Härtere Regeln für Wettbüros: Londoner Stadtteil geht gegen Glücksspiel vor
KI-GENERIERTDer Londoner Rat von Barking und Dagenham plant drastische Einschränkungen für neue Lizenzen. In sozialen Brennpunkten sollen keine neuen Wettbüros mehr eröffnen dürfen.
Die Straßen von Barking und Dagenham im Osten Londons könnten sich bald grundlegend verändern. Der lokale Rat hat angekündigt, seine Glücksspielpolitik grundlegend zu überarbeiten, um den Schutz von Gebieten mit hoher sozialer Benachteiligung zu priorisieren. Beamte des Bezirks betonten, dass die neue Richtlinie künftig als Leitfaden für Stadträte und Mitarbeiter dienen wird, wenn über Anträge für neue Glücksspielstätten entschieden werden muss. Dabei rückt die Vermeidung von Schäden und die Verbesserung der öffentlichen Gesundheit in den Mittelpunkt der behördlichen Erwägungen.
Die aktuelle Situation im Bezirk ist geprägt von einer hohen Dichte an Wettanbietern. In Barking und Dagenham gibt es derzeit 42 Wettbüros, Zentren für Unterhaltungsautomaten und Bingohallen. Besonders auffällig ist die Konzentration im Stadtzentrum von Barking mit elf Betrieben sowie rund um den Heathway in Dagenham mit fünf Standorten. Der Entwurf der neuen Richtlinie beschreibt das Stadtzentrum von Barking als einen Ort mit hohem Armutsniveau und der höchsten Kriminalitätsrate des Bezirks. Heathway wird als eines der ärmsten Gebiete bezeichnet. Eine Online-Konsultation zu den Plänen verdeutlichte das Unbehagen der Bevölkerung. Ein Anwohner gab zu Protokoll, dass man in Barking keine 100 Meter weit gehen könne, ohne auf ein Wettbüro zu stoßen, da die Betreiber gezielt die ärmsten Viertel ansteuern würden.
Zahlen und Fakten
Die wirtschaftliche Bedeutung der Branche ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, wie die Gegenseite betont. Das Betting and Gaming Council (BGC), vertreten durch die Kanzlei Gosschalks, argumentiert leidenschaftlich für den Erhalt der Standorte. Nach Angaben des Verbandes sichern Wettbüros allein 42.000 Arbeitsplätze in den britischen Einkaufsstraßen. Jährlich fließen rund 800 Millionen Pfund an Steuern in die Staatskasse, plus weitere 60 Millionen Pfund an Gewerbesteuern für die lokalen Räte. Dennoch zeigen Statistiken von Branchenkennern, dass die Zahl der Wettbüros seit 2019 um mehr als ein Drittel gesunken ist. Etwa 3.000 Läden wurden geschlossen, was zum Verlust von 15.000 Arbeitsplätzen führte.
„Wettbüros allein unterstützen 42.000 Arbeitsplätze in den unter Druck stehenden britischen Einkaufsstraßen und tragen jährlich 800 Millionen Pfund an Steuern zum Finanzministerium sowie weitere 60 Millionen Pfund an Gewerbesteuer für lokale Räte bei.“ - Sprecher der Kanzlei Gosschalks, Vertretung für das Betting and Gaming Council
Hintergrund
Die Initiative in London fällt in eine Zeit nationaler politischer Umbrüche. Der britische Premierminister Andy Burnham plant, das sogenannte aim-to-permit-Prinzip abzuschaffen. Diese Regelung besagt bisher, dass Genehmigungen für Glücksspielstätten im Zweifelsfall eher erteilt als verweigert werden sollten. Burnham bezeichnete Wettbüros und Vape-Shops in sozialen Medien als zwielichtige Geschäfte und forderte mehr Kontrolle für die Kommunen. Der Stadtrat von Barking und Dagenham räumt zwar ein, dass Lizenzen derzeit nur verweigert werden können, wenn gesetzliche Ziele wie die Verhinderung von Kriminalität oder der Schutz von Kindern gefährdet sind, doch die neue Richtlinie soll den Spielraum für Ablehnungen in Problemvierteln massiv vergrößern.
Was heißt das für deutsche Spieler?
In Deutschland ist die Situation durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) bereits sehr strikt geregelt, was den Schutz in sozialen Brennpunkten betrifft. Während in England lokale Räte erst jetzt um mehr Befugnisse kämpfen, gibt es hierzulande bereits klare Abstandsregeln zwischen Wettvermittlungsstellen und Einrichtungen für Kinder oder Jugendliche. Deutsche Spieler profitieren zudem von der GGL-Whitelist, die sicherstellt, dass nur lizenzierte Anbieter auf dem Markt agieren. Für Online-Glücksspiel gelten in Deutschland harte Limits, wie das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro über das LUGAS-System und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten. Wer bei einem Anbieter spielt, der nicht auf der Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder steht, begibt sich in ein rechtliches Graufeld ohne deutschen Spielerschutz.
Was das für GGL-Casinos heißt
Die Entwicklungen in Großbritannien zeigen, dass der regulatorische Druck auf die Branche weltweit zunimmt. Für Casinos mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) bedeutet dies eine Bestätigung ihres strengen Weges. Während in England über die soziale Verantwortung von Standorten gestritten wird, müssen GGL-Casinos in Deutschland bereits nachweisen, dass sie Spielerschutz aktiv betreiben. Dazu gehören Früherkennungssysteme für problematisches Spielverhalten und der Anschluss an die Sperrdatei OASIS. Anbieter, die sich nicht an diese Regeln halten, riskieren den Entzug ihrer deutschen Konzession. Die Debatte in London unterstreicht, wie wichtig ein rechtlich abgesicherter Rahmen ist, um das Vertrauen der Öffentlichkeit nicht zu verlieren.
Häufige Fragen
Warum will der Stadtrat von Barking und Dagenham neue Lizenzen einschränken?
Der Rat möchte Bewohner in sozial benachteiligten Gebieten mit hoher Armut und Kriminalität besser schützen. Ziel ist es, die Dichte an Wettbüros zu reduzieren und die öffentliche Gesundheit zu fördern.
Wie viele Wettbüros gibt es derzeit im betroffenen Londoner Bezirk?
Aktuell sind 42 Standorte für Glücksspiel registriert, darunter Wettbüros und Bingohallen. Elf dieser Betriebe befinden sich allein im Stadtzentrum von Barking.
Was sagen die Branchenverbände zu den Plänen?
Das Betting and Gaming Council betont den wirtschaftlichen Beitrag von 42.000 Arbeitsplätzen und 800 Millionen Pfund Steuergeldern pro Jahr. Sie warnen davor, dass weitere Schließungen die ohnehin leidenden Einkaufsstraßen schwächen könnten.
Gibt es in Deutschland ähnliche Beschränkungen für Wettbüros?
Ja, in Deutschland regelt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 unter anderem Mindestabstände zwischen Spielhallen und Wettbüros. Zudem müssen alle legalen Online-Anbieter auf der Whitelist der GGL stehen und strikte Einzahlungslimits von 1.000 Euro pro Monat einhalten.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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