiden.
Gibt es bei DraftKings Schutzmaßnahmen gegen Spielsucht?
DraftKings bietet Tools wie Cool-off-Phasen und Selbstsperren an und weist auf Hilfenummern hin. Allerdings berichten ehemalige Mitarbeiter, dass technologische Projekte zur proaktiven Früherkennung von Sucht zugunsten der profitableren Marketing-KI vernachlässigt oder eingestellt wurden.
Wie viele Werbeangebote erhalten betroffene Spieler?
Ein dokumentierter Fall zeigt, dass ein süchtiger Spieler innerhalb von nur zwei Wochen im Dezember 2024 insgesamt 40 Werbemails mit Bonusangeboten erhielt. Dies geschah teilweise sogar während der Spieler sich bereits in einer Therapie befand.
Sind solche Praktiken in Deutschland erlaubt?
Nein, der Glücksspielstaatsvertrag 2021 verbietet aggressives Marketing, das gezielt auf vulnerable Personen abzielt. Anbieter mit einer GGL-Lizenz müssen Algorithmen zur Früherkennung von Spielsucht einsetzen und unterliegen strengen Einsatz- und Einzahlungslimits.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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