Melilla lockt Online-Casinos: Steuer-Offensive in der spanischen Enklave
KI-GENERIERTDie spanische Stadt Melilla senkt die Steuern für Online-Glücksspielanbieter drastisch auf 10 Prozent des GGR, um sich als internationaler iGaming-Hub zu etablieren.
Die spanische autonome Stadt Melilla an der nordafrikanischen Küste schlägt einen mutigen Weg ein, um sich als führender Knotenpunkt für die Online-Glücksspielbranche zu positionieren. Mit der Einführung eines speziellen Steuersystems möchte die Stadtverwaltung iGaming-Unternehmen direkt vor Ort locken. Während die Branche weltweit oft mit steigenden Abgaben und strengeren Regeln kämpft, setzt Melilla auf das Gegenteil: massive steuerliche Entlastungen für Betreiber, die bereit sind, ihre Zelte physisch in der Enklave aufzuschlagen.
Es handelt sich dabei nicht nur um eine kleine Korrektur, sondern um ein strategisches Gesamtpaket. Die Stadt nutzt ihren besonderen Status innerhalb Spaniens, um fiskalische Vorteile zu bieten, die weit über das hinausgehen, was auf dem spanischen Festland üblich ist. Dabei geht es nicht nur um die Unternehmen selbst, sondern auch um die Menschen, die dort arbeiten. Mit Rückerstattungen bei der Einkommensteuer für Anwohner in Höhe von 60 Prozent wird Melilla auch als Wohnort für Fachkräfte aus der Technologiebranche attraktiver.
Zahlen und Fakten
Die konkreten Zahlen hinter diesem Vorhaben sind beeindruckend und zeigen, warum die Branche aufhorcht. Qualifizierte Betreiber können eine Reduzierung ihrer Körperschaftsteuerpflicht um 50 Prozent erwarten. Das drückt den effektiven Steuersatz auf etwa 12,5 Prozent. Noch entscheidender für das Tagesgeschäft ist jedoch die Steuer auf den Gross Gaming Revenue (GGR), also die Bruttospielerträge. Während im restlichen Spanien ein Satz von 20 Prozent gilt, müssen Unternehmen in Melilla lediglich 10 Prozent abführen.
Patricia Lalanda, Partnerin bei Loyra Abogados, erklärte dazu in einem Gespräch mit SiGMA:
„Heute ist Melilla kein Konzept oder eine politische Initiative mehr; es ist ein etabliertes Geschäftsumfeld. Die Schlüsselfrage ist nicht, ob der Erhalt einer Lizenz durch die Aufnahme des Betriebs in Melilla einfacher wird; das wird er nicht, sondern ob das Unternehmen einen Teil seiner Abläufe dort wirklich so aufbauen kann, dass die rechtlichen Anforderungen des speziellen Steuersystems erfüllt werden.“
Zusätzlich zu diesen Erleichterungen bietet die Stadt Steuergutschriften und Anreize für technologische Innovationen. Dies steht im Einklang mit der nationalen Strategie Spaniens, Investitionen in zukunftsorientierte Sektoren zu fördern. Trotz dieser regionalen Eigenheiten bleibt die Aufsicht streng zentralisiert. Die Directorate General for the Regulation of Gambling (DGOJ) behält die volle Kontrolle über die Einhaltung der Spielregeln.
Hintergrund
Bereits im Jahr 2018 begann Spanien damit, die Steuerlast für Online-Glücksspielanbieter landesweit von 25 Prozent auf 20 Prozent des GGR zu senken. Die Enklaven Ceuta und Melilla wurden dabei schon früh als Sonderzonen mit einem 10-prozentigen Steuersatz vorgesehen. Diese Politik trägt nun Früchte, da sich der spanische Markt als einer der stabilsten und am schnellsten wachsenden in Europa erwiesen hat. Laut Berichten der DGOJ verzeichnete der Sektor im ersten Quartal 2018 ein Umsatzwachstum von 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Die wirtschaftliche Erholung Spaniens nach Jahren der Sparpolitik ermöglichte es dem Finanzministerium, diese Änderungen diskret im Rahmen des jährlichen Budgets umzusetzen. Santiago Asensi von Asensi Abogados betonte, dass niedrigere Steuersätze dazu beitragen, Spieler in den regulierten Markt zu ziehen und vom Schwarzmarkt fernzuhalten. In einer Zeit, in der illegales Glücksspiel in Spanien im Jahr 2024 schätzungsweise 231 Millionen Euro ausmachte, ist die Stärkung legaler Anbieter ein wichtiges politisches Ziel.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler ändert sich durch die Steuerregeln in Melilla direkt an ihrem Spielalltag zunächst nichts. Wer von Deutschland aus spielt, ist an die Regeln des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GlüStV 2021) gebunden. In Deutschland gelten strikte Limits: Einzahlungen sind in der Regel auf 1.000 Euro pro Monat über das LUGAS-System begrenzt, und der Einsatz an virtuellen Spielautomaten darf maximal 1 Euro pro Drehung betragen.
Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass Betreiber, die in Melilla ansässig sind, eine spanische Lizenz der DGOJ besitzen müssen. Diese Unternehmen dürfen ihre Dienste legal in Spanien anbieten, aber nicht automatisch in Deutschland. Deutsche Kunden sollten ausschließlich in Casinos spielen, die auf der offiziellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen. Ein Anbieter mit Sitz in Melilla ohne deutsche GGL-Lizenz gilt hierzulande als illegaler Schwarzmarkt-Anbieter, auch wenn er in Spanien voll reguliert ist.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Betreiber mit einer deutschen GGL-Lizenz bleibt die steuerliche Situation in Deutschland eine Herausforderung. Während Melilla mit 10 Prozent GGR-Steuer lockt, müssen Anbieter in Deutschland 5,3 Prozent auf jeden einzelnen Einsatz bei Online-Slots und Poker abführen. Das ist eine völlig andere Berechnungsgrundlage als die Besteuerung des Bruttospielertrags. Der Wettbewerb zwischen den Standorten zeigt aber, dass regulatorische Stabilität und faire Steuern entscheidend sind, um Unternehmen langfristig an den legalen Markt zu binden.
Sollten sich internationale Giganten in Melilla ansiedeln, könnten sie theoretisch versuchen, mit den dort gesparten Steuern ihre Angebote in anderen regulierten Märkten zu verbessern. Doch die GGL achtet in Deutschland streng darauf, dass alle lizenzierten Anbieter die gleichen Wettbewerbsbedingungen haben. Ein Standortvorteil in Spanien führt also nicht automatisch zu einer Erleichterung auf dem deutschen Markt.
Häufige Fragen
Warum senkt Melilla die Steuern für Online-Glücksspielanbieter?
Die Stadt möchte sich als regionaler Hub für die iGaming-Branche etablieren und die lokale wirtschaftliche Aktivität stärken. Durch die Steuervorteile sollen Unternehmen dazu bewegt werden, ihre Büros und das Management physisch in die Stadt zu verlegen.
Wie hoch ist die Steuerersparnis für Unternehmen in Melilla?
Betreiber zahlen in Melilla nur 10 Prozent Steuer auf den Bruttospielertrag (GGR), während im restlichen Spanien 20 Prozent fällig werden. Zudem gibt es eine 50-prozentige Reduzierung der Körperschaftsteuer auf einen effektiven Satz von etwa 12,5 Prozent.
Müssen Unternehmen bestimmte Bedingungen erfüllen?
Ja, die steuerlichen Vorteile gelten nur, wenn die iGaming-Betreiber ihre Büros, operativen Prozesse und Managementfunktionen tatsächlich in Melilla ansiedeln. Eine reine Briefkastenadresse reicht für das spezielle Steuersystem nicht aus.
Welche Behörde überwacht das Glücksspiel in Melilla?
Trotz der regionalen Steuervorteile unterliegt die Überwachung weiterhin der nationalen spanischen Regulierungsbehörde Directorate General for the Regulation of Gambling (DGOJ). Damit gelten für die Anbieter die gleichen strengen gesetzlichen Anforderungen wie auf dem Festland.
Dürfen deutsche Spieler in Casinos aus Melilla spielen?
Nur wenn der Anbieter über eine offizielle Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) verfügt und auf der deutschen Whitelist steht. Eine spanische Lizenz berechtigt nicht zum Angebot von Glücksspielen auf dem deutschen Markt nach dem GlüStV 2021.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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