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Prognosemärkte erleben Boom: 50 Milliarden Dollar Umsatz im Juni durch WM

8. Juli 20265 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Prognosemärkte erleben Boom: 50 Milliarden Dollar Umsatz im Juni durch WM

Prognosemärkte erreichten im Juni ein Handelsvolumen von über 50 Milliarden US-Dollar. Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft war dabei ein wichtiger Wachstumstreiber für die Branche.

Die Welt der Prognosemärkte erlebt einen bemerkenswerten Aufschwung. Laut einem neuen Bericht von Macquarie Equity Research überschritt das Handelsvolumen im Juni die Marke von 50 Milliarden US-Dollar. Dies markiert einen weiteren Rekordmonat für die Branche, angetrieben durch die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft und strategische Partnerschaften.

Besonders hervorzuheben ist Kalshi, das weiterhin die Führungsrolle einnimmt. Die Plattform erzielte im Juni ein monatliches Volumen von rund 33 Milliarden US-Dollar und machte damit 65 Prozent des gesamten Handelsvolumens aus. Schon im Mai lag der Marktanteil bei geschätzten 57 Prozent. Die aktuelle Entwicklung deutet auf eine Branche hin, die auf eine jährliche Rate von über 500 Milliarden US-Dollar zusteuert.

Zahlen und Fakten

Der aktuelle Macquarie-Bericht betont die Rolle des Sports als Hauptanwendungsfall für Prognosemärkte. Er macht etwa die Hälfte aller Aktivitäten auf diesen Plattformen aus. Die Analyse baut auf früheren Schätzungen von Macquarie auf, wonach die FIFA Weltmeisterschaft 2026 weltweit über 50 Milliarden US-Dollar an Wettaktivitäten generieren würde. Diese Prognose schloss Prognosemärkte damals noch explizit aus. Der Juni zeigte jedoch, dass ein Großteil des Handelsvolumens durch die Weltmeisterschaft befeuert wurde. Dies unterstreicht die wachsende Bedeutung von Prognosemärkten im Bereich der Sportwetten.

Kalshi und ADI Predictstreet, dem offiziellen Prognosemarkt-Partner der FIFA, gingen eine Partnerschaft ein. Diese Kooperation wird von Analysten eher als Beleg für ADIs Liquiditätsbedarf denn für Kalshis Marketingbedürfnis gewertet. ADI Predictstreet verzeichnete in den ersten 18 Tagen nach der Einführung etwa 126.000 Trades. Das verdeutlicht die Schwierigkeit, Liquidität aufzubauen, selbst mit prominenten Partnerschaften. Märkte zu den Weltmeisterschaftssiegern auf Kalshi und Polymarket haben Handelsvolumen von schätzungsweise 1 Milliarde US-Dollar beziehungsweise 4 Milliarden US-Dollar generiert. Dies zeigt, dass etablierte Plattformen weiterhin die Nase vorn haben.

Hintergrund

Strategische Partnerschaften und neue Produkteinführungen stützen zunehmend die Infrastruktur der Prognosemarktbranche. Ein Beispiel hierfür ist die Kooperation von Polymarket mit Liga MX und Genius Sports. Auch DraftKings hat mit DKeX einen eigenen Prognosemarkt eingeführt. Macquarie sieht DKeX als wichtigen Schritt zur Konvergenz von Sportwettenanbietern und Prognosemärkten. DraftKings betrachtet Prognosemärkte demnach zunehmend als strategische Langzeit-Produkterweiterung und nicht nur als defensive Reaktion auf Kalshi.

Der Robinhood-gestützte Anbieter Rothera ist ebenfalls schnell aufgestiegen und hat innerhalb weniger Wochen Milliarden von Dollar an Weltcup-bezogenem Handelsvolumen generiert. Das zeigt, dass die Verbreitung in dieser Branche ebenso wichtig sein kann wie Preisgestaltung und Liquidität. Auch Meta soll Berichten zufolge eine eigenständige Prognosemarkt-Anwendung namens Meta Arena zu prüfen. Dies könnte das Mainstream-Interesse weiter anfachen und die Massenakzeptanz beschleunigen.

Die Regulierung bleibt jedoch ein Unsicherheitsfaktor. Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) der Trump-Administration hatte einen Rahmen für Prognosemärkte vorgeschlagen, der Verträge zu Krieg, Terrorismus und Attentaten verbieten würde, aber Sportveranstaltungs-Verträge zulässt. Eine künftige demokratische Regierung könnte jedoch eine restriktivere Haltung einnehmen.

„Der Vorschlag unterstreicht, dass Prognosemärkte erheblich von der Unterstützung der Trump-Administration profitiert haben. Eine künftige demokratische Administration könnte eine restriktivere Sichtweise einnehmen und gleichzeitig die staatliche Regulierungsbehörde stärken, was die regulatorischen Aussichten der Branche von politischen Veränderungen abhängig macht.“ - Macquarie Equity Research, Bericht

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler sind Anlagen in solche Prognosemärkte, insbesondere in Deutschland, mit deutlichen Einschränkungen verbunden. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) legt klare Regeln fest, die hauptsächlich auf klassische Glücksspiele wie Automatenspiele, Online-Poker und Sportwetten abzielen. Prognosemärkte, die als Finanzinstrumente oder als Wetten auf zukünftige Ereignisse konzipiert sind, können in Deutschland je nach Ausgestaltung unter verschiedene rechtliche Rahmen fallen. Oft bewegen sie sich in einer Grauzone zwischen Finanzmarktregulierung und Glücksspielrecht. Für Spieler deutscher GGL-Casinos gibt es strikte Schutzmechanismen: Ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Automatenspielen und ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro, das über das zentrale Überwachungssystem LUGAS kontrolliert wird. Diese Schutzmaßnahmen greifen bei ausländischen Prognosemärkten nicht. Deutsche Glücksspiellizenzen werden von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) vergeben. Diese Lizenzen stellen sicher, dass Anbieter hohe Standards im Spielerschutz einhalten. Prognosemärkte, die nicht explizit von der GGL reguliert oder lizenziert sind, bieten diese Sicherheit nicht. Lizenzierte deutsche Casinos dürfen keine unregulierten Produkte anbieten. Spieler sollten sich daher vor der Teilnahme genau informieren und nur bei Anbietern spielen, die eine deutsche Lizenz besitzen.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für die GGL-lizenzierten Casinos in Deutschland haben diese Entwicklungen auf den internationalen Prognosemärkten keine direkten Auswirkungen im Sinne einer Angebotserweiterung. Der Fokus der Lizenzierung liegt auf der Einhaltung des GlüStV 2021. Dieser regelt primär die traditionellen Formen des Online-Glücksspiels. Die GGL überwacht streng die Einhaltung sämtlicher Auflagen, die unter anderem Spielerschutz, Suchtprävention und die strenge Einhaltung von Einzahlungslimits über das LUGAS-System umfassen. Sollten GGL-Casinos Interesse an der Integration ähnlicher Produkte haben, müssten diese eine gesonderte regulatorische Prüfung durchlaufen und wahrscheinlich eine eigene Lizenzierung erwirken. Angesichts der restriktiven und vorsichtigen Haltung der deutschen Regulierungsbehörden gegenüber neuen Glücksspielformen ist eine schnelle Einführung von Prognosemärkten im regulierten deutschen Glücksspielbereich unwahrscheinlich. Deutsche Anbieter bleiben vorerst bei den etablierten und von der GGL genehmigten Produkten, um ihre Lizenz nicht zu gefährden.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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