Mbappé führt Aufstand gegen Werbevertrag: Frankreichs WM-Stars klagen gegen Betclic-Kampagne

Wenige Tage vor Turnierbeginn eskaliert in Frankreich der Streit zwischen Spielern, Verband und Wettpartner Betclic. Wir analysieren den Konflikt – und zeigen, warum deutsche Spielerschützer ähnliche Auseinandersetzungen seit Jahren fordern.
Wenige Tage vor Beginn der Fußball-WM 2026 hat sich in Frankreich ein offener Konflikt zwischen Nationalspielern, dem Verband (FFF) und Hauptsponsor Betclic entwickelt. Wie iGamingToday.com am 7. Juni unter Berufung auf L'Équipe berichtete, fanden mehrere Spieler – darunter Kapitän Kylian Mbappé und Rayan Cherki – nach einem Medientermin ihre Porträtfotos in einer großflächigen Betclic-Wettkampagne wieder, ohne vorher persönlich zugestimmt zu haben.
Die Spieler werfen der FFF einen Verstoß gegen eine im September 2023 unterzeichnete Bildrechtsvereinbarung vor, die regelt, wie kommerzielle Partner Aufnahmen von Nationalspielern für Werbung verwenden dürfen. Mbappé hat sich seit Jahren öffentlich gegen Wett- und Glücksspielwerbung mit Profifußballern positioniert – mit dem Argument, Spieler seien Vorbilder und müssten die sozialen Folgen ihrer Markenbotschaften ernster nehmen.
Betclic ist seit 2018 Wettpartner der FFF und zahlt nach Branchenschätzungen jährlich 7–9 Mio. € für die Rechte. Der Vertrag läuft bis Sommer 2027. Aus Frankreichs Wettbehörde ANJ (Autorité Nationale des Jeux) heißt es, dass Sponsoring mit Nationalspielern grundsätzlich erlaubt, aber an strikte Vorgaben gebunden ist: Keine Darstellung von Einzelwetten, kein Bonushinweis im Bild, klare Trennung von redaktioneller Berichterstattung. Die jetzt kritisierte Kampagne hält diese Vorgaben formal ein – der Streit dreht sich um die Persönlichkeitsrechte.
Aus deutscher Sicht ist der Vorgang aus mehreren Gründen interessant. Erstens: Die DFB-Nationalmannschaft hat Sportwetten-Werbung seit 2023 deutlich reduziert. Letzter offizieller Wettpartner war Tipico, dessen Vertrag mit dem DFB zum 30. Juni 2024 auslief und nicht verlängert wurde. Aktueller Hauptsponsor ist VW; mit Wettanbietern besteht nur noch eine sekundäre Bandenwerbung bei Heimspielen. Zweitens: Die GGL hatte in einer Hinweisbekanntmachung vom Januar 2026 klargestellt, dass Werbung mit aktiven Profisportlern für Sportwetten in Deutschland nur außerhalb von Trikot- und Sponsorenkontexten zulässig ist.
Die Bundesländer diskutieren zudem seit Monaten eine vollständige Ausweitung der Werbeverbote analog zur britischen Whistle-to-Whistle-Regel. Diese verbietet Wettwerbung im UK vor und während Sportübertragungen. CDU-Verbraucherpolitiker Markus Söder hatte im Mai eine ähnliche Regelung für Deutschland gefordert; die SPD-geführten Länder Berlin, Hamburg und Bremen unterstützen den Vorstoß, Bayern und Hessen lehnen ab. Eine Entscheidung soll auf der Ministerpräsidentenkonferenz im Juli fallen.
Die wirtschaftlichen Konsequenzen wären erheblich: Allein die fünf größten deutschen Sportwetten-Anbieter (bwin, Tipico, NEO.bet, Sportingbet, Betano) geben nach DSWV-Angaben pro WM-Jahr zwischen 180 und 220 Mio. € für TV- und Online-Werbung aus. Ein vollständiges Whistle-to-Whistle-Verbot würde diese Summe nach Branchenschätzung um rund 40 % reduzieren – und nach Befürchtung der Anbieter den ohnehin starken Schwarzmarkt zusätzlich begünstigen, weil unlizenzierte Anbieter sich an deutsche Werbeverbote ohnehin nicht halten.
Für Spieler und Fans ist der französische Konflikt ein wichtiger Indikator: Die Akzeptanz von Sportwettenwerbung mit Profisportlern bröckelt europaweit, das Thema dürfte auch nach der WM 2026 politisch heiß bleiben. Wer in Deutschland Sportwetten platzieren möchte, sollte sich an die rund 40 GGL-lizenzierten Anbieter halten – sie unterliegen strengeren Werberegeln, sind an LUGAS und OASIS angebunden und stehen unter direkter Aufsicht der deutschen Behörde. Die Debatte um Vorbildfunktion und Persönlichkeitsrechte begleiten wir auf Lustich.de weiter im Detail.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
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