Vorhersagemärkte vor Boom: Analysten erwarten 1,5 Billionen Dollar Volumen bis 2030

Die Investmentbank Macquarie prognostiziert einen massiven Aufstieg von Prediction Markets. Bis 2030 könnte das Handelsvolumen auf 1,5 Billionen US-Dollar ansteigen.
Die Welt der Wetten steht vor einem gewaltigen Umbruch, wenn man den neuesten Analysen der australischen Investmentbank Macquarie Glauben schenkt. Sogenannte Vorhersagemärkte, in der Fachwelt als Prediction Markets bekannt, könnten bis zum Ende dieses Jahrzehnts das Terrain klassischer Sportwetten massiv erweitern. Es geht dabei nicht mehr nur darum, wer die nächste Weltmeisterschaft gewinnt, sondern um fast jedes erdenkliche Ereignis in Politik, Wirtschaft oder Technologie. Diese Entwicklung zeigt, dass die Grenze zwischen Finanzmarkt-Spekulation und klassischem Glücksspiel immer weiter verschwimmt.
Besonders spannend ist hierbei die Rolle der großen Akteure. Dass ein Schwergewicht wie Macquarie solch optimistische Prognosen abgibt, lässt die Branche aufhorchen. Analyst Chad Beynon sieht in den Zahlen eine Dynamik, die weit über bisherige Schätzungen hinausgeht. Da sich die Technologie hinter diesen Plattformen ständig verbessert, wird der Zugang für Gelegenheitswetter immer einfacher. Das weckt Begehrlichkeiten bei etablierten Anbietern, die ihre Reichweite über den reinen Sport hinaus massiv vergrößern wollen.
Zahlen und Fakten
Analyst Chad Beynon von Macquarie rechnet damit, dass das Handelsvolumen im Sektor der Vorhersagemärkte bis zum Jahr 2030 auf 1,5 Billionen Dollar steigen könnte. Diese Zahl liegt rund 50 Prozent über den Schätzungen anderer Marktbeobachter. Interessant ist dabei die Aufteilung der Summe. Beynon prognostiziert, dass etwa 705 Milliarden Dollar aus dem Sportbereich stammen werden. Den größeren Teil, nämlich 783 Milliarden Dollar, sollen jedoch Märkte ausmachen, die nichts mit Sport zu tun haben. Hierbei stehen vor allem politische Ereignisse, Krypto-Kurse und ökonomische Indikatoren im Fokus.
Für die Betreiber dieser Plattformen würde ein solches Volumen einen Umsatz von ungefähr 50 Milliarden Dollar bedeuten. Ein einzelner Anbieter, der sich einen Marktanteil von 30 Prozent sichert, könnte laut Beynon ein EBITDA von etwa 7 Milliarden Dollar erzielen. Als potenzielle Marktführer nennt er Unternehmen wie DraftKings, FanDuel, Meta Platforms, Polymarket und Robinhood. Besonders DraftKings und FanDuel haben durch ihre Erfahrung im Bereich der klassischen Sportwetten einen strategischen Vorsprung, um auch in den Bereich der Ereignisverträge vorzustoßen.
Hintergrund
Obwohl die Zahlen beeindruckend klingen, steht die Branche vor regulatorischen Hürden. Die sogenannte Commodity Futures Trading Commission (CFTC) beansprucht in den USA das alleinige Recht zur Regulierung dieser Märkte. Viele Aufsichtsbehörden auf bundesstaatlicher Ebene sowie kommerzielle Betreiber sehen in den Produkten jedoch illegales Glücksspiel. Ein prominentes Beispiel ist die Plattform Kalshi, die im Bundesstaat Washington rechtliche Probleme hat, da ihre Produkte dort als gesetzeswidrig eingestuft werden könnten.
Auch in der Führungsebene anderer Branchengrößen gibt es Bewegung, was das allgemeine Marktumfeld beeinflusst. So wurde bei Bally's kürzlich Robeson Reeves zum neuen CEO ernannt, der Lee Fenton ablöst. Solche Wechsel zeigen, dass die Unternehmen sich für eine Zukunft rüsten, in der digitale Interaktivität und globale Skalierbarkeit das Sagen haben.
„Robeson verfügt über einen außergewöhnlichen Verstand und den nötigen Elan, um an der Spitze erfolgreich zu sein.“ - Soo Kim, Vorsitzender des Vorstands bei Bally’s
Diese Personalie unterstreicht den Trend, dass technisches Know-how und Erfahrung in interaktiven Segmenten für moderne Glücksspielkonzerne überlebenswichtig sind.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler ist die Lage aufgrund des GlüStV 2021 derzeit sehr eindeutig, aber auch einschränkend. Vorhersagemärkte auf politische Ereignisse oder Krypto-Kurse, wie sie Macquarie für die USA prognostiziert, sind nach deutschem Recht im Rahmen einer Sportwettlizenz nicht zulässig. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) achtet streng darauf, dass nur Wetten auf sportliche Ereignisse stattfinden. Wer heute in Deutschland sicher spielen will, muss auf die offizielle Whitelist schauen. Dort finden sich nur Anbieter, die sich an die harten Regeln halten.
Das bedeutet konkret: Ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Slots und ein anbieterübergreifendes Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat via LUGAS. Wetten auf den Ausgang von Wahlen oder den Bitcoin-Kurs gibt es bei legalen deutschen Anbietern nicht. In Deutschland gelten solche Produkte oft als Finanzderivate oder eben als nicht erlaubtes Glücksspiel. Dennoch schauen deutsche Branchenkenner genau hin, ob die GGL langfristig Spielräume für neue Wettformen öffnet, um Abwanderungen zu unregulierten MGA- oder Curacao-Anbietern zu verhindern.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Casinos mit GGL-Lizenz bedeutet der internationale Trend zu Prediction Markets vor allem eines: Innovation ist gefragt, stößt aber an regulatorische Grenzen. Während Anbieter in den USA wie DraftKings oder FanDuel in neue Märkte investieren, müssen deutsche Betreiber innerhalb des engen Rahmens des GlüStV 2021 bleiben. Der Fokus liegt hierzulande eher darauf, die bestehenden Sportwetten-Angebote so attraktiv wie möglich zu gestalten, ohne die strengen Spielerschutzvorgaben zu verletzen.
Die hohen prognostizierten Wachstumsraten im Ausland könnten jedoch den Druck auf die deutschen Regulierer erhöhen. Wenn global Milliardenumsätze mit Ereigniswetten generiert werden, wird die Debatte über eine Erweiterung des erlaubten Wettkatalogs in Deutschland sicher erneut aufflammen. Bis dahin bleibt deutschen Unternehmen nur die Beobachterrolle bei diesem speziellen Trend, während sie gleichzeitig die hohen Standards bei LUGAS und Oasis sicherstellen müssen.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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