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Regulierung

KI-Werbung im Visier: Britische Aufsicht mahnt Buchmacher Midnite ab

16. September 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
KI-Werbung im Visier: Britische Aufsicht mahnt Buchmacher Midnite abKI-GENERIERT

Die ASA verbietet TikTok-Werbung von Midnite wegen Minderjährigenschutz. Nach 125 Beschwerden steht der Betreiber unter strenger Beobachtung durch die Regulatoren.

Die britische Werbeaufsicht Advertising Standards Authority (ASA) greift hart durch, wenn es um den Schutz junger Menschen in den sozialen Medien geht. Aktuell steht der Sportwettenanbieter Midnite im Fokus, dessen TikTok-Werbung nur für wenige Stunden online war, bevor sie von den Kontrolleuren gestoppt wurde. Der Stein des Anstoßes war ein Video, das von einem Partnerunternehmen erstellt wurde und eine Person zeigte, die laut Einschätzung der ASA unter 25 Jahre alt zu sein schien. Damit verstößt der Clip gegen den CAP-Code, der strikt untersagt, Personen in Glücksspielwerbung zu zeigen, die minderjährig sind oder auch nur so wirken.

Besonders brisant an diesem Fall ist die Argumentation der beteiligten Marketingagentur Limay Media. Diese gab an, dass der Charakter im Video gar kein echter Mensch, sondern vollständig KI-generiert gewesen sei. Doch für die ASA spielt der biologische Status keine Rolle, solange die optische Wirkung auf die Zielgruppe problematisch ist. Die Behörde stellte fest, dass die legere und jugendliche Aufmachung der Figur eindeutig gegen die geltenden Standards verstößt. Midnite selbst distanzierte sich umgehend von dem Post und gab an, die Zusammenarbeit mit dem betreffenden Affiliate-Partner beendet zu haben. Dennoch blieb die Aufsicht hart und ordnete an, dass die Werbung in dieser Form nie wieder erscheinen darf.

Zahlen und Fakten

Midnite ist kein unbeschriebenes Blatt bei der britischen Werbebehörde. Erst im Vormonat wurde eine koordinierte Kampagne verboten, nachdem insgesamt 125 Beschwerden bei der ASA eingegangen waren. Diese Verbote betrafen zwei Fernsehspots, zwei Videoanzeigen und einen Radiospot, die in den Monaten April und Mai 2026 ausgestrahlt wurden. Trotz dieser Rückschläge expandiert das Unternehmen massiv, unterstützt durch eine Series-C-Finanzierungsrunde im Januar, die stolze 35 Millionen US-Dollar (rund 26,9 Millionen Britische Pfund) in die Kassen spülte. Mit diesem Kapital wurde unter anderem Dale Tang als General Manager für Kanada eingestellt, um die internationalen Ambitionen des Buchmachers zu untermauern.

Die ASA stellte klar, dass sowohl der Betreiber Dribble Media Ltd (handelnd als Midnite) als auch die Agentur Limay Media Ltd künftig eine strengere Aufsicht über KI-generierte Inhalte führen müssen.

„Die Anzeige darf in der beanstandeten Form nicht mehr erscheinen. Wir haben Dribble Media Ltd t/a Midnite und Limay Media Ltd angewiesen, sicherzustellen, dass ihre Glücksspielwerbung keine Personen zeigt, die unter 25 Jahre alt sind oder so wirken, als ob sie spielen oder eine bedeutende Rolle in der Anzeige einnehmen.“ - Sprecher der Advertising Standards Authority (ASA)

Hintergrund

Ein weiterer Streitpunkt war eine Kampagne auf der Plattform X, ehemals Twitter. Hier nutzte Midnite eine KI-Version des englischen Nationalspielers Trent Alexander-Arnold. Obwohl der Anbieter argumentierte, es handele sich um eine redaktionelle Parodie ohne direkte Wettquoten, sah die ASA darin eine klare Werbemaßnahme. Da Alexander-Arnold als Star der Premier League eine enorme Anziehungskraft auf Kinder und Jugendliche ausübt, wurde auch dieser Inhalt als unzulässig eingestuft. Midnite räumte ein, dass Spieler dieses Kalibers ein hohes Risiko in Bezug auf die Attraktivität für Unter-18-Jährige darstellen, versuchte jedoch vergeblich, den Post als reinen Humor zu deklarieren.

Andrew Mook, Head of Brand Marketing bei Midnite, hatte die Nutzung von künstlicher Intelligenz in der Werbung noch im letzten Winter offensiv beworben. Nun zeigt sich, dass diese Technologie ein zweischneidiges Schwert ist. Während sie Kosten spart und kreative Möglichkeiten eröffnet, macht sie die Einhaltung der strengen Jugendschutzregeln komplexer. Die ASA betonte, dass technische Plattformen wie X oft auf Selbsteinschätzungen beim Alter setzen, was keinen ausreichenden Schutz bietet, wenn der Inhalt selbst für Minderjährige optimiert ist.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Kunden von Online-Casinos und Sportwetten-Plattformen ist dieser Fall ein wichtiges Signal. In Deutschland regelt der Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021) den Markt extrem streng. Anbieter, die auf der offiziellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen wollen, müssen drakonische Auflagen beim Jugendschutz erfüllen. Dazu gehören nicht nur das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über das System LUGAS, sondern auch strikte Werbeverbote zwischen 6 und 21 Uhr im Fernsehen und Internet. Ein KI-generierter Influencer, der unter 25 wirkt, hätte in Deutschland keine Chance auf eine legale Ausstrahlung. Spieler sollten daher immer prüfen, ob ein Anbieter eine deutsche Lizenz besitzt, um sicherzustellen, dass solche fragwürdigen Marketingmethoden und der mangelnde Spielerschutz keine Rolle spielen.

Was das für GGL-Casinos heißt

Deutsche Casinos mit GGL-Lizenz müssen ihre Affiliate-Partner extrem kurz halten. Der Fall Midnite zeigt, dass die Verantwortung für die Werbung immer beim Lizenznehmer verbleibt, auch wenn ein externer Partner den Fehler macht. Die GGL überwacht das Internet intensiv auf Verstöße gegen das Werbeverbot. Wer KI-Tools nutzt, um junge Zielgruppen anzusprechen, riskiert in Deutschland sofortige Bußgelder oder den Entzug der Konzession. Die Integrität des Marktes hängt davon ab, dass Prominente mit starker Wirkung auf Minderjährige, wie etwa aktive Fußballstars, konsequent aus der Glücksspielwerbung herausgehalten werden.

Häufige Fragen

Warum wurde die TikTok-Werbung von Midnite verboten?

Die Werbung zeigte eine Person, die laut der Aufsichtsbehörde ASA unter 25 Jahre alt wirkte. Dies verstößt gegen die Jugendschutzregeln für Glücksspielwerbung, die den Einsatz von jungen Testimonials strikt untersagen.

Darf man KI-generierte Personen in der Werbung nutzen?

Grundsätzlich ja, aber sie müssen den gleichen Regeln unterliegen wie echte Menschen. Wenn eine KI-Figur jugendlich aussieht oder einen Kleidungsstil trägt, der Minderjährige anspricht, ist sie in der Glücksspielwerbung verboten.

Welche Konsequenzen hatte der Verstoß für Midnite?

Das Unternehmen musste die Werbung sofort entfernen und hat die Zusammenarbeit mit dem verantwortlichen Affiliate-Partner beendet. Zudem steht der Anbieter nach 125 Beschwerden über frühere Kampagnen unter verschärfter Beobachtung.

Wie reagierte die ASA auf den Einsatz von Fußballstars in KI-Videos?

Die Behörde untersagte auch ein Video mit einer KI-Version von Trent Alexander-Arnold. Da aktive Profisportler eine hohe Anziehungskraft auf Jugendliche haben, ist deren Nutzung in Glücksspielkontexten unzulässig.

Sind solche Werbepraktiken in Deutschland erlaubt?

Nein, der deutsche Glücksspielstaatsvertrag 2021 verbietet Werbung, die sich an Minderjährige richtet oder diese als Akteure nutzt. Legale Anbieter mit GGL-Lizenz müssen zudem strenge Einsatz- und Einzahlungslimits über LUGAS einhalten.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

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