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Spielerschutz

Glücksspiel-Warnungen erreichen Frauen oft nicht: Neue Studie zeigt Defizite

Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Glücksspiel-Warnungen erreichen Frauen oft nicht: Neue Studie zeigt DefiziteKI-GENERIERT

Eine aktuelle Untersuchung von Growth Exposed zeigt, dass weibliche Spielerinnen Sicherheitsbotschaften oft ignorieren, da diese primär auf ältere Männer zugeschnitten wirken.

Die Art und Weise, wie die Glücksspielbranche über Spielerschutz kommuniziert, geht an der Lebensrealität vieler Frauen vorbei. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der in Singapur ansässigen Beratungsfirma Growth Exposed. Forscher werteten dabei 23 spezifische Entscheidungen von 13 Erwachsenen aus dem Vereinigten Königreich aus, die versuchten, die Kontrolle über ihr Spielverhalten zu erhöhen oder zu verringern. Die Ergebnisse zeigen, dass eine Warnung nur dann Wirkung zeigt, wenn die Spieler das Gefühl haben, dass die Botschaft direkt an sie gerichtet ist. Viele der befragten Frauen gaben an, dass sie die Hinweise als bürokratische Pflichtübung der Anbieter wahrnehmen und nicht als Hilfsangebot für ihre persönliche Lage.

Besonders auffällig ist die Stigmatisierung des Hilfesuchens. Eine Teilnehmerin berichtete beispielsweise, dass sie Hilfe für schwere Fälle reserviert sah, an denen meist ältere, männliche Spieler beteiligt seien. Da sie ihr eigenes Problem nicht als derart schwerwiegend einstufte, fürchtete sie, knappe Ressourcen von Wohltätigkeitsorganisationen zu beanspruchen, die andere dringender bräuchten. Erst als sie auf Berichte anderer Mütter stieß, die über ihre Spielprobleme sprachen, änderte sich ihre Wahrnehmung. Plötzlich erschien die Intervention relevant, glaubwürdig und sicher genug, um aktiv zu werden. Dies verdeutlicht, dass generische Nachrichten oft scheitern, weil sie keine Identifikationsfiguren bieten.

„Ich dachte nicht, dass das an mich gerichtet ist. Ich dachte, das ist für alle gedacht.“ - Lily, Studienteilnehmerin aus dem Vereinigten Königreich (Pseudonym)

Zahlen und Fakten

Die Studie von Growth Exposed basierte auf 23 rekonstruierten Entscheidungen zur Spielkontrolle. Dabei identifizierten die Forscher fünf wiederkehrende Kontexte, in denen Spieler versuchen, ihr Verhalten anzupassen. Dazu gehören das Setzen von Sicherheitsnetzen, bevor die Kontrolle verloren geht, das Einlegen einer Pause zur Wiederherstellung des Sportgenusses und die Suche nach externen Barrieren, wenn persönliche Limits versagt haben. Neil Burge, der Gründer von Growth Exposed, betont, dass es keinen universellen Weg zur Identität eines Problemspielers gibt. Vielmehr versuchen Menschen, ganz unterschiedliche Probleme zu lösen. Manche wollen lediglich etwas mehr Kontrolle, während andere das Gefühl haben, der Sport stünde aufgrund der Wetten nicht mehr im Fokus ihres Interesses.

„Die Branche verbringt verständlicherweise viel Zeit mit der Frage, ob Spieler eine Sicherheitsbotschaft gesehen haben. Unsere Interviews legen nahe, dass eine andere Frage zürst zählt: Hat der Spieler erkannt, dass die Nachricht zu jemandem wie ihm spricht?“ - Neil Burge, Gründer von Growth Exposed

Hintergrund

Frühere Forschungen haben bereits gezeigt, dass Stigmatisierung und die Wahrnehmung von Glücksspielproblemen als rein männliches Phänomen große Hürden für Frauen darstellen. Die aktuelle Untersuchung von Growth Exposed nähert sich dem Thema jedoch aus einer neuen Perspektive, indem sie die tatsächlichen Zeitpläne und Motivationen hinter einzelnen Kontrollentscheidungen analysiert. Es wurde deutlich, dass Spielerinnen Sicherheitswarnungen oft als etwas betrachten, das die Unternehmen zeigen müssen, anstatt als Beweis für die persönliche Relevanz. Der Kontrollverlust wird oft erst dann eingestanden, wenn die Botschaften durch Menschen vermittelt werden, die den Spielerinnen ähnlich sind.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spielerinnen und Spieler hat diese Thematik eine hohe Relevanz, da der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) strenge Anforderungen an den Spielerschutz stellt. In Deutschland sind Maßnahmen wie das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat sowie das zentrale Sperrsystem LUGAS gesetzlich verankert. Die Studie legt jedoch nahe, dass technische Hürden allein nicht ausreichen, wenn die psychologische Ansprache versagt. Wenn deutsche Lizenznehmer der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) lediglich standardisierte Warntexte einblenden, könnten diese von weiblichen Zielgruppen ebenso ignoriert werden wie in der britischen Studie beobachtet. Das 1 Euro Einsatzlimit pro Spin bei Slots und die Pflicht zur Anzeige von Gewinn- und Verluststatistiken sind zwar hilfreiche Instrumente, müssen aber durch eine zielgruppenspezifische Kommunikation ergänzt werden, um die Akzeptanz von Hilfsangeboten zu erhöhen.

Was das für GGL-Casinos heißt

Deutsche Casinos mit GGL-Lizenz stehen vor der Herausforderung, ihre Präventionsarbeit effektiver zu gestalten. Es reicht nicht aus, die Whitelist-Anforderungen formal zu erfüllen. Um den gesetzlichen Auftrag zur Suchtprävention wirklich auszufüllen, sollten Anbieter ihre Kommunikation diversifizieren. Dies bedeutet, dass Marketing und Spielerschutzbotschaften nicht nur den stereotypen Spieler zeigen dürfen. Anbieter, die in ihren Portalen echte Geschichten oder diverse Avatare für Sicherheitsbotschaften nutzen, könnten eine höhere Erfolgsquote bei der Früherkennung von problematischem Spielverhalten erzielen. Die strikte Regulierung durch die GGL bietet hierfür den rechtlichen Rahmen, doch die operative Umsetzung erfordert ein tieferes Verständnis der unterschiedlichen Spielertypen, wie es die Growth Exposed Studie fordert.

Häufige Fragen

Warum ignorieren manche Frauen Warnhinweise beim Glücksspiel?

Viele Frauen assoziieren Spielsucht mit älteren Männern und empfinden allgemeine Warnungen daher als nicht zutreffend für ihre eigene Situation. Die Studie zeigt, dass Botschaften oft als bürokratische Pflicht der Anbieter und nicht als persönliches Hilfsangebot wahrgenommen werden.

Wie viele Personen wurden in der Studie von Growth Exposed befragt?

Die Forscher befragten insgesamt 13 Erwachsene aus dem Vereinigten Königreich und analysierten dabei 23 spezifische Entscheidungen zur Spielkontrolle. Die Studie war darauf ausgelegt, Entscheidungsmuster zu verstehen, statt statistische Häufigkeiten für die gesamte Bevölkerung zu berechnen.

Welche fünf Kontexte für Kontrollentscheidungen wurden identifiziert?

Die Forscher fanden fünf Szenarien: Aufbau eines Sicherheitsnetzes, Einlegen einer Pause für mehr Sportgenuss, Rückkehr zum normalen Alltag, Test der Selbstkontrolle nach einer Sperre und Suche nach harten externen Barrieren nach einem Scheitern persönlicher Limits.

Was hilft Frauen laut der Studie am meisten, Hilfe anzunehmen?

Der Kontakt zu anderen Frauen und Müttern, die offen über ihre eigenen Erfahrungen mit Spielproblemen sprechen, macht die Interventionen glaubwürdiger. Wenn Betroffene Menschen sehen, mit denen sie sich identifizieren können, sinkt die Hemmschwelle zur Nutzung von Hilfsangeboten deutlich.

Wie regelt Deutschland den Spielerschutz für betroffene Frauen?

In Deutschland schützt der GlüStV 2021 alle Spieler durch das LUGAS-System, das 1.000 Euro Einzahlungslimit und die Oasis-Sperrdatei. Für eine effektive Prävention bei Frauen müssen lizenzierte GGL-Anbieter jedoch auch ihre Kommunikationsstrategien anpassen, um Stigmatisierung abzubauen und Identifikation zu ermöglichen.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

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