Milliarden-Umsatz bei Polymarket sorgt für US-Rechtsstreit um illegales Glücksspiel
KI-GENERIERTDie Prognoseplattform Polymarket erreicht eine Run-Rate von einer Milliarde Dollar Umsatz, während 20 US-Bundesstaaten wegen illegalem Glücksspiel klagen.
Die Welt der Prognosemärkte erlebt derzeit einen beispiellosen Goldrausch, der jedoch von einem juristischen Gewitter überschattet wird. Die Plattform Polymarket, die noch zu Beginn des Jahres 2026 kaum Umsätze verzeichnete, ist in nur sechs Monaten zu einem Giganten mit einer Umsatz-Run-Rate von einer Milliarde US-Dollar aufgestiegen. Getrieben wurde dieses Wachstum vor allem durch die Aufhebung der US-Warteliste im Mai 2026 und eine Flut von Handelsgebühren, die vor Januar 2026 praktisch nicht existierten. Während Investoren Schlange stehen, um das Unternehmen mit über 20 Milliarden Dollar zu bewerten, formiert sich an einer anderen Front massiver Widerstand.
Insgesamt 20 US-Bundesstaaten befinden sich in aktiven Rechtsstreitigkeiten mit Plattformen wie Polymarket und dem Konkurrenten Kalshi. Der Kernvorwurf wiegt schwer: Die angebotenen Kontrakte auf Sportereignisse seien nichts anderes als illegales Glücksspiel unter einzelstaatlichem Recht. Besonders brisant ist ein Brief, den 44 Generalstaatsanwälte unterzeichneten. Sie sprechen den Bundesbehörden die alleinige Zuständigkeit ab und fordern das Recht ein, die Plattformen nach lokalen Casinogesetzen zu regulieren. Dies stellt das gesamte Geschäftsmodell infrage, das bisher auf einer zentralen Regulierung als Finanzprodukt durch die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) basierte.
Zahlen und Fakten
Die wirtschaftliche Dynamik ist atemberaubend. Im Oktober 2025 beteiligte sich die Intercontinental Exchange (ICE) mit zwei Milliarden Dollar an Polymarket, was damals einer Bewertung von neun Milliarden Dollar entsprach. Bis März 2026 stieg diese Bewertung bereits auf 15 Milliarden Dollar. Aktuell verhandelt das Unternehmen laut Berichten über eine weitere Finanzierungsrunde von einer Milliarde Dollar bei einer Bewertung von über 20 Milliarden Dollar. Konkurrent Kalshi wurde im Mai sogar mit 22 Milliarden Dollar bewertet und strebt eine Bewertung von 40 Milliarden Dollar an.
Dem gegenüber stehen Schätzungen der Tax Foundation, wonach den Bundesstaaten durch die fehlende Glücksspielregulierung jährlich etwa zwei Milliarden Dollar an Steuereinnahmen entgehen. Um den Markt zu legitimieren, hat Polymarket exklusive Partnerschaften geschlossen. Ein Deal mit der Major League Baseball (MLB) wird auf 150 bis 300 Millionen Dollar über drei Jahre geschätzt. Zudem sicherte sich die Plattform Rechte für 20.000 ATP-Tennis-Matches pro Saison. Auch Sportradar ist als Datenlieferant an Bord und deckt nun 300.000 Spiele pro Jahr in über 20 Ligen ab, darunter auch die deutsche Bundesliga.
Hintergrund
Der Konflikt erreichte am 28. August 2026 einen vorläufigen Höhepunkt. Ein dreiköpfiges Richtergremium des Neunten Berufungsgerichts entschied einstimmig, dass Bundesstaaten Prognosemärkte als Glücksspiel regulieren dürfen. Die Richter, allesamt unter der Trump-Administration ernannt, erklärten unmissverständlich, dass der Inhalt von Sportereignis-Kontrakten im Kern Sportwetten darstellt. Damit widersprachen sie einem früheren Urteil des Dritten Berufungsgerichts, was einen Fall für den Supreme Court fast unumgänglich macht.
Die CFTC unter ihrem Vorsitzenden Michael Selig versucht indes, ihre exklusive Hoheit zu verteidigen. Selig bezeichnete Prognosemärkte als das nächste Krypto und betonte die Notwendigkeit eines bundesweiten Rahmens. Die Behörde hat bereits neun Staaten verklagt, um deren Eingreifen zu verhindern. Gleichzeitig wächst der Druck hinsichtlich der Marktintegrität.
„Die Substanz der auf der Kalshi-Börse angebotenen Sportereignis-Kontrakte ist Sportwetten.“ - Urteil des Neunten Berufungsgerichts vom 28. August 2026
Eine Analyse von Bloomberg ergab, dass allein im ersten Halbjahr 2026 rund 200 Millionen Dollar an Handelsvolumen auf Polymarket Anzeichen von Insiderhandel aufwiesen. Dies betraf vor allem geopolitische Wetten auf Ereignisse im Iran oder Venezüla. Polymarket reagierte darauf mit der Übergabe von 100 Wallet-Adressen an die Strafverfolgungsbehörden.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler stellt sich die Situation bei Prognosemärkten wie Polymarket hochkompliziert dar. In Deutschland unterliegt Glücksspiel dem strengen Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021). Plattformen, die Wetten auf Sportereignisse oder andere zukünftige Ereignisse anbieten, benötigen eine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Aktuell finden sich solche Krypto-basierten Prognosemärkte nicht auf der offiziellen Whitelist der GGL. Das bedeutet, dass die Teilnahme an solchen Märkten aus Deutschland heraus rechtlich als Teilnahme an illegalem Glücksspiel gewertet werden kann.
Zudem fehlen bei diesen Plattformen die deutschen Spielerschutzmaßnahmen. Es gibt kein übergreifendes Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über das LUGAS-System und keine Anbindung an die Sperrdatei OASIS. Auch das Einsatzlimit von einem Euro pro Spin bei Slots oder vergleichbare Beschränkungen existieren dort nicht. Da Polymarket Kontrakte anbietet, die teils nur fünf Minuten laufen, ist das Suchtpotenzial vergleichbar mit hochfrequenten Casinospielen, was den deutschen Regulierern ein Dorn im Auge ist.
Was das für GGL-Casinos heißt
Lizenzierte deutsche Anbieter sehen in diesen Plattformen eine unfaire Konkurrenz. Während GGL-Casinos hohe Steuern zahlen und strikte Auflagen zum Spielerschutz erfüllen müssen, agieren Prognosemärkte oft in einer rechtlichen Grauzone ohne diese Kostenbelastungen. Der Fall in den USA zeigt, dass die etablierte Glücksspielindustrie massiv Lobbyarbeit betreibt, um diese neuen Wettbewerber zur Rechenschaft zu ziehen. Deutsche Anbieter können sich darauf berufen, dass nur auf der Whitelist geführte Casinos Sicherheit und Rechtmäßigkeit garantieren. Sollte sich der Trend zu Prognosemärkten in Europa fortsetzen, wird die GGL vermutlich ähnlich strikt reagieren wie die US-Generalstaatsanwälte, um den kanalisierten Markt zu schützen.
Häufige Fragen
Ist Polymarket in den USA legal?
Die rechtliche Lage ist derzeit gespalten. Während die Bundesbehörde CFTC Lizenzen für den Betrieb erteilt hat, stufen 20 Bundesstaaten die Plattform als illegal ein. Ein aktuelles Gerichtsurteil vom 28. August 2026 erlaubt es den Staaten nun vorerst, Polymarket nach lokalen Glücksspielgesetzen zu regulieren.
Welche Sportarten werden auf der Plattform angeboten?
Durch Partnerschaften mit der MLB, dem ATP-Tour-Tennis und Sportradar werden jährlich rund 300.000 Spiele abgedeckt. Dazu gehören unter anderem die Bundesliga, die Euroleague im Basketball und die NHL. Die Plattform nutzt offizielle Ligadaten, um Wetten auf Spielergebnisse anzubieten.
Wie hoch wird das Unternehmen Polymarket bewertet?
Polymarket strebt derzeit eine Bewertung von über 20 Milliarden US-Dollar an. Dies ist ein massiver Anstieg gegenüber der Bewertung von 9 Milliarden Dollar im Oktober 2025. Das Unternehmen befindet sich in Verhandlungen über eine neue Finanzspritze in Höhe von einer Milliarde Dollar.
Gibt es auf Prognosemärkten Probleme mit Insiderhandel?
Ja, laut einer Analyse wiesen Transaktionen im Wert von etwa 200 Millionen Dollar im ersten Halbjahr 2026 Merkmale von Insidergeschäften auf. Davon waren besonders geopolitische Wetten betroffen. Die Plattform hat daraufhin Informationen zu 100 verdächtigen Konten an Behörden weitergegeben.
Können deutsche Spieler Polymarket legal nutzen?
Nein, da Polymarket keine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) besitzt, gilt das Angebot in Deutschland als illegal. Spieler haben dort keinen Schutz durch den GlüStV 2021, keine Einzahlungslimits via LUGAS und keine Absicherung durch das Sperrsystem OASIS.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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