Polymarket feuert Marketingchef nach Vorwürfen über getürkte Wett-Videos
KI-GENERIERTDer Prognosemarkt Polymarket trennt sich von CMO Matthew Modabber. Grund sind Ermittlungen zu fingierten Videos und geheimen Zahlungen von über 2,5 Millionen Dollar.
Die Welt der Prognosemärkte bebt, während einer ihrer bekanntesten Akteure einen harten internen Schnitt vollzieht. Polymarket hat die Zusammenarbeit mit seinem Chief Marketing Officer Matthew Modabber mit sofortiger Wirkung beendet. Dieser Schritt ist das Ergebnis einer internen Untersuchung, die durch brisante Medienberichte ins Rollen kam. Modabber war seit Januar 2024 im Amt und galt als einer der engsten Vertrauten von Firmengründer Shayne Coplan. Sein Abgang markiert einen Wendepunkt für das Unternehmen, das sich eigentlich auf Expansionskurs befindet, nun aber mit schweren Vorwürfen konfrontiert sieht.
Die Vorwürfe wiegen schwer und betreffen den Kern der Marketingstrategie. Es geht um manipulierte Videos, in denen Influencer angeblich hohe Gewinne auf der Plattform erzielten, die jedoch in Wahrheit auf Simulationen basierten. Solche Praktiken kratzen massiv an der Glaubwürdigkeit eines Anbieters, der mit der Vorhersage realer Ereignisse wirbt. Während die Plattform intern aufräumt, schauen die Regulierungsbehörden bereits ganz genau hin. Die rechtlichen Konsequenzen könnten weitreichend sein, da nicht nur Investoren, sondern auch staatliche Stellen Aufklärung fordern.
Zahlen und Fakten
Besonders pikant sind die Details zu den Finanzströmen, die im Rahmen der Untersuchung ans Licht kamen. Zwischen Januar 2025 und Februar 2026 sollen über 2,5 Millionen Dollar über das private PayPal-Konto von Modabber an mehr als 800 Empfänger geflossen sein. Davon wurden mindestens 350.000 Dollar direkt an Influencer gezahlt, ohne dass diese kommerziellen Beziehungen immer transparent offengelegt wurden. In einigen Werbeclips wurden Gewinne von rund 1,9 Millionen Dollar suggeriert, die laut Berichten niemals in realen Trades erzielt wurden.
Die National Association of Consumer Advocates (NACA) hat bereits am 26. Juni eine Klage gegen Polymarket, Shayne Coplan und Matthew Modabber eingereicht. Die Kläger werfen dem Unternehmen vor, gezielt junge Menschen im College-Alter mit irreführenden Versprechungen angesprochen zu haben. Dabei wurden offenbar verkürzte Videoausschnitte genutzt, die wie gewöhnliche Social-Media-Beiträge wirkten, um die strengen Kennzeichnungspflichten für Werbung zu umgehen. Das Unternehmen betonte zwar, man wolle die Werbeinhalte prüfen, doch die personellen Konsequenzen sprechen eine deutliche Sprache.
Hintergrund
Matthew Modabber bezeichnete sich selbst als den elften Mitarbeiter des Unternehmens. Er leitete ein Team von über 50 Angestellten und war maßgeblich für das schnelle Wachstum der täglichen Handelsaktivitäten verantwortlich. Trotz dieses Erfolgs wuchsen hinter den Kulissen die Bedenken der Investoren. Anwälte des Unternehmens sollen Modabber bereits früher angewiesen haben, die umstrittenen Praktiken einzustellen. Die Entlassung könnte auch ein strategischer Schachzug sein, um das Image für einen möglichen Börsengang (IPO) zu polieren.
„Die Untersuchung ergab, dass einige Online-Ersteller Videos posteten, die fälschlicherweise zeigten, wie Kunden etwa 1,9 Millionen Dollar über die Plattform gewannen." - Auszug aus dem Untersuchungsbericht der Wall Street Journal Recherche.
Es bleibt abzuwarten, ob die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) weitere Schritte einleitet. Bisher gibt es keine offiziellen Feststellungen von Fehlverhalten durch die Behörde, doch der Druck auf das Management von Polymarket wächst. Die Umstrukturierung im Marketingbereich, die bereits im August mit neuen Führungskräften begann, soll nun für sauberere Prozesse sorgen.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler ist die Situation um Polymarket eine deutliche Erinnerung an die Risiken nicht regulierter Plattformen. In Deutschland ist das Online-Glücksspiel durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) streng geregelt. Anbieter müssen eine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) besitzen, um legal operieren zu dürfen. Polymarket verfügt nicht über eine solche Lizenz für den deutschen Markt. Wer auf solchen Plattformen agiert, bewegt sich im rechtlichen Graubereich und verzichtet auf wichtige Schutzmechanismen wie das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat oder das Einsatzlimit von einem Euro pro Spielrunde bei Slots.
Zudem bietet das zentrale Sperrsystem LUGAS in Deutschland einen Schutz, den internationale Prognosemärkte nicht leisten können. Die aktuellen Skandale um vorgetäuschte Gewinne zeigen, wie wichtig Transparenz ist. Deutsche Lizenzen garantieren, dass Marketingmaßnahmen geprüft werden und keine irreführenden Gewinnversprechen gemacht werden dürfen. Wer sicher spielen möchte, sollte zwingend die offizielle Whitelist der GGL prüfen. Alles andere birgt die Gefahr, Opfer von intransparenten Praktiken zu werden, wie sie Modabber nun vorgeworfen werden.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für legal operierende Casinos in Deutschland ist dieser Vorfall eine Bestätigung ihrer strengen Werberichtlinien. Während internationale Player wie Polymarket mit unlauteren Methoden Marktanteile erkaufen, müssen sich deutsche Anbieter an strikte Vorgaben halten. Das sorgt zwar für einen Wettbewerbsnachteil bei der Reichweite, schafft aber langfristiges Vertrauen. Die Branche in Deutschland profitiert davon, dass schwarze Schafe auf internationaler Bühne entlarvt werden, da dies den Wert einer staatlichen Regulierung unterstreicht. Compliance ist im Jahr 2026 kein bloßes Schlagwort mehr, sondern die Existenzgrundlage für seriöse Glücksspielanbieter.
Häufige Fragen
Warum wurde der Marketingchef von Polymarket entlassen?
Matthew Modabber wurde nach einer internen Untersuchung entlassen, die Vorwürfe über irreführende Werbemethoden bestätigte. Dazu gehörten inszenierte Trading-Videos und unzureichend gekennzeichnete Influencer-Kooperationen. Das Unternehmen zieht damit die Konsequenzen aus regulatorischem Druck und Investorensorgen.
Welche Summen flossen in die umstrittene Werbung?
Es wird berichtet, dass über 2,5 Millionen Dollar über ein privates PayPal-Konto an hunderte Empfänger verteilt wurden. Mindestens 350.000 Dollar davon gingen direkt an Influencer, die den Prognosemarkt bewarben. Ein Teil der Videos täuschte Gewinne von bis zu 1,9 Millionen Dollar vor.
Gibt es rechtliche Konsequenzen für das Unternehmen?
Ja, die National Association of Consumer Advocates hat am 26. Juni 2026 eine Klage eingereicht. Zudem prüfen Behörden wie die CFTC, ob die Plattform gegen geltende Handels- und Werbegesetze verstoßen hat. Ein Urteil oder offizielle Behördenentscheidungen stehen noch aus.
Sind Prognosemärkte wie Polymarket in Deutschland legal?
In Deutschland unterliegen solche Angebote dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 und benötigen eine Lizenz der GGL. Polymarket besitzt keine deutsche Lizenz, weshalb die Teilnahme für deutsche Nutzer rechtliche Risiken birgt. Spieler sollten ausschließlich Anbieter von der offiziellen Whitelist nutzen, um durch LUGAS und Einsatzlimits geschützt zu sein.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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