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Regulierung

Gibraltar reformiert Glücksspiellizenzen: Geringere Kosten für Software-Anbieter

Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Gibraltar reformiert Glücksspiellizenzen: Geringere Kosten für Software-Anbieter

Gibraltar führt ein neues Lizenzierungsmodell für B2B-Softwarelieferanten ein, das sich an deren Umsatz orientiert. Kleine Anbieter zahlen nun bis zu 20.000 Pfund jährlich.

Gibraltar hat sein Glücksspiel-Regulierungsmodell angepasst. Nun gibt es separate Gebührenstufen für Software-Anbieter, die direkt B2B-Dienstleistungen erbringen. Das Ziel ist es, den Markt zugänglicher zu machen, besonders für kleinere Unternehmen. Früher zahlten alle Anbieter die gleiche jährliche Gebühr, unabhängig von ihrer Größe oder ihrem Geschäftsumfang in Gibraltar.

Das neue System, das am 1. April 2026 in Kraft trat, bietet drei unterschiedliche Kostenstufen. Diese sind an den Umsatz oder die Anzahl der Integrationen mit in Gibraltar lizenzierten B2C-Betreibern gekoppelt. Es ermöglicht somit eine flexiblere und möglicherweise kostengünstigere Lizenzierung für viele Softwareunternehmen.

Zahlen und Fakten

Das neue Rahmenwerk unterteilt die direkten B2B-Integrationen in drei jährliche Gebührenstufen. Die erste Stufe kostet 85.000 Pfund Sterling jährlich und erlaubt unbegrenzte Integrationen mit genehmigten B2C-Betreibern in Gibraltar. Die zweite Stufe kostet 50.000 Pfund Sterling pro Jahr. Diese ist für Anbieter gedacht, die weniger als 550.000 Pfund Bruttoumsatz aus Gibraltar erzielen oder nicht mehr als drei genehmigte Integrationen haben.

Die dritte Stufe reduziert die jährliche Gebühr auf 20.000 Pfund Sterling. Sie ist für Software-Anbieter gedacht, deren relevante Umsätze unter 200.000 Pfund liegen oder die bis zu zwei genehmigte Integrationen aufweisen. Laut der Regierung von Gibraltar wurde zuvor von allen B2B-Anbietern eine pauschale Jahresgebühr von 85.000 Pfund verlangt. Kleinere Betriebe fanden dies oft unverhältnismäßig teuer. Das neue abgestufte System soll dies ändern. Unternehmen können je nach Geschäftsentwicklung auch in höhere Stufen aufsteigen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Zulassung durch die Regulierungsbehörde, auch wenn die Spiele über eine Aggregationsplattform angeboten werden. Die ursprüngliche Quelle erwähnt eine Gebühr von 1.000 Pfund für diese Genehmigung. Steven Caetano von ISOLAS betont die Bedeutung dieser Neuerung:

„Die niedrigeren Direktintegrationsstufen ersetzen eine informelle Regelung, unter der einige Anbieter ursprünglich innerhalb der Systeme eines lizenzierten B2C-Unternehmens tätig waren.“ - Steven Caetano, ISOLAS

Hintergrund

Die Reformen gehen über die reinen Gebühren hinaus. Der Standort des Servers bleibt wichtig, ist aber nicht mehr das einzige Kriterium. Die Regulierungsbehörde kann nun auch die tägliche Verwaltung, die operative Kontrolle, die an Gibraltarer Lizenznehmer gelieferten Dienste und die lokale Präsenz eines Unternehmens berücksichtigen. Auch der Umfang der regulierten B2B-Aktivitäten wurde erweitert. Unternehmen, die bereits vor dem 1. April 2026 Aktivitäten ausübten, die nun lizenziert werden müssen, erhalten eine sechsmonatige Übergangslizenz. In diesem Zeitraum müssen sie einen vollständigen Antrag einreichen. Bestehende Lizenzinhaber werden ohne erneuten Antrag in das neue System überführt.

Die Einführung dieser gestaffelten Lizenzgebühren war Teil einer breiteren Konsultation zu einer neuen Glücksspielgesetzgebung in Gibraltar. Bereits 2022 wurde das Vorhaben angekündigt, das Gebührenmodell zu überarbeiten. Damals gab es auch Überlegungen, separate Lizenzen für Marketing-Dienstleister, sogenannte Affiliates, mit einer jährlichen Gebühr von 50.000 Pfund einzuführen, die sich auf Anbieter "in oder aus Gibraltar" beschränken würden. Auch für Aggregatoren sind separate Regelungen vorgesehen, die eine Grundgebühr von 85.000 Pfund pro vertikaler Spielkategorie plus 1% des Umsatzes mit Gibraltarer Lizenznehmern vorsehen.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für Spieler in Deutschland haben diese Änderungen in Gibraltar keine direkten Auswirkungen auf ihre Erfahrungen mit Online-Glücksspielen. Der deutsche Online-Glücksspielmarkt wird seit Juli 2021 durch den Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021) umfassend reguliert. Dieser Vertrag legt strenge Regeln fest, die sich deutlich von den Lizenzierungsmodellen anderer Länder unterscheiden.

Deutsche Spieler sollten ausschließlich in Online-Casinos spielen, die eine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) besitzen. Diese Casinos sind an die Regeln des GlüStV 2021 gebunden. Dazu gehören ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an Spielautomaten und ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro, das über das zentrale Überwachungssystem LUGAS kontrolliert wird.

Casinos mit einer Gibraltar-Lizenz, einer MGA-Lizenz aus Malta oder einer Lizenz aus Curaçao operieren außerhalb dieses deutschen Rechtsrahmens. Sie können in Deutschland legal keine Werbung machen und sollten von deutschen Spielern gemieden werden. Die Reformen in Gibraltar betreffen vor allem die B2B-Beziehungen der Softwareanbieter. Sie ändern nichts an den strengen Vorschriften, die für Online-Glücksspiele in Deutschland gelten.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Online-Casinos, die eine deutsche GGL-Lizenz besitzen, haben die neuen Bestimmungen in Gibraltar nur eine sehr indirekte Bedeutung. GGL-lizenzierte Anbieter müssen ihre Software und Spiele von Anbietern beziehen, die den deutschen Richtlinien entsprechen. Diese Richtlinien sind oft strenger als die anderer Jurisdiktionen, insbesondere in Bezug auf Spielerschutz und technische Anforderungen.

Wenn ein Software-Anbieter, der bereits in Gibraltar lizenziert ist, auch den deutschen Markt bedienen möchte, muss er die spezifischen Anforderungen der GGL erfüllen. Er zahlt dann auch die entsprechenden Gebühren. Die Kostenstruktur in Gibraltar könnte zwar für einige aufstrebende Software-Entwickler den Markteintritt erleichtern. Dies hat jedoch zur Folge, dass nicht sofort automatisch eine Konformität mit dem GlüStV 2021 gegeben ist. Deutsche Casinos müssen weiterhin sorgfältig prüfen, ob die angebotene Software allen landesspezifischen Anforderungen gerecht wird.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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