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Regulierung

Vorhersagemärkte vor dem Obersten Gerichtshof: Crypto.com und Robinhood fordern Klarheit

16. September 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Vorhersagemärkte vor dem Obersten Gerichtshof: Crypto.com und Robinhood fordern KlarheitKI-GENERIERT

Plattformen wie Crypto.com und Robinhood drängen den U.S. Supreme Court zu einer Grundsatzentscheidung über Event-Verträge, da 44 Generalstaatsanwälte gegen die CFTC-Zuständigkeit protestieren.

Der Streit um die rechtliche Einordnung von Vorhersagemärkten in den USA erreicht eine neue Eskalationsstufe. Führende Akteure wie Crypto.com und Robinhood Markets haben sich an den Supreme Court der Vereinigten Staaten gewandt, um eine endgültige Klärung der Zuständigkeiten herbeizuführen. Im Kern geht es um die Frage, ob staatliche Glücksspielbehörden das Recht haben, gegen sogenannte Event-Verträge vorzugehen, oder ob diese ausschließlich in den Bereich der Bundesaufsicht durch die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) fallen. Die Betreiber argumentieren vehement, dass es sich bei ihren Angeboten nicht um Wetten im klassischen Sinne handelt, sondern um komplexe Finanzinstrumente, die durch den Commodity Exchange Act (CEA) geschützt sind.

Die Situation ist für die Industrie existenzbedrohend, da eine Einstufung als Glücksspiel bedeuten würde, dass jede Plattform in jedem einzelnen Bundesstaat eine eigene Lizenz erwerben müsste. Bisher konnten Anbieter wie Kalshi und Polymarket unter dem Deckmantel der Finanzregulierung operieren, doch der Widerstand wächst. Besonders pikant ist die politische Dimension, da die Trump-Administration versucht, die Kontrolle auf Bundesebene zu behalten, während eine überparteiliche Gruppe von 44 Generalstaatsanwälten die Hoheit der Einzelstaaten über das Glücksspiel verteidigt. Die Diskrepanz zwischen den Ansichten der Bundesbehörden und den lokalen Aufsichtsorganen hat zu einem juristischen Flickenteppich geführt, der Innovationen hemmt und Nutzer verunsichert.

Zahlen und Fakten

Die rechtliche Grundlage bildet der Commodity Exchange Act aus dem Jahr 1936, der seither mehrfach angepasst wurde. Er legt den Rahmen fest, unter dem die CFTC agiert und Vorschriften im Titel 17 des Code of Federal Regulations veröffentlicht. Dass der Druck auf den Supreme Court nun so massiv zunimmt, liegt an widersprüchlichen Urteilen der unteren Instanzen. Während das US-Berufungsgericht für den 3. Bezirk mit 2-1 Stimmen zugunsten von Kalshi entschied und New Jersey untersagte, staatliche Glücksspielgesetze anzuwenden, urteilte das 9. Berufungsgericht in der Vorwoche genau umgekehrt. Dieses Gericht gab den Regulierungsbehörden in Nevada recht, was Kalshi dazu zwang, sein Angebot in diesem Bundesstaat vorerst einzustellen.

Ein wesentlicher Streitpunkt bleibt die Terminologie. Die Regulierungsbehörden werfen den Plattformen vor, aktiv Wettsprache zu nutzen, um Kunden anzulocken, während sie gleichzeitig juristisch behaupten, keine Glücksspielanbieter zu sein. Dylan Hedtler-Gaudette vom Project on Government Oversight betont, dass dies kein rein parteipolitisches Problem sei. Es ist eine fundamentale Frage des Föderalismus. Werden Sportwetten-Verträge als Swaps definiert, unterliegen sie der exklusiven Gerichtsbarkeit der CFTC. Werden sie als Wetten eingestuft, greifen die strengen Gesetze der Einzelstaaten, die oft Jahrzehnte an Präzedenzfällen zur Regulierung von Casinos und Rennbahnen vorweisen können.

Hintergrund

Die Debatte hat durch prominente Unterstützung und finanzielle Verflechtungen zusätzliche Schärfe erhalten. Donald Trump Jr., der Sohn des ehemaligen Präsidenten, agiert seit dem letzten Jahr als strategischer Berater für Kalshi und hält finanzielle Anteile an der Plattform. Dies stellt ihn und die Haltung der Trump-Administration in direkten Gegensatz zu vielen republikanischen Generalstaatsanwälten, die auf ihre Souveränität pochen. Howard Fischer, ein ehemaliger Staatsanwalt der Börsenaufsicht SEC, gibt zu bedenken, dass die Bundesstaaten personell viel besser aufgestellt sind, um solche Märkte zu überwachen.

„Anstatt in jedem Bundesstaat spezielle Abteilungen mit 10, 20 oder 30 Personen zu haben, wird man auf Bundesebene vielleicht nur ein oder zwei Personen haben, die möglicherweise sogar ehemalige Mitarbeiter der Vorhersagemärkte sind.“ - Howard Fischer, Partner bei Moses Singer

Diese Befürchtung vor einer zu schwachen Bundesaufsicht teilen viele Experten. Währenddessen explodiert das Handelsvolumen auf den Märkten, da Nutzer auf alles setzen, von Wahlausgängen bis hin zu Zinsschritten der Zentralbanken. Die Plattformen beharren darauf, dass sie einen gesellschaftlichen Nutzen bieten, indem sie kollektive Intelligenz bündeln und präzisere Vorhersagen als Umfrageinstitute liefern. Doch für die Aufsichtsbehörden in Atlantic City und Las Vegas sieht es schlichtweg nach Konkurrenz aus, die sich um die strengen Auflagen des Spielerschutzes und der Besteuerung herumdrücken will.

Was heißt das für deutsche Spieler?

In Deutschland ist die Lage durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) sehr viel eindeutiger geregelt als in den USA. Hierzulande müssen Anbieter von Online-Slots oder Sportwetten zwingend auf der Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen. Vorhersagemärkte, die politische Ereignisse oder gesellschaftliche Wetten anbieten, haben es in Deutschland schwer, da der Katalog erlaubter Wetten stark eingeschränkt ist. Für deutsche Nutzer bedeutet der US-Streit vor allem eines: Vorsicht bei ausländischen Plattformen ohne GGL-Lizenz. Wer auf Plattformen wie Kalshi oder Polymarket zugreift, bewegt sich im Bereich des illegalen Glücksspiels, da diese Anbieter weder das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat noch den Anschluss an das Sperrsystem LUGAS oder das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin garantieren.

Was das für GGL-Casinos heißt

Deutsche lizenzierte Casinos müssen sich derzeit keine Sorgen um eine direkte Konkurrenz durch Event-Verträge machen, da die GGL solche Mischformen aus Finanzprodukt und Wette kaum zulassen dürfte. Dennoch zeigt der Fall Crypto.com und Robinhood, dass die Grenze zwischen Trading und Gambling weltweit verschwimmt. Lizensierte Anbieter in Deutschland profitieren von der Rechtssicherheit, die den US-Plattformen gerade fehlt. Während in Amerika Gerichte streiten, ob Bundesrecht das Landesrecht bricht, bietet der GlüStV 2021 einen klaren Rahmen. Anbieter, die sich an die strengen deutschen Regeln halten, sind vor plötzlichen Marktausschlüssen, wie Kalshi sie in Nevada erleben musste, geschützt, solange sie die Spielerschutzauflagen erfüllen.

Häufige Fragen

Was genau sind Vorhersagemärkte wie Kalshi oder Polymarket?

Es handelt sich um Plattformen, auf denen Nutzer sogenannte Event-Verträge handeln können, um auf den Ausgang künftiger Ereignisse zu setzen. Die Betreiber bezeichnen dies als Derivatehandel, während Regulierungsbehörden darin oft eine Form von Sportwetten oder Glücksspiel sehen.

Warum fordert Crypto.com die Einmischung des Supreme Court?

Es gibt einen juristischen Konflikt zwischen verschiedenen Berufungsgerichten in den USA, der zu unterschiedlichen Regeln in den Bundesstaaten führt. Während Nevada die Plattformen zur Schließung zwang, urteilte ein Gericht in New Jersey kürzlich eher zugunsten der Anbieter, was für Rechtsunsicherheit sorgt.

Was besagt der Commodity Exchange Act von 1936 in diesem Zusammenhang?

Dieses Gesetz bildet den Rahmen für die Bundesaufsicht über Warentermingeschäfte durch die CFTC. Die Plattformen argumentieren, dass dieses Bundesrecht Vorrang vor den Glücksspielgesetzen der einzelnen US-Bundesstaaten hat und sie somit keine Casino-Lizenzen benötigen.

Welche Rolle spielt die Trump-Administration in diesem Streit?

Die Regierung in Washington versucht derzeit, die Regulierung dieser Märkte auf Bundesebene zu zentralisieren und die Staaten zu verdrängen. Dies führt zu einem Konflikt mit 44 Generalstaatsanwälten, die ihre eigene Aufsichtsgewalt über das Glücksspiel gefährdet sehen.

Darf ich als deutscher Spieler auf diesen US-Plattformen wetten?

Nein, solche Angebote verfügen in der Regel über keine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Das Wetten auf diesen Plattformen verstößt gegen den Glücksspielstaatsvertrag 2021 und bietet keinen Schutz durch deutsche Sicherheitsmechanismen wie LUGAS oder OASIS.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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