Tesco und Sportstars im Visier: Betrugsmasche mit illegalen Casino-Anzeigen
KI-GENERIERTIllegale Casinos nutzen unerlaubt Marken wie Tesco und Prominente wie Lewis Hamilton für Fake-Werbung auf Meta-Plattformen. Tesco meldete den Betrug bereits der Polizei.
Die Supermarktkette Tesco hat die Polizei der City of London eingeschaltet, nachdem das Unternehmen zum jüngsten Opfer einer großangelegten Betrugsserie durch unlizenzierte Online-Casinos wurde. In den sozialen Netzwerken Facebook und Instagram tauchten Anzeigen auf, die den falschen Eindruck erweckten, Tesco habe ein eigenes Casino gestartet. Diese illegalen Anbieter nutzen die enorme Markenbekanntheit des seit 1919 bestehenden Konzerns, um Vertrauen bei ahnungslosen Nutzern zu erschleichen. Dabei schrecken die Hintermänner auch nicht vor der Verwendung von Sportstars zurück, deren Gesichter ohne jegliche Zustimmung für die dubiosen Angebote herhalten müssen.
Neben Tesco sind auch die Großbank Barclays und bekannte Persönlichkeiten wie der Formel-1-Pilot Lewis Hamilton oder der Boxer Tyson Fury betroffen. Besonders perfide ist die Nutzung von KI-Technologie. In einer inzwischen gelöschten Anzeige für ein angebliches Barclays-Casino wurde eine computergenerierte Frau gezeigt, die sich in einer anstößigen Pose präsentierte, während sie auf ihrem Smartphone spielte. Diese Form des Identitätsdiebstahls betrifft nicht nur Firmen, sondern auch Fußballstars wie Jude Bellingham, Bruno Fernandes und Erling Haaland. Ein Anbieter namens Rainbet, der angibt, auf der Insel Anjouan lizenziert zu sein, nutzte sogar einen Doppelgänger von Haaland im Norwegen-Trikot als Croupier.
Zahlen und Fakten
Die Dimension des Betrugs ist beachtlich. Tesco verweist auf seine 107-jährige Unternehmensgeschichte in Großbritannien, um den Missbrauch seines Rufs zu verdeutlichen. Die Anzeigen leiteten Nutzer auf Webseiten weiter, die behaupteten, ein offizielles Tesco-Casino zu sein, obwohl diese über keinerlei Lizenz für den britischen Markt verfügen. Tyson Fury erklärte öffentlich, dass er in der Vergangenheit Angebote in Millionenhöhe von Glücksspielunternehmen abgelehnt habe und niemals für diese Branche werben würde. Trotz dieser klaren Dementis verbreiten sich die Fake-Anzeigen weiter. Die britische Gambling Commission räumte ein, dass die Bekämpfung dieser illegalen Aktivitäten schwierig sei, da die unbefugte Nutzung von geistigem Eigentum streng genommen außerhalb ihres direkten Zuständigkeitsbereichs liege.
Bejay Patel, Geschäftsführer für Großbritannien und Irland bei Entain, dem Mutterkonzern von Marken wie Coral und Gala Bingo, fand deutliche Worte für die Situation:
„Jedes Casino, das sich als lizenzierter Betreiber ausgibt, beutet sowohl britische Verbraucher als auch legitime Unternehmen aus und zahlt keine Steuern, während einige der weltweit größten Technologieplattformen weiterhin von der Schaltung ihrer Anzeigen profitieren.“ - Bejay Patel, Managing Director UK & Ireland bei Entain
Hintergrund
Viele dieser illegalen Seiten operieren aus Regionen wie Curacao, die als Hafen für Anbieter ohne Lizenzen in großen Märkten gelten. Die Kommunikation mit den Hintermännern erweist sich als nahezu unmöglich. So führte ein Kontaktlink beim Fake-Casino von Tyson Fury lediglich zu einer Seite mit der Nachricht Silence is golden. Der Plattformbetreiber Meta betonte zwar, die betroffenen Anzeigen nach Hinweisen entfernt zu haben, vertritt jedoch den Standpunkt, dass die Werbetreibenden selbst für die Einhaltung lokaler Gesetze verantwortlich seien. Kritiker fordern hingegen, dass die britische Medienaufsicht Ofcom eine härtere Gangart gegen Technologieunternehmen einschlagen muss, die solche Aktivitäten durch ihre Infrastruktur erst ermöglichen.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler ist dieser Fall eine eindringliche Warnung vor den Gefahren des Schwarzmarktes. In Deutschland ist die Rechtslage durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) eindeutig. Nur Anbieter, die auf der offiziellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen, dürfen ihre Dienste legal anbieten. Diese lizenzierten Casinos müssen strenge Spielerschutzmaßnahmen einhalten, wie das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro über das LUGAS-System und das Einsatzlimit von maximal 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten. Illegale Anbieter, wie die in der Betrugsserie genannten Fake-Casinos, umgehen diese Regeln komplett. Wer bei solchen Anbietern spielt, hat keinerlei Rechtssicherheit. Gewinne werden oft nicht ausgezahlt, und persönliche Daten sind bei Kriminellen, die Identitätsdiebstahl im großen Stil betreiben, absolut nicht sicher. Deutsche Kunden sollten jede Werbung, die mit ungewöhnlichen Partnerschaften oder Prominenten wirbt, kritisch hinterfragen und stets den Lizenzstatus in der GGL-Datenbank prüfen.
Was das für GGL-Casinos heißt
Seriöse, GGL-lizenzierte Casinos leiden massiv unter solchen Betrugsmaschen, da das Vertrauen in die gesamte Branche untergraben wird. Während legale Betreiber hohe Abgaben leisten und strenge Werberichtlinien befolgen müssen, agieren die Betrüger ohne Rücksicht auf Verluste. Für die GGL-Casinos bedeutet dies einen erhöhten Aufwand bei der Aufklärung ihrer Kunden. Sie müssen deutlich kommunizieren, dass sie die strengen deutschen Standards erfüllen und sich von solchen Praktiken distanzieren. Die Behörden in Deutschland beobachten solche internationalen Entwicklungen genau, um ähnliche Kampagnen auf dem hiesigen Markt frühzeitig zu unterbinden und die Integrität der lizenzierten Anbieter zu schützen.
Häufige Fragen
Welche bekannten Marken wurden für die Casino-Betrugsmasche missbraucht?
Die Supermarktkette Tesco, die Bank Barclays sowie die Marken Coral und Gala Bingo wurden Opfer der illegalen Werbung. Die Täter nutzen das Vertrauen in diese etablierten Namen, um Nutzer auf unlizenzierte Glücksspielseiten zu locken.
Welche Sportstars sind von dem Identitätsdiebstahl betroffen?
Unter anderem wurden die Gesichter von Lewis Hamilton, Tyson Fury, Erling Haaland, Jude Bellingham und Bruno Fernandes ungefragt verwendet. Die Werbeanzeigen nutzen oft KI-generierte Bilder oder Doppelgänger, um eine offizielle Zusammenarbeit vorzutäuschen.
Wie reagieren die betroffenen Unternehmen auf die Fake-Anzeigen?
Tesco hat die Polizei und das National Cyber Security Centre eingeschaltet, während Tyson Fury in einem Video klarstellte, niemals Glücksspiel zu bewerben. Die Unternehmen distanzieren sich ausdrücklich und versuchen, ihre Markenrechte juristisch zu schützen.
Warum sind diese Online-Casinos illegal?
Die beworbenen Seiten besitzen keine gültige Lizenz für die Märkte, in denen sie aktiv sind, wie zum Beispiel Großbritannien. Viele dieser Anbieter haben ihren Sitz in Offshore-Gebieten wie Curacao oder Anjouan und entziehen sich somit der staatlichen Aufsicht und Steuerpflicht.
Wie erkenne ich in Deutschland, ob ein Casino legal ist?
Spieler in Deutschland sollten prüfen, ob der Anbieter auf der Whitelist der GGL steht und die Regeln des GlüStV 2021 einhält. Legale Casinos bieten Schutzmaßnahmen wie das 1.000-Euro-Einzahlungslimit und sind an das Sperrsystem OASIS angeschlossen.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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