Perus Glücksspielmarkt: Paradies für Betreiber, Kampfzone für Profite
KI-GENERIERTPeru entwickelt sich zum Schauplatz eines Glücksspiel-Paradoxons: Die Regulierungen sind flexibel, die Steuern mit 12 % plus 1 % niedrig. Doch das lockt so viele Anbieter an, dass der Markt überfüllt ist und die Wettbewerbsintensität den Spielraum für Profite minimiert.
In Lateinamerika beobachten wir derzeit zwei gegenläufige Entwicklungen im Online-Glücksspiel. Während Länder wie Brasilien mit übereilten Nachbesserungen an ihren jungen Regulierungen kämpfen, steht Peru vor einem ganz anderen Problem. Dort herrscht eine extreme Übersättigung des Marktes. Die Bedingungen sind für die Betreiber so entgegenkommend, dass der Hauptkampf nicht gegen die Behörden geführt wird, sondern gegen die massive Konkurrenz.
Eddie Morales, Business Development Manager bei Zenith, sprach mit Lucia Gando und SBC Noticias über dieses Paradoxon. Er betont, dass Peru sich durch eine bemerkenswert agile Markteinführung auszeichnet. Der Prozess ist schlanker als in manch etablierten Glücksspielregionen.
Zahlen und Fakten
Morales hebt hervor, dass die peruanische Regulierung sehr flexibel ist. Sie ermöglicht eine reibungslose Abwicklung bürokratischer Abläufe. Er vergleicht den Markt sogar mit Kolumbien, das schon deutlich länger reguliert ist, und stellt fest, dass Peru schneller agiert. Ein weiterer großer Vorteil für Betreiber sind die vergleichsweise niedrigen Steuern. Das System ist zweigeteilt: Es gibt eine spezielle Glücksspielsteuer von 12 % auf die Bruttoeinnahmen (Gross Gaming Revenue, GGR) und eine zusätzliche 1 % Steuer auf den Wert jeder Wette, bekannt als Selective Consumption Tax.
„Die Steuerlast ist relativ gering. 12 % plus 1 % stellen ein recht niedriges Steuerniveau dar. Selbst weltweit gehört es zu den niedrigsten. Ich würde sagen, es ist ein ideales Szenario für jeden Betreiber“, sagte Morales. Diese attraktiven Bedingungen haben Peru zu einem begehrten Ziel gemacht. Doch die Attraktivität hat eine unerwartete Kehrseite: Der Markt wird schlichtweg zu voll. Peru hat seinen regulierten iGaming-Markt erst im Februar 2024 gestartet. Morales rechnet damit, dass bis Ende des Jahres bald 100 lizenzierte Betreiber dort aktiv sein werden. Lokale Marken und internationale Giganten buhlen um Marktanteile. Dies treibt die Kosten für die Spielerakquise in die Höhe.
Hintergrund
Die Kehrseite der Medaille ist die geringe Kaufkraft der lokalen Bevölkerung. Diese erreicht nicht das Niveau reiferer Märkte. Morales stuft Peru diesbezüglich als „Drittweltmarkt“ für den Spielerwert ein. Trotz hoher Investitionen in die Spielerakquise ist der Return-on-Investment unsicher. Dmitry Starostenkov, CEO von EvenBet Gaming, betrachtet Lateinamerika als vielversprechenden Markt für Online-Gaming. Er stellte fest, dass sich der Verkehr in den Pokerräumen im Jahr 2021 eingependelt hat. Neue Gamification- und Promotion-Formate helfen, die Spielerbindung hochzuhalten. Henk Wolff, ein iGaming-Berater, warnt vor den Folgen zu hoher Steuern. Er sagt:
„Wenn man die Steuer über die 30 % Schwelle anhebt, sieht man viel Schwarzmarktaktivität in diesem Land, weil diese Betreiber nicht mehr konkurrieren können.“ - Henk Wolff, iGaming-Berater
Er sieht eine Parallele zu den Niederlanden, wo eine Steuererhöhung von 30,5 % auf 34,2 % im Jahr 2025 und weiter auf 37,8 % in diesem Jahr zur Folge hatte, dass der GGR für legale Sportwettenanbieter sank, während der Schwarzmarktanteil stieg. LiveScore Bet zog sich 2024 sogar vom niederländischen Markt zurück, da eine Profitabilität erst nach zehn Jahren absehbar gewesen wäre. Hohe Steuern und strenge Vorschriften können legale Betreiber in die Klemme bringen und Spieler in den Schwarzmarkt treiben. Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig eine ausgewogene Regulierung ist, die sowohl den Spielerschutz als auch die Wettbewerbsfähigkeit der legalen Anbieter berücksichtigt.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler sind die Entwicklungen in Peru nur indirekt relevant. In Deutschland ist der Glücksspielmarkt seit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) streng reguliert. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) vergibt Lizenzen an seriöse Anbieter. Spieler in Deutschland sollten ausschließlich auf der GGL-Whitelist gelistete Casinos wählen. Diese Casinos halten sich an strenge Auflagen zum Spielerschutz. Dazu gehören ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro, ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Spielautomaten und die Anbindung an die zentrale Sperrdatei LUGAS. Diese Maßnahmen sollen Spielsucht vorbeugen und ein sicheres Spielumfeld gewährleisten. Das Problem der Marktübersättigung wie in Peru gibt es hier nicht. Die GGL überwacht die Anzahl der Lizenzen und stellt sicher, dass ein fairer Wettbewerb unter klar definierten Regeln stattfindet. Deutsche Spieler profitieren von einem hohen Schutzniveau und einem transparenten Markt, auch wenn dies zu Lasten von Bonusangeboten oder der Vielfalt an Spielen gehen kann.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für GGL-lizenzierte Casinos in Deutschland bedeuten die Erfahrungen aus Peru vor allem zweierlei: Erstens bestätigen sie die Notwendigkeit eines regulierten Marktes, der Überregulierung und Übersättigung gleichermaßen vermeidet. Die GGL-Regulierung mag auf den ersten Blick streng erscheinen, sie schafft aber einen stabilen Rahmen. Sie schützt Anbieter vor einem ruinösen Wettbewerb, wie er in Peru entsteht, und vor dem Abwandern der Spieler auf den Schwarzmarkt durch überhöhte Steuerlasten, wie im Falle der Niederlande. Zweitens unterstreicht es die Bedeutung eines angemessenen Steuerregimes. Die deutschen Glücksspielsteuern sind höher als in Peru, aber sie sollen einen fairen Rahmen schaffen. GGL-Casinos müssen sich auf die Einhaltung der deutschen Vorschriften konzentrieren. Dazu gehört auch die Bereitstellung eines sicheren und verantwortungsvollen Spielerlebnisses. Dies schafft Vertrauen und Bindung bei den Spielern, was langfristig wichtiger ist als kurzfristige Gewinne in einem unregulierten oder übersättigten Markt.
Häufige Fragen
Warum ist Perus Glücksspielmarkt trotz attraktiver Bedingungen paradox?
Peru bietet niedrige Steuern und flexible Regulierung, was viele Anbieter anzieht. Diese hohe Dichte führt zu intensivem Wettbewerb, der die Gewinnmargen für Betreiber minimiert und den Markt übersättigt.
Wie hoch ist die Steuerlast für Glücksspielbetreiber in Peru?
Die Steuerlast besteht aus einer Glücksspielsteuer von 12 % auf die Bruttolottoumsätze (GGR). Zusätzlich fällt eine 1 % Steuer auf den Wert jeder Wette an, bekannt als Selective Consumption Tax.
Wie viele lizenzierte Betreiber werden Ende 2024 in Peru erwartet?
Bis Ende 2024 rechnet Eddie Morales von Zenith mit bald 100 lizenzierten Betreibern auf dem peruanischen Markt. Dies zeigt die schnelle Expansion seit dem Start im Februar 2024.
Welche Herausforderungen gibt es trotz der niedrigen Steuern in Peru?
Die lokale Kaufkraft in Peru ist geringer als in reiferen Märkten, was den Spielerwert als 'Drittweltmarkt' einstuft. Hohe Kosten für die Spielerakquise führen zu unsicherem Return-on-Investment.
Was bedeutet die Situation in Peru für deutsche Spieler und GGL-lizenzierte Casinos?
Für deutsche Spieler sind die Entwicklungen indirekt relevant, da der deutsche Markt durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 stark reguliert ist. GGL-lizenzierte Casinos können aus Perus Erfahrungen lernen, dass ein regulierter Markt mit ausgewogener Besteuerung und Vermeidung von Übersättigung für Stabilität sorgt.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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