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Polymarket öffnet Daten für Forschung: Ein Wendepunkt für Prognosemärkte

2. August 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Polymarket öffnet Daten für Forschung: Ein Wendepunkt für PrognosemärkteKI-GENERIERT

Polymarket gewährt Wissenschaftlern Zugriff auf Handelsdaten, um Prognosegenauigkeit und Marktdesign zu untersuchen, während das Volumen 2025 auf über 44 Milliarden Dollar stieg.

Die Welt der Prognosemärkte erlebt derzeit eine beispiellose Transformation. Was einst als Nischenphänomen für Krypto-Enthusiasten begann, hat sich zu einem milliardenschweren Sektor entwickelt, der zunehmend die traditionelle Berichterstattung beeinflusst. Nun geht Polymarket einen Schritt weiter und öffnet seine digitalen Archive für die akademische Welt. Ein neu gegründetes, vom Unternehmen finanziertes Forschungsinstitut soll Doktoranden den Zugriff auf Marktaufzeichnungen ermöglichen, um die Genauigkeit von Vorhersagen und das Design der Märkte tiefgreifend zu analysieren. Dies geschieht in einer Zeit, in der Marktpreise immer häufiger als Gradmesser für politische und ökonomische Risiken herangezogen werden, während die Wissenschaft noch über die tatsächliche Belastbarkeit dieser Signale streitet.

Das Programm basiert auf akademischen Stipendien, wobei die Forscher die volle Kontrolle über ihre Fragestellungen, Methoden und Publikationsentscheidungen behalten sollen. Um Interessenkonflikte zu vermeiden, ist es den teilnehmenden Wissenschaftlern untersagt, während ihrer Arbeit am Institut auf Polymarket oder ähnlichen Plattformen zu handeln. Das Ziel ist klar definiert: Die Validität von Vorhersagemärkten soll durch externe Expertise gestärkt werden, insbesondere in Bereichen wie Preisbildung, Liquidität, Kryptographie und makroökonomische Prognosen. Die Leitung übernimmt Kai Brusch, Leiter der Datenabteilung bei Polymarket, unterstützt von Brian Jabarian, einem Assistenzprofessor an der Carnegie Mellon University, der laut Medienberichten keine persönliche Vergütung für diese Rolle erhält.

Zahlen und Fakten

Der Blick auf die nackten Zahlen verdeutlicht die Relevanz dieser Forschungsinitiative. Im Jahr 2025 erreichte das gesamte Handelsvolumen auf den großen Prognoseplattformen einen Rekordwert von über 44 Milliarden Dollar. Allein Polymarket verzeichnete zwischen Januar und November 2025 ein Volumen von rund 21,5 Milliarden Dollar. Das Wachstum ist rasant: Die Anzahl der Transaktionen stieg von etwa 240.000 Anfang 2024 auf über 43 Millionen Ende 2025 an. Auch die Nutzerbasis explodierte förmlich von 4.000 auf über 600.000 monatlich aktive Trader. Ein wichtiger Indikator für die Qualität dieser Märkte ist der sogenannte Brier-Score, der die Genauigkeit von Vorhersagen misst. Hier liegt der Durchschnittswert bei etwa 0,09, was eine hohe Prognosegüte signalisiert.

„Die Forschung wird die Genauigkeit der Märkte, die Preisbildung, die Liquidität, die Integrität der Abwicklung, Kryptographie, Sicherheit, künstliche Intelligenz, Wahlen und makroökonomische Prognosen umfassen.“ - Kai Brusch, Managing Director des Polymarket Institute

Hintergrund

Die Entscheidung von Polymarket kommt nicht überraschend, da der Konkurrent Kalshi bereits im Jahr 2025 eine ähnliche Forschungseinheit ins Leben gerufen hat. Der Zugang zu den Daten soll über eine Suite von APIs erweitert werden, die nicht nur Schlagzeilen-Preise, sondern auch Orderbücher, historische Zeitreihen und Handelsaktivitäten auf der Blockchain umfasst. Dies ist entscheidend, da wissenschaftliche Studien in diesem Bereich oft an fragmentierten Datensätzen scheitern. Preise allein erklären nicht, wer den Markt bewegt hat oder ob Liquiditätsschwankungen das Ergebnis verzerrt haben. Durch die Bereitstellung von Code und Datensätzen in öffentlichen Repositories sollen die Ergebnisse für Dritte replizierbar sein.

Jedoch bleibt die finanzielle Abhängigkeit ein Thema. Obwohl die Forscher das Recht behalten, ihre Ergebnisse unabhängig zu veröffentlichen, wird die Glaubwürdigkeit des Instituts davon abhängen, ob auch Studien erscheinen dürfen, die den Behauptungen von Polymarket widersprechen. Der Markt ist hochkonzentriert: Polymarket und Kalshi decken gemeinsam 85 bis 90 Prozent des Volumens ab. Während Kalshi in den USA durch die CFTC reguliert wird und jüngst nach Kanada expandierte, operiert Polymarket in einem anderen rechtlichen Rahmen, was die wissenschaftliche Aufarbeitung der Integrität umso wichtiger macht.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Nutzer ist die rechtliche Situation bei Prognosemärkten wie Polymarket komplex. Gemäß dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) benötigen Anbieter von Online-Glücksspiel oder Wetten eine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Polymarket verfügt derzeit über keine solche deutsche Lizenz. In Deutschland liegt der Fokus der Regulierung auf dem Spielerschutz, was sich in strikten Limits widerspiegelt: Das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei virtuellen Automatenspielen sind zentrale Säulen. Da Prognosemärkte oft als Wetten auf Ereignisse eingestuft werden könnten, fallen sie theoretisch unter das strenge deutsche Aufsichtsrecht.

Das IT-System LUGAS überwacht die Einhaltung dieser Limits in Deutschland. Plattformen ohne GGL-Lizenz bieten diesen Schutz nicht und sind somit als illegal einzustufen. Deutsche Spieler sollten daher ausschließlich Angebote nutzen, die auf der offiziellen White-List der GGL stehen. Die Forschungsergebnisse des neuen Instituts könnten zwar weltweit zur Akzeptanz von Prognosemärkten beitragen, ändern aber nichts an der aktuellen Sperrwirkung des deutschen Rechts für nicht lizensierte Betreiber. Wer in Deutschland rechtssicher wetten möchte, muss sich an lizenzierte Buchmacher halten, die staatlich geprüfte Sicherheit garantieren.

Was das für GGL-Casinos heißt

Lizenzierte deutsche Anbieter können von den Erkenntnissen des Polymarket-Instituts indirekt profitieren. Wenn die Wissenschaft belegt, dass Prognosemärkte effizienter sind als klassische Quotenberechnungen, könnten deutsche Buchmacher diese Mechanismen für ihre eigenen Quotenmodelle adaptieren. Dennoch bleibt der operative Unterschied gewaltig. Während Polymarket auf Krypto-Infrastruktur und globale Liquidität setzt, sind GGL-Casinos an enge regulatorische Korsette gebunden. Die Transparenz-Offensive von Polymarket setzt jedoch neue Standards für die gesamte Branche. Deutsche Anbieter, die bereits jetzt stark auf Datenintegrität und Spielerschutz setzen, werden genau beobachten, wie sich die wissenschaftliche Reputation dieser neuen Asset-Klasse entwickelt.

Häufige Fragen

Was ist das Ziel des neuen Polymarket-Instituts?

Das Institut soll Doktoranden weltweit Zugang zu Marktdaten gewähren, um die Genauigkeit von Prognosemärkten und deren Design unabhängig zu untersuchen. Forscher behalten dabei ihre Publikationsrechte und kontrollieren ihre eigenen wissenschaftlichen Methoden.

Welche Daten werden den Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt?

Polymarket plant den Zugriff auf öffentliche Marktdaten, Orderbücher, historische Zeitreihen und Handelsaktivitäten auf der Blockchain über spezielle APIs. Auch Code und Replikationsmaterialien sollen in öffentlichen Verzeichnissen geteilt werden.

Wie groß ist der Markt für Prognosemärkte aktuell?

Im Jahr 2025 betrug das gesamte notionale Handelsvolumen über 44 Milliarden Dollar, wovon Polymarket und Kalshi etwa 85 bis 90 Prozent kontrollierten. Das monatliche Volumen stieg zeitweise auf über 13 Milliarden Dollar an.

Dürfen die beteiligten Forscher selbst auf Polymarket handeln?

Nein, Teilnehmer des Polymarket Science Fellowship sind während ihrer Arbeit für das Institut ausdrücklich davon ausgeschlossen, auf Polymarket oder ähnlichen Plattformen zu traden. Dies soll die Integrität der Forschung sichern.

Sind Prognosemärkte wie Polymarket in Deutschland legal?

Anbieter ohne Lizenz der GGL, zu denen Polymarket gehört, dürfen ihre Dienste in Deutschland nicht legal anbieten. Deutsche Spieler sollten nur auf Anbieter der offiziellen White-List zurückgreifen, um durch LUGAS und den GlüStV 2021 geschützt zu sein.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

Erwähnte Unternehmen:Polymarket

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