Argentinien: Glücksspielwerbung in der Grauzone – Bundesrahmen fehlt weiterhin

Die argentinische Glücksspielbranche ist frustriert über die schleppende Regulierung der Werbung: Ein neuer Verhaltenskodex der ALEA soll nun landesweit einheitliche Regeln schaffen, während der Kongress seit fast drei Jahren über ein Bundesgesetz debattiert.
Die argentinische Glücksspielindustrie zeigt sich einmal mehr enttäuscht von der Ineffizienz der Regierung in Buenos Aires. Während die Politik bei der Regulierung von Glücksspielwerbung seit Jahren auf der Stelle tritt, hat die Branche nun selbst die Initiative ergriffen. Mit einem neuen „Código de Buenas Prácticas“ (Verhaltenskodex für gute Praktiken) sollen gemeinsame Standards für Online- und landbasierte Glücksspielaktivitäten geschaffen werden. Dies ist ein wichtiger Schritt, um den Verbraucherschutz zu stärken und nachhaltige Werbestandards in Argentinien zu etablieren.
Die Asociación de Loterías, Quinielas y Casinos Estatales de Argentina (ALEA) ist federführend bei diesem Vorhaben. ALEA repräsentiert die staatlichen Lotteriebehörden und die Provinzregulierungsbehörden des Landes. Sie hat einen Kodex vorgestellt, der als Blaupause für zukünftige provinzielle Regulierungen dienen könnte.
Zahlen und Fakten
Der freiwillige Kodex legt gemeinsame Prinzipien für die Werbung fest, um Jugendliche und schutzbedürftige Zielgruppen zu schützen. Ida López, Präsidentin der ALEA, erläuterte, dass der Kodex Prinzipien, Kriterien und Richtlinien für die kommerzielle Kommunikation von Glücksspiel festlegt. Diese sollen Lizenznehmern und Regulierungsbehörden einen praktischen Rahmen bieten. Der Rahmen kann später in provinzielle Vorschriften, Lizenzbedingungen und vertragliche Verpflichtungen integriert werden.
Der Kodex gilt für alle B2C-Marketingformen. Dazu gehören Werbeagenturen, Affiliate-Netzwerke, Performance-Marketing-Plattformen, Medienunternehmen, Influencer, Streamer und Markenbotschafter. Er wird auch auf den B2B-Sektor ausgedehnt. Standards für Technologieanbieter, Spielestudios und Lösungsanbieter sollen kodifiziert werden. Die Werbung muss den lizenzierten Betreiber und, wo zutreffend, die ausstellende Gerichtsbarkeit klar kennzeichnen. Alle Botschaften müssen verantwortungsbewusst sein und dürfen keine irreführenden Informationen oder Darstellungen über Glücksspielaktivitäten, Produkte oder Werbeaktionen enthalten. Das Gesetz wird seit fast drei Jahren im Senat blockiert.
Hintergrund
Ida López betonte, dass Glücksspielwerbung immer ihrer sozialen Verantwortung genügen muss. Sie äußerte sich deutlich zur notwendigen Haltung der Branche:
„Kommerzielle Kommunikation muss sozial verantwortlich durchgeführt werden. Sie darf kein schädliches oder pathologisches Glücksspielverhalten fördern. Glücksspiel muss ausschließlich als Unterhaltungsaktivität für Erwachsene präsentiert werden, innerhalb angemessener Grenzen und unterstützt durch ausreichende Informationen.“ - Ida López, Präsidentin von ALEA
Sie ergänzte, dass Betreiber und ihre Partner angemessene, verhältnismäßige und überprüfbare Maßnahmen ergreifen sollten. Dies soll die Exposition, Anwerbung oder Verleitung von Minderjährigen und schutzbedürftigen Personen verhindern. Dies schließt selbst ausgeschlossene Kunden und Spieler mit Anzeichen von Spielsucht ein. Für López kann der Schutz argentinischer Kinder und Jugendlicher nicht auf einen politischen Konsens in Buenos Aires warten. ALEA sieht sich daher gezwungen, eigenständig bei der Entwicklung eines Best-Practice-Kodex voranzugehen. Sie argumentiert, dass Regulierungsbehörden und lizenzierte Betreiber eine unmittelbare Verantwortung tragen. Sie müssen Schutzmaßnahmen in jeder Gerichtsbarkeit stärken. Der Kodex bietet den Provinzen praktische Leitlinien, die sofort übernommen werden können. Dies geschieht, während umfassendere Gesetzesreformen weiterlaufen.
Diese Initiative kommt zustande, da Argentinien ins dritte Jahr ohne einen einheitlichen federalen Rahmen für Glücksspielwerbung geht. Der Kongress debattiert seit fast drei Jahren über Gesetze. Diese würden landesweite Einschränkungen für Glücksspielwerbung, Sponsoring, Prominenten-Empfehlungen und digitale Werbeaktionen einführen. Der Vorschlag wurde von der Abgeordnetenkammer genehmigt. Er würde Argentiniens erstes umfassendes Bundesregime für Glücksspielwerbung etablieren. Auch der Schutz von Minderjährigen würde erheblich erweitert. Trotz wiederholter Dringlichkeitsappelle bleibt die Gesetzgebung jedoch im Senat blockiert. Keine Minister oder politischen Parteien sind bereit, einen endgültigen Gesetzesentwurf vorzulegen.
Zu den stärksten Befürwortern gehören der Bürgermeister von Buenos Aires, Jorge Macri, und der Abgeordnete Maximiliano Ferraro. Sie argumentieren konsequent, dass Argentinien eine koordinierte nationale Strategie benötigt. Diese soll Jugendglücksspiel bekämpfen und das Einwirken von Glücksspielinhalten auf Minderjährige reduzieren. Macri hat insbesondere die Missstände im Einzelhandels-Glücksspielsektor kritisiert. Er monierte, dass Tausenden von Minderjährigen der Zugang zu Spielautomaten ermöglicht wurde. Seine Verwaltung hat die Durchsetzung gegen illegale Glücksspielbetreiber, Influencer, die unlizenzierte Glücksspiel-Websites bewerben, und Verstöße im Zusammenhang mit Glücksspiel durch Minderjährige verstärkt. Gleichzeitig drängt sie weiterhin auf einen bundesweiten Werberahmen.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Auch in Deutschland ist der Spielerschutz ein zentrales Thema. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) hat hierzulande wichtige Neuerungen gebracht. Deutsche Online-Casinomit einer GGL (Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder)-Lizenz unterliegen strengen Regeln für die Werbung. Das schützt Spieler und insbesondere Minderjährige. Dazu gehören klare Vorgaben für die Kennzeichnung von Werbung. Irreführende Aussagen sind verboten. Das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin sind weitere Schutzmaßnahmen. Zudem ist das zentrale Sperrsystem LUGAS (Länderübergreifendes Glücksspielaufsichtssystem) verpflichtend. Es ermöglicht Spielern, sich spielformübergreifend selbst zu sperren. Dies dient auch zum Schutz von Personen mit problematischem Spielverhalten. Im Gegensatz zu Argentinien, wo es kein einheitliches Sperrsystem gibt, bietet Deutschland hier eine deutlich höhere Sicherheit.
Was das für GGL-Casinos heißt
Die Situation in Argentinien zeigt, wie wichtig ein einheitliches und umfassendes Regelwerk ist. GGL-lizenzierte Casinos profitieren in Deutschland von klaren Vorgaben. Diese schaffen Rechtssicherheit für Betreiber und Vertrauen bei Spielern. Der Fall Argentinien deutet an, dass der Selbstregulierung durch Verbände zwar eine wichtige Brückenfunktion zukommt, aber ein starker Regulierungsapparat auf Dauer nicht zu ersetzen ist, um flächendeckend hohe Standards zu gewährleisten. In Deutschland ist die GGL dafür zuständig, die Einhaltung dieser Vorgaben zu überwachen und durchzusetzen. Konsistente Standards sind für die deutsche Glücksspielbranche ein Wettbewerbsvorteil. Sie stärken das Vertrauen in legale Angebote.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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