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Regulierung

Brasilien verschärft Werberegeln: ABRAJOGO und CONAR schließen neuen Überwachungspakt

Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Brasilien verschärft Werberegeln: ABRAJOGO und CONAR schließen neuen ÜberwachungspaktKI-GENERIERT

Der brasilianische Glücksspielverband ABRAJOGO und der Werberat CONAR kooperieren enger, um Influencer und Affiliates bei Wettwerbung strenger zu kontrollieren.

In Brasilien weht ein neuer Wind für die Glücksspielbranche, da die Branche selbst den Druck auf unseriöse Werbepraktiken erhöht. Die Brazilian Association of International Gaming Operators and Suppliers (ABRAJOGO) hat sich mit dem National Advertising Self-Regulation Council (CONAR) zusammengeschlossen. Ziel dieser weitreichenden Vereinbarung ist es, die Überwachung der Werberegeln im schnell wachsenden brasilianischen Wettmarkt massiv zu verstärken. Dies betrifft nicht nur die klassischen Fernsehspots, sondern zielt direkt auf das Herz des modernen Marketings: die sozialen Medien.

Die Kooperation sieht vor, dass ABRAJOGO offiziell Teil des brasilianischen Selbstregulierungssystems wird. Das ist ein kluger Schachzug, denn so rücken die Betreiber direkt an die Instanz heran, die die ethischen Leitplanken für Werbung im Land setzt. Angesichts der rasanten Transformation des Sektors und des steigenden Werbevolumens ist dieser Schritt notwendig, um insbesondere Kinder, Jugendliche und Personen in prekären Situationen vor aggressiven Marketingtaktiken zu bewahren. Es geht hierbei um weit mehr als nur bloße Lippenbekenntnisse, es geht um den Aufbau einer funktionierenden Infrastruktur für den Verbraucherschutz.

Zahlen und Fakten

Im Kern der Vereinbarung steht die Beteiligung an der Betting Working Group von CONAR. ABRAJOGO darf ab sofort einen offiziellen Vertreter und einen Stellvertreter in diese Arbeitsgruppe entsenden. Diese Gruppe hat eine zentrale Funktion, da sie die Umsetzung der Regeln überwacht und Vorschläge für Revisionen einbringt. Ein wichtiger Meilenstein war bereits die Erstellung des Anhangs X des brasilianischen Kodex für Werbeselbstregulierung, der am 28. August 2026 aktualisiert wurde. Diese neuen Richtlinien bilden das Fundament für die aktuelle Partnerschaft.

Besonders bemerkenswert ist die Einbeziehung der gesamten Kommunikationskette. Witoldo Hendrich Júnior, der Präsident von ABRAJOGO, stellte klar, dass die Verantwortung breit gestreut sein muss. Er betonte, dass verantwortungsvolle Werbung nicht nur das Befolgen von Regeln bedeutet, sondern die Erkenntnis, dass jeder Akteur im System Verpflichtungen hat. Das Abkommen ermöglicht es zudem, Unregelmäßigkeiten direkt an die Secretariat of Prizes and Betting (SPA/MF) zu melden. Dies gilt sogar für Anbieter, die gar keine offizielle Zulassung für den regulierten brasilianischen Markt besitzen, was den Kontrolldruck auf den Schwarzmarkt erhöht.

„Verantwortungsvolle Werbung bedeutet nicht nur, die Regeln zu befolgen. Es geht darum zu erkennen, dass alle Akteure in der Kommunikation Verpflichtungen haben, die ihrer Rolle entsprechen." - Witoldo Hendrich Júnior, Präsident von ABRAJOGO

Hintergrund

Brasilien befindet sich momentan in einer entscheidenden Phase der Marktöffnung für Sportwetten und Online-Glücksspiele. Die Regierung arbeitet unter Hochdruck an der Implementierung eines vollständig regulierten Marktes. Die Zusammenarbeit zwischen CONAR und ABRAJOGO ist eine Reaktion auf die Befürchtung, dass der Markt ohne strikte Selbstkontrolle im Chaos versinken könnte. Influencer und Affiliates standen in der Vergangenheit oft außerhalb der Reichweite klassischer Regulierungsbehörden. Durch das neue Abkommen werden sie explizit in die Compliance-Gespräche einbezogen. ABRAJOGO hat sich verpflichtet, alle seine Mitglieder sowie deren Werbeagenturen und Partner umfassend über die Bestimmungen des Werbekodex zu informieren.

Die Partnerschaft umfasst auch Bildungsprogramme und die Entwicklung von Überwachungsprogrammen für Anzeigen. Verbraucher haben über die bestehenden Kanäle von CONAR die Möglichkeit, Verstöße gegen die Werberichtlinien zu melden. Dies schafft Transparenz und gibt der Öffentlichkeit ein Werkzeug an die Hand, um schwarze Schafe in der Branche zu identifizieren. Dass nun auch Wissenschaftler und Verbraucherschutzorganisationen in die Arbeitsgruppe berufen werden könnten, zeigt den Wunsch nach einer pluralistischen Sichtweise auf die Werbestandards.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler, die sich im Rahmen des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GlüStV 2021) bewegen, wirkt die Situation in Brasilien fast wie ein Spiegelbild der hiesigen Debatten. In Deutschland ist die Werbung für Glücksspiel durch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) bereits extrem streng reglementiert. Während Brasilien erst jetzt beginnt, Influencer stärker an die Kandare zu nehmen, ist dies in Deutschland durch die Whitelist-Vorgaben und das Verbot von Werbung bei Minderjährigen längst Realität. Deutsche Spieler profitieren hierzulande von einem Sicherheitsnetz, das Einzahlungslimits von 1.000 Euro pro Monat und Einsatzlimits von 1 Euro pro Spin an Slots umfasst.

Dennoch zeigt die Entwicklung in Südamerika, dass das Thema Spielerschutz global an Bedeutung gewinnt. Wer in Deutschland spielt, sollte zwingend auf die LUGAS-Anbindung und die OASIS-Sperrdatei achten, die nur bei Anbietern mit GGL-Lizenz vorhanden sind. Die brasilianischen Bemühungen unterstreichen, dass Selbstregulierung allein oft nicht ausreicht, sondern eine enge Verzahnung zwischen Branchenverbänden und staatlichen Stellen wie der SPA/MF in Brasilien oder der GGL in Deutschland nötig ist. Werbliche Versprechungen auf Social Media sollten immer mit Skepsis betrachtet werden, insbesondere wenn sie von nicht-lizenzierten Anbietern stammen.

Was das für GGL-Casinos heißt

GGL-lizenzierte Casinos in Deutschland können den brasilianischen Vorstoß als Bestätigung ihres eigenen Geschäftsmodells sehen. Seriosität und Compliance werden zunehmend zum Wettbewerbsvorteil. In Brasilien müssen sich Betreiber nun dem Urteil des Werberats beugen, was den legalen Markt stärkt. Für lizenzierte Anbieter in Deutschland bedeutet dies, dass der Druck auf internationale Plattformen wächst, sich ebenfalls an globale Standards zu halten. Die Kooperation von ABRAJOGO und CONAR beweist, dass internationale Verbände bereit sind, gegen illegale Werbung vorzugehen, was langfristig auch den lizenzierten Markt in Europa stabilisiert, indem unlautere Konkurrenz durch illegale Affiliates eingedämmt wird.

Häufige Fragen

Wer sind die Partner der neuen Vereinbarung in Brasilien?

Die Vereinbarung wurde zwischen dem brasilianischen Werberat CONAR und dem Verband internationaler Glücksspielbetreiber ABRAJOGO geschlossen. Ziel ist die gemeinsame Überwachung von Werbestandards im Wettmarkt.

Werden Influencer durch das neue Abkommen kontrolliert?

Ja, das Abkommen schließt digitale Influencer und Affiliates explizit in das Framework für verantwortungsvolle Werbung ein. Sie müssen sich nun an den brasilianischen Werbeselbstregulierungskodex halten.

Was ist die Aufgabe der Betting Working Group?

Die Arbeitsgruppe innerhalb von CONAR überwacht die Einhaltung der Werberegeln und erarbeitet Vorschläge für neue Richtlinien und technische Hinweise. ABRAJOGO entsendet nun feste Vertreter in dieses Gremium.

Können Verbraucher Werbung in Brasilien melden?

Verbraucher können Unregelmäßigkeiten über die bestehenden Kanäle von CONAR melden. Dies dient dazu, Verstöße gegen ethische und gesetzliche Werbestandards schneller aufzudecken.

Wie unterscheidet sich die Lage in Brasilien von der in Deutschland?

In Deutschland ist die Werbung bereits durch den GlüStV 2021 und die GGL streng reglementiert, inklusive Einsatzlimits und LUGAS-Anbindung. Brasilien baut ein ähnliches System der Kontrolle und Selbstregulierung gerade erst auf.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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